Braunschweig. Nimmt die Stadtverwaltung etwa Einfluss auf die politische Zusammensetzung des nächsten Braunschweiger Jugendparlaments? So könnte die zugespitzte Kritik an der Botschaft eines Kurzvideos lauten, das kürzlich auf dem städtischen Tiktok-Kanal erschienen ist.
"Umweltpolitik, Vielfalt, Freiheit, Orte für junge Menschen, Mobilität" – zu dieser Aufzählung sagen zwei junge Menschen in dem Video: "Wenn dir diese Themen wichtig sind, dann komm ins nächste Braunschweiger Jugendparlament!" Die beiden aktuellen Mitglieder des "Jupa" wollten mit dem Clip offensichtlich um neue Kandidaten werben. Doch was ist mit anderen Themen, die Jugendliche bewegen könnten? Werden die bei dieser Aufzählung nicht ausgeblendet?
Junge Menschen wollen andere mit ihrem Engagement anstecken
Auf Nachfrage von regionalHeute.de erklärt ein Pressesprecher der Stadt jetzt: "Die genannten Begriffe sind Themen, die den jungen Menschen, die sich beim Jugendparlament schon engagieren, wichtig sind. Das bringen sie mit diesem Beitrag zum Ausdruck und wollen andere mit ihrem Engagement anstecken."
Dass die Stadtverwaltung hier etwa Einfluss auf das Jugendparlament nehmen will, weist sie somit entschieden von sich. Das sei auch bereits durch den Status und das Format des Online-Netzwerks Tiktok begründet. "Ein Tiktok-Beitrag ist keine Satzung und keine formelle öffentliche Bekanntmachung. Er kann schon aus Gründen der bekannten Kürze solcher Videos nicht vollständig sein", heißt es aus der Stadtverwaltung. Auch andere Medien, selbst längere Texte, hätten es schwer, alle Themen, mit denen sich ein Parlament befassen kann, vollständig abzubilden.
Die im Video genannten Begriffe seien beispielhaft und drücken keine Exklusivität aus, erklärt die Verwaltung. Aktuelle Parlamentarier, wie es auch die Protagonisten in dem Kurzvideo sind, sind auch die Urheber der Themenliste. "Dadurch, dass junge engagierte Menschen in den Videos sprechen beziehungsweise auftreten, sind diese ein Stück weit subjektiv – und insoweit auch sehr typisch für Tiktok", erklärt die Stadt.
Stadt unterstützt unterschiedliche politische Auffassungen
Und selbst zu den genannten Themen wie beispielsweise Mobilität und Umweltpolitik könne es unterschiedliche politische Auffassungen geben. "Genau solche unterschiedlichen Auffassungen zu diesen und anderen Themen können die jungen Menschen dann im Jugendparlament diskutieren. Das unterstützt die Stadtverwaltung, denn sie wünscht sich politisch interessierte junge Menschen, die ihre Ziele und Wünsche auf demokratische Weise diskutieren und gemeinsam nach Lösungen und Kompromissen suchen", erklärt die Verwaltung.
Die Bewerbungsfrist für das nächste Jugendparlament ist derweil bereits abgelaufen. Die wahlberechtigten Jugendlichen wählen online ihre Abgeordneten für eine Amtszeit von zwei Jahren.

