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Das Smartphone als Suchtfaktor?



Braunschweig

Das Smartphone als Suchtfaktor?

von Robert Braumann


Wird das Smartphone immer mehr zum Suchtobjekt? RegionalBraunschweig.de hat beim Experten nachgefragt. Foto: Sina Rühland
Wird das Smartphone immer mehr zum Suchtobjekt? RegionalBraunschweig.de hat beim Experten nachgefragt. Foto: Sina Rühland Foto: Sina Rühland

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Braunschweig. Nach Angaben der Landessuchtstelle Schleswig-Holstein beeinflusst das Smartphone immer stärker das tägliche Leben der Jugendlichen. Viele junge Menschen würden es demnach mit dem Konsum übertreiben.Jedes zweite Kind hat ein Handy. Diese Zahlen nannte der Verband Bitkom in Berlin. Bei den 19-Jährigen sind es 95 Prozent. RegionalBraunschweig.de hat sich mit Stefan Schaper, Medienkoordination Stadt Braunschweig, unterhalten. Wie bewertet er die Situation in der Löwenstadt? 

"Die Landessuchtstelle Schleswig Holstein hat natürlich recht was ihre Ansicht zu Jugendlichen betrifft, verkennt aber, in allen Altersgruppe nimmt der Konsum zu. Kinder und Jugendlichen eignen sich naturgemäß schneller verfügbare Technik an, als es Erwachsene tun, daher muss man die Zahlen (und auch alle anderen) zunächst einmal mit Vorsicht sehen. Zudem ist Sucht im Medienkontext noch immer sehr „schwammig“ definiert, da der Suchtbegriff dort medizinisch nicht klar festgelegt ist. Für Braunschweig haben wir keinerlei Zahlen dafür erhoben und mir sind auch keine Fälle bekannt, die unter suchtähnliches Verhalten fallen würden. Aber, natürlich gibt es zahlreiche Jugendliche die intensiv mit den aktuellen Medien "unterwegs" sind." Schaper sieht besonders Jugendliche gefährdet, die in der "realen" Welt wenig bis keine Kontakte oder Erfolgserlebnisse haben, diese würden sich eher und schneller in die vermeintlich "virtuellen" Welten flüchten. "Von außen mag dies oftmals als Sucht aussehen, vielfach ist es in meinen Augen aber eher eine Flucht vor den Anforderungen in Schule/Gesellschaft.", so Schaper.




Eltern als Vorbild


Allerdings könne die ständige Erreichbarkeit bei einigen zu einem Zwang führen: "Aktuell zu WhatsApp kann man sicher sagen, gerade Kinder und jüngere Jugendliche nutzen vielfach WhatsApp und lassen sich durch die schiere Menge der Nachrichten schnell unter Druck setzen ("Warum hast Du nicht gleich geantwortet“. "Wo bist Du, Du bist doch online!"). Das ständige gucken aufs Smartphone entspringt also eher der Angst etwas zu verpassen und weniger einem Suchtaspekt. Hier fehlt es ihnen an Erfahrung und auch Anleitung: Man muss nicht ständig "on" sein. Es ist nicht notwendig jede Nachricht zu kommentieren. Dies und anderes lernen Kinder aber nicht "aus der Luft", zum einen ist es Aufgabe der Eltern, zum anderen aber auch der Gesellschaft. Solange die Mehrheit der Erwachsenen mit Smartphone im Café oder Bus sitzen, ist es schwer mit dem Vorbild."



Motive sind vielfältig


Grundsätzlich habe er mit dem Suchtbegrifff, gerade im Kontext Medien, eher Schwierigkeiten, da der Begriff immer sehr global gewählt werden würde: "Ein intensiver Smartphonenutzer könnte seiner "Spielsucht“ nachhängen, weil er Online-Poker spielt . Möglich wäre aber auch, er nutzt intensiv Facebook weil einer FB Gruppe leitet oder er ist massiv bei WhatsApp, weil er sich schlicht "nicht trennen“ kann." Leider würde es weiterhin weiterhin einen Mangel, an an aktuellen, breitaufgestellten, wissenschaftlichen Studien geben. Unter dem Motto „Spaß.Bildung.Rechte.“ haben der Braunschweiger Präventionsrat und das Mediennetzwerk das "Aktionsjahr Medien 2015" vorbereitet. So gibt es rund 250 Aktionstage mit einer Zielgruppe von insgesamt etwa 4.000 Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Auch um auf die angesprochenen Probleme zu reagieren (RegionalBraunschweig.de berichtete).



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