Region.
Überall neue Jobs, neue Titel, neue Arbeitgeber. Zum Jahresstart scheint plötzlich jeder gewechselt zu haben. Doch stimmt das wirklich? Warum der Januar so viel Bewegung bringt – und warum ein Jobwechsel 2026 alles andere als leicht ist.
Der Januar ist der Monat, in dem viele Beschäftigte in der Region Bilanz ziehen. Nicht laut, nicht öffentlich, sondern im Stillen. Ob der Job noch passt, der Arbeitsweg, die Schichten, der Druck. In Büros, Werkhallen, Pflegeeinrichtungen und Homeoffices zwischen Braunschweig und Salzgitter laufen diese Fragen gerade parallel.
Wirtschaftliche Unsicherheit spürbar
Dabei ist die Ausgangslage 2026 eine andere als noch vor wenigen Jahren. Die wirtschaftliche Unsicherheit ist spürbar. Zum Jahresende 2025 lag die Arbeitslosigkeit in Niedersachsen bei rund 268.700 Menschen, die Quote stieg auf 6,0 Prozent. In der Region bedeutet das vor allem eines: mehr Vorsicht, weniger Leichtsinn. Ein Wechsel wird nicht mehr als Selbstverständlichkeit gesehen, sondern als Risiko, das genau abgewogen wird.
Wechsel-Monat Januar?
Trotzdem entsteht zum Jahresstart der Eindruck, als würden Viele gerade neu anfangen. In Business-Netzwerken häufen sich die Meldungen über neue Positionen, neue Arbeitgeber, neue Aufgaben. Der Eindruck einer Wechselwelle liegt nahe.
Tatsächlich folgt diese Bewegung einer klaren Logik. Viele Arbeitsverträge sehen Kündigungsfristen von drei Monaten vor. Wer im September oder Oktober kündigt, startet häufig zum 1. Januar im neuen Job. Der Wechsel wirkt plötzlich, ist aber meist lange vorbereitet.
Hinzu kommt die betriebliche Planung. Gerade größere Arbeitgeber in der Region, vom Automobilumfeld bis zur öffentlichen Verwaltung, setzen Neueinstellungen bevorzugt zum Jahresanfang um. Budgets, Stellenpläne und Projekte starten neu. Der Januar ist deshalb weniger ein emotionaler Neustart als vielmehr ein organisatorischer Stichtag.
Was die Zahlen zeigen
Ein Blick auf die Arbeitsmarktdaten bestätigt dieses Bild. Im Agenturbezirk Braunschweig-Goslar waren im Dezember 2025 rund 4.585 offene Arbeitsstellen gemeldet. Das ist weniger als im Jahr zuvor, aber weiterhin ein Niveau, das Wechsel grundsätzlich möglich macht.
Gleichzeitig zeigt der Trend nach unten. Die Zahl der gemeldeten Stellen ist rückläufig, besonders in industrienahen Bereichen. Der Markt bewegt sich weiter, aber auf deutlich engerem Raum. Wer heute wechselt, konkurriert stärker als noch vor zwei oder drei Jahren.
Bundesweit spiegelt sich diese Entwicklung wider. Nach Erhebungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung lag die Zahl offener Stellen Ende 2025 bei etwa 1,0 bis 1,05 Millionen. Das entspricht einem Rückgang von bis zu 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Region Braunschweig-Wolfsburg ist von dieser Entwicklung nicht abgekoppelt.
Industrie unter Druck, Pflege unter Dauerstress
Besonders sichtbar wird die Spaltung des Arbeitsmarktes rund um Wolfsburg. Die Automobilindustrie und ihre Zulieferer stehen unter massivem Veränderungsdruck. Transformation, Sparprogramme und Unsicherheit prägen viele Betriebe. Jobs verändern sich schneller, als Qualifikationen nachgezogen werden können.
Ein Wechsel aus der Industrie ist möglich, aber selten bequem. Häufig führt er über Weiterbildung, befristete Verträge oder Einkommenseinbußen. Viele Beschäftigte bleiben, obwohl sie unzufrieden sind, weil die Alternativen unklar wirken.
Ganz anders die Lage in Pflege, Gesundheit, Erziehung und sozialen Berufen, auch in Wolfenbüttel und dem Umland. Hier wird weiterhin gesucht, teilweise händeringend. Der Fachkräftemangel ist Alltag, nicht Schlagwort. Wer hier wechselt, tut das oft selbstbewusst, weil Optionen vorhanden sind, auch wenn die Arbeitsbedingungen weiterhin belastend bleiben.
Viele wollen weg, wenige gehen
Auffällig ist ein Widerspruch, der auch in der Region deutlich wird. Umfragen zeigen, dass rund ein Drittel der Beschäftigten über einen Jobwechsel nachdenkt. Tatsächlich wechseln pro Jahr aber nur etwa acht bis zehn Prozent. Zwischen Wunsch und Wirklichkeit liegt eine Lücke, die größer geworden ist.
Der Januar 2026 ist deshalb für viele kein Startschuss, sondern ein Prüfmonat. Bewerbungen schreiben, Gespräche führen, Optionen ausloten. Kündigen ohne Anschluss tun die wenigsten, nicht aus Bequemlichkeit, sondern aus Erfahrung. Wer bleibt, bleibt oft nicht aus Zufriedenheit, sondern aus Vorsicht. Und genau das macht diesen Januar für viele zum eigentlichen Job-Wendepunkt.

