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Eine der größten Windkraftanlagen Deutschlands - Baubeginn für Wasserstoffprojekt der Salzgitter AG

Mit den sieben neuen Windrädern soll Wasserstoff für die Stahlproduktion hergestellt werden - Und das völlig CO2-Neutral.

von Marvin König


Sieben über 200 Meter große Windräder werden in Drütte errichtet, um auf grüne Art und Weise Wasserstoff für die Salzgitter AG zu erzeugen.
Sieben über 200 Meter große Windräder werden in Drütte errichtet, um auf grüne Art und Weise Wasserstoff für die Salzgitter AG zu erzeugen. Foto: Rudolf Karliczek

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16.05.2020

Salzgitter-Drütte. Am Tor 6 der Salzgitter AG entstehen die ersten großen Windräder für das Windwasserstoffprojekt des Unternehmens. Insgesamt sollen sieben 227 Meter hohe Windkraftanlagen errichtet werden. Damit wagt die Salzgitter AG in Kooperation mit Avacon den Weg hin zu einer grüneren Stahlproduktion unter Erzeugung von Wasserstoff aus Windkraft. Es ist erst die zweite Anlage dieser Größenordnung in Deutschland. Am gestrigen Freitag war nach fünfjähriger Planungszeit der offizielle Baustart des Mega-Projektes, das noch in diesem Jahr fertiggestellt werden soll.


Bauherr und Betreiber ist die in Sarstedt ansässige Avacon Natur GmbH. Drei der sieben Windräder werden auf dem Gelände des integrierten Hüttenwerks der Salzgitter Flachstahl GmbH errichtet - weitere vier auf dem umgebenden Konzerngelände. "Momentan ist es so, dass wir den Wasserstoff von weit her heranfahren müssen. In Zukunft wird er regenerativ über Windstrom und unsere Elektrolyseanlagen, die den zweiten wichtigen Baustein dieses Projektes darstellen, erzeugt werden", erklärt Michael Bock, Betriebsleiter bei der Salzgitter Flachstahl GmbH.


Michael Bock, Betriebsleiter der Salzgitter Flachstahl GmbH. Foto: Rudolf Karliczek



Wasserstoff - Ein vielseitiges Element


Wasserstoff wird bei der Salzgitter AG vor allem für die Veredelung der hergestellten Stahlprodukte benötigt. Das Element findet sich in der Natur vor allem gebunden in Wasser (H2O, also ein Atom Wasserstoff, zwei Atome Sauerstoff). Mit einem Elektrolyseverfahren kann Wasserstoff aus gewöhnlichem Wasser gewonnen werden. Hierzu wird das Wasser - vereinfacht ausgedrückt - unter Strom gesetzt, um die Atome voneinander zu trennen. Heraus kommen reiner Wasserstoff und reiner Sauerstoff.

Wasserstoff ist hochexplosiv und kann unter Anwendung unterschiedlicher Verfahren selbst zur Stromerzeugung genutzt werden. Somit ist Wasserstoff ganz nebenbei eine ideale Speichertechnologie für den Fall, dass der Wind einmal nicht wehen sollte. Im Rundumpaket eine ausnehmend umweltfreundliche Angelegenheit.

Ein absolutes Pionierprojekt


Insgesamt betragen die Kosten für die sieben Windräder und die leistungsstarken Elektrolyseanlagen rund 50 Millionen Euro, die sich die Salzgitter AG und die Avacon Natur GmbH teilen. Bereits im vierten Quartal dieses Jahres sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein. Bis dahin müssen noch viel Herausforderungen bewältigt werden.

So werden mit den drei Windkraftanlagen auf dem Gelände des integrierten Hüttenwerks der Salzgitter Flachstahl GmbH erstmals überhaupt Windräder in einem sogenannten "Störfallgebiet" errichtet. "Das bedeutet, dass zum Beispiel auch der Betrieb und die Produktion - sowohl die Mitarbeiter der Salzgitter AG - durch diese Windenergieanlagen eben nicht gefährdet werden. Daraus ergeben sich besonders viele Anforderungen und Auflagen. Bei einem normalen Windenergiepark gibt es normalerweise 50 Auflagen. Bei diesem Projekt haben wir 200 Auflagen, die wir erfüllen müssen", erläutert Alfred Schaper, Geschäftsführer der Avacon Natur GmbH. Die anliegende Bahnstrecke muss mit einem Schutzwall vor möglichem von den Rotorblättern herabfallendem Eis geschützt werden. An den Rotorblättern der massiven Windräder selbst befinden sich Sensoren, die im Betrieb vor einer Eisbildung warnen. So können die Rotoren rechtzeitig aus dem Wind gedreht werden, um Mitarbeiter auf dem Werksgelände nicht zu gefährden.


Alfred Schaper, Geschäftsführer der Avacon Natur GmbH Foto: Rudolf Karliczek



"Bei den Umweltauflagen nenne ich mal zwei Beispiele. Rund um die Baustelle ist Flatterband angebracht, um bestimmte Vogelgruppen davon abzuhalten, auf das Gelände zu kommen, und rund um das Gelände pflügen wir regelmäßig, um Feldhamster davon abzuhalten, auf das Baugebiet zu gehen", so Schaper zu den weiteren Auflagen.

Die ganz normalen Probleme


Auf dem gut besuchten Presstermin sollten eigentlich bereits die ersten Bauteile des 169 Meter hohen Turms für das Windrad nach oben gehievt werden. "Leider macht uns der Wind da einen Strich durch die Rechnung. In 180 Metern Höhe ist es ja noch stürmischer", stellt Schaper mit Blick auf den ruhenden Kran fest.

Der Durchmesser des Rotos beträgt selbst schon 136 Meter. Die Rotorblätter werden sich mit einer maximalen Geschwindigkeit zwischen 200 und 250 Kilometern pro Stunde durch die Luft bewegen. Die Leistung aller sieben Windkraftanlagen beträgt zusammengerechnet 30 Megawatt, was ungefähr 40.000 PS entspricht. Mit der Gesamtenergieerzeugung von rund 81 Millionen Kilowattstunden im Jahr könnten 27.000 Haushalte versorgt werden.


Das Umspannwerk steht bereits. Hier werden die gewaltigen von den Windrädern erzeugten Energiemengen umgewandelt und verteilt. Foto: Rudolf Karliczek



Bereits im Januar 2020 haben die vorbereitenden Maßnahmen für die sieben Windkraftanlagen begonnen. Zunächst wurden Straßen und Zuwegungen, wobei Flächen für Kräne und Baumschinen vorbereitet. Ab Herbst 2020 soll die Anlage in Betrieb gehen. Auf diese Weise wird die Salzgitter AG bei der Stahlproduktion eine bedeutende Menge CO2 einsparen.


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