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DLRG meldet ein Viertel mehr an Badetoten

von Robert Braumann


Die DLRG im Einsatz. Pressefoto: DLRG
Die DLRG im Einsatz. Pressefoto: DLRG

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21.03.2016




Braunschweig. Mindestens 488 Menschen sind im vergangenen Jahr bundesweit in deutschen Gewässern ertrunken. Gegenüber dem Vorjahr stieg die Zahl der Opfer um 96 oder 24,5 Prozent.  In Niedersachsen ertranken demnach 50 Menschen. regionalHeute.de hat mit Gerrit Meisel vom DLRG Bezirk Braunschweig über Ursachen und die Situation in der Löwenstadt gesprochen.

Die gute Nachricht gleich vorweg, für die Region Braunschweig liegen für 2015 keine Meldungen über tödliche Badeunfälle aus 2015 vor. Dennoch sieht Meisel eine veränderte Situation, die Gefahren bürgt. Auch in Braunschweig sei dies nicht anders. "Die Ursachen für den Anstieg der tödlichen Badeunfälle sind vielschichtig. Zum einen führt die Reduzierung und Umwidmung von Wasserflächen von klassischen Schwimmbädern hin zu Spaßbädern dazu, dass weniger Schwimmausbildung betrieben werden kann. Den Menschen fehlt damit die Routine im Umgang mit dem nassen Element und sie vertrauen auf Leistungen, die sie in der Vergangenheit einmal erbringen konnten. Unsere Statistik zeigt, dass überwiegend ältere Männer ab 50 betroffen sind", erklärt er. In dieser Altersgruppe würden auch immer mögliche Vorerkrankungen aus dem Bereich der Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine Rolle spielen.

Überschätzung und Alkohol


Dazu würde es immer wieder zu Missachtungen der Baderegeln kommen. "Nach einem ausgiebigen Sonnenbad ist der Körper stark aufgeheizt. Erfolgt nun der Sprung ins Wasser ohne vorherige Gewöhnung des Körpers an diese Temperaturen, kann es zu einer Schock Reaktion im Körper kommen, in dessen Folge der Schwimmer nicht mehr auftaucht. Oftmals ist in diesen Fällen zusätzlich Alkohol im Spiel". Er sagt: "Unser typisches Opfer lässt sich verkürzt so charakterisieren: männlich, über 50 Jahre alt, überschätzt sich und ist alkoholisiert."

Immer mehr Nichtschwimmer


Oftmals würden zudem Elter viel zu sorglos mit ihren Kindern umgehen, wenn es um das Schwimmen geht: "Die Eltern sitzen in einer Gruppe im Schatten weit weg vom Wasser und lassen die Kinder ohne Aufsicht an der Wasserkante spielen und meinen dort könne nichts passieren. Da die Kinder nicht schwimmen können, würden sie ja nicht ins Wasser gehen und es reiche aus, wenn das große Nichtschwimmerkind auf das kleine Nichtschwimmer Geschwisterkind aufpasst. Zum Ertrinken reicht schon eine Pfütze aus." Er macht dafür auch einen Wandel in der Gesellschaft verantwortlich. "Wo früher das sichere Schwimmen selbstverständlich war und die Schwimmerquote bei etwa 90 Prozent lag, sind wir inzwischen bei nur noch 50-75 Prozent, je nach Region." Früher hätten die Eltern die Inhalte aus dem Schwimmkurs mit den Kleinen vertieft, heute würden viele den Unterricht lediglich als Dienstleistung verstehen. "Auch besteht inzwischen die Meinung ein Seepferdchen würde schon einen sicheren Schwimmer ausmachen. Dabei ist dies erst mit dem Jugendschwimmabzeichen Bronze, dem „Freischwimmer“, so."

Schwimmerquote verbessern


Die meisten Unfälle würden immer noch an illegalen Badestellen passieren, an denen keine Aufsicht bereitstünde, deshalb ginge der erste Appell an die Menschen, die Baderegeln zu beachten.  "Auch wenn dann vielleicht der eine oder andere „Kick“ ausbleibt, kann die Beachtung schon Leben retten und vor Verletzungen schützen. Langfristig müssen wir die Schwimmerquote wieder verbessern."

Ein Netzwerk für Braunschweig


Für die Region Braunschweig wurde aufgrund der aktuellen Situation auf dem „Symposium Schwimmfähigkeit“ das „Netzwerk Schwimmen“ gegründet. Ziel des „Netzwerks“ ist es, alle an der Schwimmausbildung beteiligten Vereine, Verbände, Badbetreiber, Lehrer und die Politik zusammen zu bringen und bessere Rahmenbedingungen für die Schwimmausbildung zu schaffen.


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