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Der Lebenskünstler und die goldenen Zeiten

von Sina Rühland


Foto: Sina Rühland

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08.02.2015


Wolfenbüttel. Man hat ihn schon in Filmen wie Monuments Men, Operation Walküre oder Der ganz große Traum gesehen. Der Wolfenbütteler Transportunternehmer Klaus Oppermann ist als Statist und Requisitenverleiher schon mehrfach über die internationalen Leinwände geflimmert.

Klaus Oppermann liebt die Stimmung am Set, findet das ganze „Drumherum“ bei Filmaufnahmen spannend. „Ich könnte da Anekdoten erzählen. Oft sehen die Schauspieler ja gar nicht so aus, wie es auf der Leinwand wirkt – einige sind viel kleiner. Es gab auch Stars, die wurden gänzlich von Sicherheitskräften abgeschirmt. Bei den meisten Filmen durfte ich während der Dreharbeiten leider keine Fotos machen“, erzählt er. Was er da wohl alles fotografiert hätte?


Auf diesem Fahrrad sieht man Klaus Oppermann des Öfteren durch Wolfenbüttel fahren. Foto: Sina Rühland



Über Agenturen kommt der 62-Jährige an die großen deutschen Filmsets. Sein kleine Sammlung an Oldtimern hat ihm dabei schon einige Tore geöffnet. So hat er mit seinem Tempo-Dreirad bereits an der Seite von Tom Cruise in der Verfilmung des Stauffenberg-Attentats in Berlin mitgewirkt. Sein Mercedes war in der Romanverfilmung von Das Boot zu sehen. Klaus Oppermann hat eine Leidenschaft für Gegenstände, die Geschichten erzählen.

Der Traum vom Radio


Seine eigene Geschichte beginnt 1952 im Braunschweiger Marienstift. „Meinen Vater habe ich nie kennengelernt – es waren andere Zeiten damals. Ich soll ein sehr lebendiges Kind gewesen sein; man nannte es in den 50er Jahren 'schwierig'. Als ich sechs Jahre alt war, brachte mich meine Mutter in ein Erziehungsheim und sagte, dass sie mich in sechs Wochen wieder abholen würde. Aus diesen sechs Wochen sind dann sechs Jahre geworden.“

Das Schicksal Oppermanns ist kein Einzelfall geblieben. Unehelich geborene Kinder und ihre Mütter hatten es schwer. Bei Anzeichen des „Ungehorsams“ oder anderen Verhaltensauffälligkeiten bestand die Möglichkeit Kinder in ein Erziehungsheim einzuweisen. Auch Schulschwänzen oder Diebstahl waren Argumente, Kinder aus ihren Familien zu holen. Aus der Zeit im Erziehungsheim Wolfshagen und den „Erziehungsmaßnahmen“ der Mitarbeiter resultierend, erhält Klaus Oppermann noch heute Entschädigungszahlungen.


Klaus Oppermann in seinem "Hochzeits-Mercedes". Foto: Sina Rühland



Trotz des schwierigen Startes machte er seinen Weg. Nachdem er die Volksschule abgeschlossen hatte, holte er die mittlere Reife und das Fachabitur nach. „Es sagte mal jemand zu mir: 'du schaffst es nie.' Ich habe es geschafft. Bereist mit 15 Jahren tüftelte ich an meinem eigenen Radiosender und ging auf Sendung – ich spielte Musik, auch wenn die Reichweite nicht besonders groß war. Ich wollte zum Radio.“ Er absolvierte eine Ausbildung zum Fernmeldetechniker bei der Post, doch so einfach wie erhofft, erhielt er dann doch keine Anstellung beim Radio. „Abends habe ich dann Kurse belegt, um meine Amateurfunklizenz zu erhalten“, erzählt er. Seine Liebhaberei für den Trödel hätte im Jahr 1974 ihren Anfang gefunden.

Verkaufsraum VW-Käfer


„Ich habe irgendwann begonnen Sperrmüll und Trödel zu sammeln. Damals war das noch lukrativ. Es waren goldene Zeiten.“ Oppermann fuhr mit seinem VW-Käfer Händler der Region ab und bot ihnen die Liebhaberstücke zum Verkauf an. „Unglaublich, was in einen Käfer alles reingepasst hat“, sagt er schmunzelt. Später hat er eine Anstellung bei der An- und Verkauf- Firma Lucas erhalten. Doch bevor es soweit war, wollte er erstmal die Welt kennenlernen – genau genommen Berlin.


Mit seinem Tempo-Dreirad war Klaus Oppermann schon in  einigen Filmen zu sehen. Foto: Sina Rühland



„Es war ´78 und ich wollte mit Freunden Berlin unsicher machen. Jeder ist für sich dort hingetrampt – das hat funktioniert. In Berlin angekommen, haben wir in dem Studio von Iggy Pop und David Bowie übernachtet. Da kannte jemand jemanden, der wen kannte...Ich hatte damals lange Haare und Schlangenlederstiefel – wir waren jung, uns gehörte die Welt.“

Das alles ist lange her. Mittlerweile ist Klaus Oppermann sesshaft, hat ein museumsgleich eingerichtetes Eigenheim und arbeitet als selbstständiger Transportunternehmer. Seine Leidenschaft für antike Schätzchen hat er beibehalten. „Alte Gegenstände erzählen immer auch eine Geschichte – das weiß ich zu schätzen.“ Bei all seiner Leidenschaft für altehrwürdige Gegenstände ist seine Lebenspartnerin an seiner Seite. Sie nimmt ihn so, wie er ist. Klaus Oppermann und Regine Nickel sind seit fast 18 Jahren liiert. „Regine ist ein Stück von mir. Wir vertrauen uns und das ist der Grundstein. Zu einem Geschäftsmann gehört eben auch eine starke Partnerin – und die habe ich gefunden. Ich danke Regine für alles.“ Sie ist es auch, die heute mit ihm Reisen über den Globus unternimmt. Die goldenen Zeiten haben eben nie aufgehört, sie haben nur das Jahrtausend gewechselt und sind mit Klaus Oppermann älter geworden.


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