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Die Niedersachsen werden immer ärmer - Corona könnte Situation verschärfen



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Die Niedersachsen werden immer ärmer - Corona könnte Situation verschärfen

Der Armutsbericht für das Jahr 2019 zeigt eine erschreckende Entwicklung.

(Symbolbild)
(Symbolbild) Foto: Pixabay

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Region. Die Armutsgefährdungsquote lag im Jahr 2019 in Niedersachsen bei 16 Prozent und damit einen Prozentpunkt über dem Niveau des Vorjahres. Wie das Landesamt für Statistik Niedersachsen (LSN) in einer Pressemitteilung erklärt, waren damit Niedersachsenweit etwa 1,26 Millionen Menschen von relativer Einkommensarmut betroffen. Im Bundesdurchschnitt betrug die Quote 15,9 Prozent und ist um ein halbes Prozent gestiegen. Sozialministerin Carola Reimann zeigte sich in einer Pressemitteilung besorgt und erwartet, dass das Coronavirus die Situation sogar noch verschärfen könnte.



Als armutsgefährdet gelten alle Personen mit einem monatlichen Nettoeinkommen von weniger als 60 Prozent des regionalen Durchschnitts, gemessen am Median. Die Armutsgefährdungsschwelle lag 2019 in Niedersachsen für einen Einpersonenhaushalt bei 1.049 Euro, für einen Haushalt mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren bei 2.203 Euro. Bei Haushalten von Alleinerziehenden mit einem Kind unter 14 Jahren waren es 1.364 Euro.

Minderjährige so stark wie nie von Armut bedroht


Zwar stieg bei fast allen Altersgruppen und Haushaltstypen die Armutsgefährdung an, besonders deutlich zeigte sich der Anstieg jedoch bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren. Mit 21,7 Prozent seien anteilig so viele Minderjährige wie noch nie seit Berechnung der Zahlen ab 2005 von Armut bedroht gewesen. Gegenüber dem Vorjahr stieg die Quote um 2,4 Prozentpunkte. Die Armutsgefährdung im Alter nahm ebenfalls überdurchschnittlich zu (+1,2 Prozentpunkte). Unter den Menschen im Alter von 65 Jahren und mehr waren 2019 nunmehr 15,4 Prozent armutsgefährdet.



Auch die zuletzt gesunkene Quote bei Alleinerziehendenhaushalten mit unter 18-jährigen Kindern stieg 2019 wieder deutlich um 4,8 Prozentpunkte auf 43,5 Prozent an.

Insgesamt zeige sich, dass der Anstieg der Gesamtquote 2019 im Vergleich zu 2018 vor allem darauf zurückzuführen sei, dass sich die Einkommenssituation von Haushalten mit minderjährigen Kindern schlechter entwickelt hat als diejenige von Haushalten ohne minderjährige Kinder. Haushalte mit Kindern unter 18 Jahren machten an allen armutsgefährdeten Haushalten 43,4 Prozent aus (+2,9 Prozentpunkte). Mehrpersonenhaushalte ohne minderjährige Kinder hatten einen Anteil von 21,6 Prozent (-1,3 Prozentpunkte) und Einpersonenhaushalte 34,9 Prozent (-1,6 Prozentpunkte).

Corona könnte die Situation verschärfen


"Das sind alarmierende Zahlen, denn es bedeutet, dass jedes fünfte Kind in einem Haushalt lebt, der droht, abgehängt zu werden", so die Nieersächsische Sozialministerin Carola Reimann. Mit dem Coronavirus sei zu erwarten, dass sich die Situation weiter verschärft. "Deshalb sollten wir unsere Anstrengungen weiter verstärken, um zu einer besseren Absicherung von Kindern zu kommen. Deshalb brauchen wir in Deutschland eine Kindergrundsicherung, dafür setze ich mich gezielt ein", so Reimann weiter.

Die Kindergrundsicherung sei eine eigenständige Sicherung der Kinder gegen Armut, die pauschaliert ausgezahlt werden soll. Sie soll Kindergeld, den Kinderzuschlag, die Regelleistungen des SGB II für Kinder und die Leistung des Bildungs- und Teilhabepakets zusammenfassen.


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