Region. Der Januar hat kaum begonnen, da herrscht in vielen Arztpraxen in unserer Region für viele Beteiligte bereits gefühlter Ausnahmezustand. Wartezimmer sind voll, Stühle bis auf den letzten Platz besetzt. Menschen sitzen eng beieinander, manche mit Fieber, andere hustend, viele sichtbar erschöpft. Das Husten ist allgegenwärtig, das Rascheln von Taschentüchern ebenso. Gespräche sind kurz, manchmal nur ein Nicken. Wer jetzt krank wird, merkt schnell: Das hier passiert nicht vereinzelt.
Denn diese Erkältungs- und Grippesaison ist kein gewöhnlicher Winter. Die Infektionszahlen steigen wieder deutlich, bundesweite Erhebungen zu Atemwegserkrankungen zeigen nach oben. Influenza, grippale Infekte und andere Viren zirkulieren gleichzeitig. Viele kommen mit ähnlichen Beschwerden, oft mit der gleichen Frage: Ist es nur eine Erkältung oder steckt mehr dahinter? Der Winter 2026 bringt damit jene bekannte Mischung zurück, die das Gesundheitssystem jedes Jahr fordert, viele Erkrankte zur gleichen Zeit, wenig Luft im Terminplan.
Eine Welle, die alles erreicht
Bei der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) wird die Lage unmissverständlich eingeordnet. Detlef Haffke, Pressesprecher der KVN, spricht nicht von punktuellen Ausbrüchen, sondern von einer landesweiten Entwicklung. „Die Influenzawelle (Grippe) und Erkältungswelle ist in ganz Niedersachsen angekommen und soll noch einige Wochen andauern. Seit der zweiten Kalenderwoche hat das Landesgesundheitsamt Niedersachsen ein erhöhtes Infektionsaufkommen festgestellt. Der Infektanstieg gilt für alle Landkreise in Niedersachsen – auch für die Regionen Braunschweig, Salzgitter und Wolfsburg. Für den Landkreis Gifhorn liegen die Infektionen über den Durchschnitt. Hier ist somit auch die Infektionsgefahr hoch.“
Das erklärt, warum sich die Lage vielerorts gleichzeitig zuspitzt. Die Welle macht nicht an Stadtgrenzen halt. Wer krank wird, steht nicht allein vor der Praxistür. Wer abwartet, riskiert, dass sich Beschwerden verschlechtern. Und wer Hilfe sucht, trifft auf volle Sprechstunden in einem System, das funktioniert, aber gerade stark gefordert ist.
Wenn Termine knapp werden und Geduld fehlt
Wie stark die Belastung im Alltag ist, lässt sich nicht vollständig in Zahlen abbilden. „Zwar erfasst die KVN statistisch nicht den Anstieg der Nachfrage für Arzttermine. Dennoch berichten die Praxen über eine erhöhte Nachfrage nach Terminen und nach Grippeimpfungen. Dies gilt auch für die Bereitschaftsdienstpraxen in der Region“, so Haffke weiter. Wie stark die Belastung im Alltag ist, lässt sich nicht vollständig in Zahlen abbilden. „Zwar erfasst die KVN statistisch nicht den Anstieg der Nachfrage für Arzttermine. Dennoch berichten die Praxen über eine erhöhte Nachfrage nach Terminen und nach Grippeimpfungen. Dies gilt auch für die Bereitschaftsdienstpraxen in der Region“, so Haffke weiter.
Für Patientinnen und Patienten heißt das ganz konkret: Telefone sind häufig belegt, Termine nicht immer kurzfristig verfügbar, Wartezeiten verlängern sich. Wer keinen Platz mehr findet, weicht auf den ärztlichen Bereitschaftsdienst aus. Dort steigt der Druck weiter. Ein Kreislauf, der sich in diesen Wochen besonders bemerkbar macht.
Bei jedem Husten sofort zum Arzt?
Genau hier beginnt für viele die Unsicherheit. Nicht jeder Husten, nicht jedes Kratzen im Hals ist automatisch ein Fall für die Praxis. Leichte Erkältungssymptome, Schnupfen, Halsweh oder gelegentlicher Husten lassen sich oft zunächst beobachten, vorausgesetzt, es kommen keine Warnzeichen hinzu. Viele Apotheken beraten in diesen Fällen niedrigschwellig, etwa zu fiebersenkenden Mitteln, Hustenlösern oder Nasensprays. Auch bewährte Hausmittel wie Ruhe, ausreichend Flüssigkeit, warme Tees oder Inhalieren können Beschwerden lindern.
Anders sieht es aus, wenn hohes Fieber hinzukommt, starke Gliederschmerzen auftreten, der Zustand sich rasch verschlechtert oder Symptome mehrere Tage anhalten. Auch Atemnot, Schüttelfrost oder ausgeprägte Erschöpfung sind Warnsignale, die medizinisch abgeklärt werden sollten. Gerade Menschen mit Vorerkrankungen oder geschwächtem Immunsystem sollten früher ärztlichen Rat suchen.
Diese Abwägung ist nicht nur eine Frage der eigenen Gesundheit, sondern auch eine der Solidarität. Wer bei leichten Symptomen nicht sofort die Praxis aufsucht, hilft mit, die Versorgung für schwerer Erkrankte verfügbar zu halten.
Eingespielt, aber nicht frei von Erschöpfung
Der Winter ist für Arztpraxen kein Überraschungsmoment. Die Abläufe sind bekannt, die Muster ebenso. Und doch trifft jede Infektwelle auf Teams, die ohnehin stark gefordert sind. Haffke beschreibt diese Realität offen: „Die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte stellen sich auf steigende Zahlen ein. Trotzdem ist es eine zusätzliche Belastung für die Praxisteams, die ohnehin zeitlich sehr angespannt sind. Erfahrungsgemäß wird die Rate der Infektionen in den nächsten drei bis vier Wochen noch deutlich ansteigen. Die Praxen kennen die erhöhte Inanspruchnahme zu dieser Jahreszeit und können sie gut bewerkstelligen.“
Gut bewerkstelligen heißt in diesen Wochen oft, schneller zu arbeiten, Entscheidungen unter Zeitdruck zu treffen. Es heißt auch, dass Ärztinnen, Ärzte und medizinisches Fachpersonal selbst erkranken können, während sie andere versorgen. Der Winter ist kein kurzer Alarm, sondern eine Belastung, die bleibt.
Impfen auch jetzt noch sinnvoll
Viele fragen sich, ob eine Grippeimpfung jetzt überhaupt noch Sinn ergibt. „Da die Welle voraussichtlich noch einige Wochen andauert, kann eine Impfung auch jetzt noch sinnvoll sein. Typischerweise beginnt die Influenza-Saison im Januar und dauert bis Ostern – damit hatte die Grippewelle dieses Mal einen relativ frühen Start. Nach der Impfung dauert es rund 14 Tage, bis sie ihre volle Wirkung entfaltet. Vor allem Risikogruppen und Kontaktpersonen wird eine Impfung empfohlen.“ Gerade für Menschen mit erhöhtem Risiko bleibt der Impfschutz wichtig. Haffke verweist dabei auf die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission: „Die Ständige Impfkommission rät unter anderem Menschen ab 60 Jahren, chronisch Kranken, Schwangeren, Bewohnern von Alten- und Pflegeheimen sowie medizinischem Personal zur Grippe-Impfung.
Die KVN rät neben der Impfung zu Infektionsschutzmaßnahmen wie dem Tragen einer Maske, gründlichem Händewaschen oder dem Meiden von Menschenansammlungen. Eine vitaminreiche, ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung an der frischen Luft helfen das Immunsystem zu stärken und so weniger anfällig für Infekte zu sein.“

