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Bürgermeister hat genug von "Morbus Schlaubergeritis"



Wolfenbüttel

Bürgermeister hat genug von "Morbus Schlaubergeritis"

von Anke Donner


Thomas Pink fand deutliche Worte für alle, die meinen, sie wüssten alles besser in Bezug auf das Löwentor. Foto: Anke Donner
Thomas Pink fand deutliche Worte für alle, die meinen, sie wüssten alles besser in Bezug auf das Löwentor. Foto: Anke Donner

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Wolfenbüttel. Den Jahresempfang der Stadt am Freitag nutze Bürgermeister Thomas Pink dafür, einmal einige klare Worte an all diejenigen zu richten, die in punkto Löwentor Kritik an Stadt und Entwickler üben. Es habe sich, so Pink, in der Stadt eine Volkskrankheit entwickelt - die er als "Morbus Schlaubergeritis" bezeichnete.



Die Entwicklung der ehemaligen Hertie-Liegenschaft beschäftigt seit Jahren Stadtverwaltung, Entwickler und Bürger. Letztere, so Pink, würden allerdings oft glauben, sie wüssten über alles bestens bescheid. Dieses Halbwissen sorge aber nicht selten dafür, dass Spekulationen und Falschmeldungen die Runde machen. Besonders in den sozialen Netzwerken würden immer wieder Gerüchte und Kommentare kursieren, die dem Stadtoberhaupt sauer aufstoßen.

"Die Revitalisierung der Hertie-Liegenschaft. Dazu ein paar Anmerkungen. Eigentlich wollte ich es mir verkneifen, dazu etwas zu sagen, aber es geht einfach nicht. Ich muss einfach ein paar Worte verlieren. Wir haben alle die letzten Jahre dieses Trauerspiels erlebt. Nun gibt es klare Entscheidungen – ja natürlich – es ist mir schon klar: wir können es eben nicht jedem recht machen. Geht nicht. Nur eines stelle ich in diesem Lande im Allgemeinen und in unserer Stadt – vor allem bei diesem Thema im Besonderen fest: Es hat sich schleichend eine neue Volkskrankheit entwickelt, habe ich Hobby-Psychologe erforscht - Morbus Schlaubergeritis", sagte das Stadtoberhaupt in aller Deutlichkeit während des Empfangs.


"Es ist schon faszinierend, mit welcher Inbrunst sich viele Zeitgenossen zu allen möglichen Themen zwischenzeitlich äußern, so als ob sie seit Monaten in den Prozess eingebunden wären. Quasi bei allen Entscheidungen daneben sitzen. Da wird vermeintliches Insiderwissen suggeriert , Verschwörungstheorien werden auch gern geäußert, vermeintliche Experten stellen Behauptungen auf, die schlicht und ergreifend unwahr sind – etwa wir würden bei der Revitalisierung der Hertieliegenschaft zinslose Darlehen als Stadt vergeben. Wie kommt dieser Herr dazu, so etwas völlig an den Haaren herbeigezogenes zu behaupten. Fakenews oder alternative Fakten? Nett sind ja noch gut gemeinte Ratschläge. Ich will es mal freundlich formulieren, an so einem wunderbaren Abend: Mit der Hertie Revitalisierung ist es wie kurz vor einer Fußball WM – da gibt es in Deutschland über 80 Millionen Bundestrainer, Jogi Löws so zu sagen. Bei Hertie gab und gibt es 53.000 Entwickler", so Pink.

Keine andere Alternative


Bereits auf der vergangenen Sonderratssitzung zur Hertie-Immobilie machte der Bürgermister seinem Ärger Luft und erklärte: „Natürlich gibt es ernstzunehmende Anmerkungen, Kritikpunkte oder Vorschläge. Aber es passiert jetzt das, was in diesem Lande immer passiert, wenn man mal etwas anderes macht.“ Es kämen jetzt die selbsternannten Fachleute und Experten, die sowieso alles schon wussten und jetzt erneut Ratschläge geben, als ob die Verwaltung nicht selbst seit Monaten in allen Gremien dieser Stadt, der Verwaltung hin und her geprüft, juristische recherchiert, wirtschaftlich abgewogen hätte.

„Ja, wir gehen hier einen neuen Weg, wir gehen einen ungewöhnlichen Weg, den wir aber schon zu Beginn der Projektierung mal diskutiert haben. Wir wagen etwas, aber wir tun das deshalb, weil wir von unserem Handeln überzeugt sind. Weil wir diese Stadt gemeinsam mit unserem Entwickler nach vorne bringen wollen. Mit Verlaub, die ganzen anderen klugen und selbsternannten Immobilienentwickler, Unternehmensberater und Wirtschaftsweisen hatten die ganzen vergangenen neun Jahre ausreichend Zeit, sich hier mit uns gemeinsam oder auch alleine zu engagieren. Wir sind keine Konjunktiv-Politiker: wir können, wir sollten wir müssen – nein, wir machen – weil wir hier keine Alternative haben", machte Pink den Standpunktder Verwaltung klar.

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