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Beratungsdienste: Insolvenzantrag als letzte Chance



Goslar

Beratungsdienste: Insolvenzantrag als letzte Chance

von Alec Pein


Foto: Alec Pein

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Goslar. Die gemeinnützige Gmbh der Diakonischen Beratungsdienste befindet sich in einer finanziellen Notlage. Gerade einmal sechs Wochen nach Aufnahme seiner Arbeit, sah sich der neue Geschäftsführer Stefan Voigt gezwungen einen Insolvenzantrag zu stellen. Grund dafür seien Verpflichtungen, die vor seiner Tätigkeitsaufnahme eingegangen wurden: Der gewährte Kontokorrentkredit hätte nicht mehr ausgereicht, um im August Gehälter zahlen zu können.

Seit 1981 bestehen die Diakonischen Beratungsdienste. 2004 erfolgte eine Betriebsaufspaltung, bei der die operative Bereich in eine gemeinnützige GmbH ausgegliedert wurde. Alleiniger Gesellschafter der gGmbH ist der Verein "Diakonische Beratungsdienste Goslar e.V.". Wenige Wochen nach Aufnahme seiner Tätigkeit musste der neue Geschäftsführer Stefan Voigt feststellen, dass sich diese in einer schwierigen finanziellen Lage befindet. Zum Schutz der Gläubiger und zur Vermeidung strafrechtlicher Konsequenzen stellte Voigt den Insolvenzantrag und benachrichtigte Mitarbeiter und Gläubiger. In dem Insolvenzverfahren sieht Voigt allerdings auch die Chance, das Unternehmen aus der wirtschaftlichen Schwierigkeit herauszuführen. Voigt war zuvor 15 Jahre an der Medizinischen Hochschule Hannover als Finanzdezernent tätig und gründete drei Tochterunternehmen. "Insolvenz gehört zur Geschäftsführung dazu, man muss es nur früh genug erkennen", versichert Voigt und verweist auf eigene Erfahrungen.


Mit der vorige Woche Montag berufenen Insolvenzverwalterin Anja Karow seien nun weitere Detailplanungen erforderlich. Gehaltszahlungen seien vorerst über das Insolvenzverfahren gesichert. Voigt zeigt sich trotz finanzieller Notlage zuversichtlich: "Was wir bisher an Zahlen haben, lässt positiv in die Zukunft blicken" Auch die Unterstützung der Mitarbeiter ist offenbar vorhanden. "Während der Mitarbeiterversammlung hat keiner den Kopf hängen lassen", so Voigt gegenüber regionalHeute.de. Die Aufgabe mit den Folgen einer Insolvenz umzugehen, will der seit Juli neue Geschäftsführer mit größtmöglicher Transparenz gegenüber den Beschäftigten lösen.

"Qualität hat seinen Preis"





Größten Wert legen die Diakonischen Beratungsdienste auf die Qualität der vielfältigen Angebote. So werden laut Voigt nur dem Einsatzgebiet entsprechend ausgebildete Fachkräfte eingestellt. Das wiederum zieht entsprechende Kosten nach sich. Wie es so weit kommen konnte, dass ein Insolvenzantrag gestellt werden musste, erklärt sich Voigt neben den Kosten für kompetentes Personal auch mit einigen nicht berechenbaren Faktoren. So hätten beispielsweise einige Klienten, die eine Wohnung bezogen hätten, verlegt werden müssen oder nach eigener Entscheidung verlassen. Entfallene Mieteinnahmen gingen dabei teilweise zulasten der Beratungsdienste. Voigt weist an dieser Stelle auch darauf hin, dass das gemeinnützige Unternehmen nicht darauf ausgerichtet ist Gewinne einzufahren.

"Es wird Maßnahmen geben müssen"


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Stefan Voigt Geschäftsführer Diakonische Beratungsdienste. Foto: Alec Pein



"Problematisch, aber eine Chance" sei der entstandene Personalumbruch innerhalb der gemeinnützigen GmbH. Neben Voigt als neuem Geschäftsführer, sind auch zwei weitere Verwaltungskräfte eingestellt worden. Auf frühere Mitarbeiter, die sich um Abrechnungen des Werkhofes oder die Personalleitung gekümmert haben, muss man nun verzichten. "Da ist viel Wissen verloren gegangen", erklärt Voigt. Am Ende sei es allerdings nicht mehr als ein "Blick auf den Kontoauszug", der erkennen ließ, dass ein Insolvenzantrag nötig war. Als nächsten Schritt müsse man mit der vorläufigen Insolvenzberaterin, Anja Karow, und der Diakonie Niedersachsen ganz genau hinsehen und die Zahlen der einzelnen Bereiche analysieren. Zu klären sei dabei unter anderem, welche der Angebote kostendeckend laufen. Eine "einfache" aber nötige Maßnahme sei  zum Beispiel die Einführung einer festen Abrechnungsstruktur. Dort hat es laut Voigt erhebliche Defizite gegeben. Um die qualitativ hochwertigen Betreuungsangebote aufrecht zu erhalten, werden zunächst Gespräche mit den verantwortlichen Kostenträgern vor Ort geführt.  Die Mitarbeiter arbeiten nach wie vor engagiert gemäß dem Motto "Jetzt erst recht!", erklärt Voigt.


"Brücken, die zurück ins Leben führen"


"Durch geeignete Hilfen sollen psychisch kranke und gefährdete sowie anderer in ihrer gesunden Entwicklung gefährdete oder beeinträchtigte Menschen betreut, beschäftigt und zu einem möglichst eigenständigen Leben befähigt werden.", so Beschreibt das gemeinnützige Unternehmen seine Arbeit. Die Tätigkeitsfelder in denen den Klienten derzeit "Brücken zurück ins Leben" gebaut werden, sind dabei vielfältig. Derzeit betreuen 70 Mitarbeiter, unterstützt durch eine Vielzahl ehrenamtlicher Mitarbeiter, rund 200 Klienten in verschiedenen Bereichen. Ein Überblick:

Erziehungs-, Ehe-, und Lebensberatung
- KiB - Kinder im Blick
- Traumabewältigung
- Familien- und Lebensberatung nach den Standards der evangelischen Beratung (EKFuL)

Kinder- und Jugendhilfe
- Erziehungsbeistandschaft
- Elternberatung
- Elternberatung
- Pädagogisch Begleitende Umstände
- Sozialpädiatrische Familienhilfe
- Soziale Gruppenarbeit

Eingliederungshilfe
- Ambulantes betreutes Wohnen
- Wohngemeinschaften
- Tagesstätte
- Begegnungsstätte

Jugendhilfe
- Jugendwerkstatt
- Goslarer Allerlei
- Pro Aktiv Center - PACE
-
Integrationsfachdienst

Werkhof
- Tischlerei
- Malerfachbetrieb
- Fahrradgeschäft Citybike


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