Zusammengefasst: Das war der zweite Demo-Montag

von Robert Braumann


Foto: Sina Rühland



Braunschweig. Da war sie also, die zweite Demo innerhalb einer Woche, die in der Löwenstadt abgehalten wurde. Wieder gingen Bragida und Gegendemonstranten auf die Straße. In einer offiziellen Stellungnahme sprach Joachim Grande (Pressesprecher, Polizei Braunschweig) von 2.500 Teilnehmern auf der Gegendemo und 320 Personen auf Seiten der Bragida.

Beide Demonstrationen wurden erneut auf dem Schlossplatz abgehalten. Dabei hatte die Polizei das Sicherheitskonzept aber etwas verändert. Bei der ersten Kundgebung war es Gegendemonstranten gelungen, bis auf wenige Meter an die Bragida-Veranstaltung heran zu kommen. Mit mehr Beamten und einer großen Absperrung auf dem Bohlweg, wurde dieses Mal eine klare Trennung der Bereiche geschaffen.



Die Beamten kontrollierten alle Taschen von Personen, die in Richtung der Bragida-Kundgebung wollten und sorgten so für Sicherheit. Joachim Grande sagte gegenüber BraunschweigHeute.de: "Beide Versammlungen verliefen friedlich und ohne besondere Vorkommnisse. Das Sicherheitskonzept der Polizei hat sich bewährt."

Viele deutliche Worte gegen Rassismus


Die Kundgebung der Gegen-Demo wurden von Axel Uhde (Radio Okerwelle) moderiert. Er stellte auch die Redner auf der Bühne vor. Als erstes trat Rainer Ottinger (Vizepräsident, Eintracht Braunschweig) an das Mikro. Er sagte:



"Was wären deutsche Mannschaften ohne Boateng und Co. Was wäre Braunschweig ohne die kulturelle Vielfalt?. Der Sport kennt keine politischen oder religiösen Grenzen.“  Bragida und Pegida seien schädlich für das weltoffene und tolerante Image der Stadt. Er überbrachte Grüße von der Profi-Mannschaft der Löwen und dem Betreuerteam und stellte klar, dass man sich auf Seiten der Gegendemonstranten sehe.

Angelika Schwarz (AWO) sprach im Anschluss in ihrer Rede davon, dass Integration nicht von alleine passiere: "Toleranz und Akzeptanz hat etwas mit Bildung zu tun." Auch Leonard Haselhahn und Paula Rahaus (Pressesprecher des Stadtschülerrates) wandten sich



an die Gegendemonstranten und sagten:  „Angst darf nicht instrumentalisiert werden.“ Der Schülerrat wolle Diskriminierung in die Schranken weisen. Auke Tiekstra (VW Salzgitter) richtete sich in seiner Ansprache direkt an die Bragida-Teilnehmer: "Falls ihr da drüben darauf spekuliert, dass uns der Atem ausgeht – da seid ihr auf dem Holzweg."

Markurth unter den Gegendemonstranten




Oberbürgermeister Ulrich Markurth war genau wie Salzgitters Oberbürgermeister Frank Klingebiel bei der Gegendemo anwesend. Markurth sagte in einem Statement zu BraunschweigHeute.de: "Ich freue mich, dass erneut so viele Menschen gekommen sind."

Audio-Podcast Statement Markurth

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Nachdem die kulturellen Acts (unter anderem rappte Jennifer Gegnläufer) und die Reden abgeschlossen waren, begab sich ein Großteil der Demonstranten in Richtung der Münzstraße/ Ecke Waisenhausdamm. Dort sollte eigentlich der "Spaziergang" der Bragida-Kundgebung entlang gehen. Rund 500 Demonstranten versperrten gegen 19:15 Uhr die ursprüngliche Route und brachten so den von Bragida geplanten "Spaziergang" vorzeitig zum Ende.

 Bragida-Demo mit weniger Teilnehmern


[image=32372]Gegen 18.30 Uhr startete auch die Bragida-Kundgebung. Es waren laut Polizei rund 320 Teilnehmer gekommen. Wolfgang Klages (Pressesprecher, Polizei Braunschweig) sprach davon, dass weniger Personen mit rechtsextremen Hintergrund von außerhalb angereist seien. Bei der ersten Demo wären es über hundert gewesen, die am Braunschweiger Bahnhof angekommen wären. Zur zweiten Veranstaltung jetzt nur eine Handvoll, so der Pressesprecher. Die Organisatoren waren bemüht weder Plakate noch Ausrufe mit rechtsradikalen Inhalten zuzulassen und gingen mit ihren Ordnern immer wieder dazwischen, auch wenn sich Teilnehmer vermummen wollten.

[image=32371 alignright]Auch bei Bragida gab es verschiedene Redner, unter anderem wurde das Positionspapier der Pegida verlesen. Dazu gab es eine Medienschelte von Bragida, bei der man nicht müde wurde "die Lügenpresse" zu verurteilen. Auch die Medien seien schuld, dass Teilnehmer der Bragida-Demonstration nun von der Polizei geschützt werden müssten.

[image=32370]Ein Redner, der in den Medien namentlich nicht genannt werden will, war aus Magdeburg angereist. Er sprach von einem aggressiven Islam, den man in westdeutschen Städten und in Berlin-Neukölln "vorfühle" und der einen nun auf die Straßen treibe. Es würden Parallelgesellschaften existieren, in denen es eine selbsternannte Religionspolizei gebe.

Eine Demonstrantin in der Menge trug ein Schild, auf dem geschrieben stand, dass sie Angst vor dem Islam habe. Gegenüber BraunschweigHeute.de erklärte sie, woher diese Angst stammt. Wir veröffentlichen ihr Statement hier ungekürzt als Audio-Podcast.

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Man legte zudem eine Schweigeminute für die in Berlin getötete Schwangere ein. Gegen zehn vor acht setzten sich die Bragida-Teilnehmer dann in Bewegung.

Nichts ging mehr


Die Polizei hatte auf die Sperrung der Gegendemonstranten auf dem Münzstraße/ Ecke Waisenhausdamm reagiert und wollte die Route nun in Richtung J-F.-Kennedy-Platz verlegen. Doch die Gegendemonstranten wechselten ihren Standort und versperrten auch hier erneut den Weg. So musste der "Spaziergang" der Bragida nach wenigen Minuten beendet werden. Bragida-Organisatorin Annegret Hamecher teilte im Anschluss mit, dass eine weitere Demo bereits am kommenden Montag stattfinden solle. Sie sah den gestoppten Protest-Zug nicht als Niederlage: “Der Klügere gibt nach. Ohne Bragida wär' hier gar nichts los”, sagte sie im Gespräch mit BraunschweigHeute.de. Nach der Rückkehr der Bragida-Teilnehmer zum Schlossplatz wurde die Kundgebung beendet.

Im Video: Hamecher bewertet Bragida-Demonstration


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Im Video: David Janzen, Sprecher des Bündnis gegen Rechts Braunschweig, zeigt sich zufrieden


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Braunschweiger Verkehrs GmbH musste reagieren


Für Braunschweigs Busse und Bahnen bestand während der Demonstrationen ein Ausnahmezustand. Christopher Graffam, Pressesprecher der Braunschweiger Verkehrs GmbH zieht in unserem Gespräch ein Fazit und kündigt für die kommenden Demonstrationen an, Schlüsse aus dem heutigen Tag zu ziehen.

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