DONNERstag: Schein und Sein beim Autokauf

Immer DONNERstags gibt es jetzt Geschichten unserer Redakteurin Anke Donner, wie sie nur das Leben schreiben kann. Situationen, wie sie einem im Alltag manchmal einfach vor die Füße fallen und die einen zum Lachen, Weinen und Staunen bringen, oder schier an den Rand des Wahnsinns treiben.

von Anke Donner


Die Suche nach dem passenden Auto ist gar nicht so leicht.
Die Suche nach dem passenden Auto ist gar nicht so leicht. Foto: Anke Donner

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser! „Besser schlecht gefahren, als gut gelaufen“, sagte schon mein Vater, wenn es darum ging, wie man sich am besten fortbewegen sollte. Und da ich auch lieber schlecht fahre, als gut laufe, machte ich mich auf die Autosuche.



So ganz ohne Auto geht es eben nicht. Vor allem, wenn man wie ich, etwas ländlich lebt. Also musste ich mich nun mit dem Gedanken befassen, einen fahrbaren Untersatz zu kaufen. Ganz so einfach, wie ich mir das in meinem Frauenkopf vorgestellt hatte, war es dann aber nicht. Ein Riesen-Manko dabei war vor allem, dass ich den Autopreis in meinem Kopf automatisch in Schuhe umrechnete - es wären etwa 120 Paar mittlerer Preisklasse gewesen.

Schein und Sein beim Autokauf


Während ich mich mit meinem heutigen DONNERstag beschäftige, fällt mir ein, dass ich mit meinem Outing, absolut fußfaul zu sein, vermutlich wieder einigen Groll auf mich ziehen werde. Denn ich bin nicht nur Fleischfresser, Pseudo-Tierliebhaber und Verpackungspedant, sondern gehe auch noch ungerne zu Fuß oder fahre Rad. Sei's drum. Vielleicht gibt es ja doch hier und da jemanden, der meine Erfahrungen teilen kann.

Schon beim ersten Blick in entsprechende Portale bekam ich einen ganz schönen Dämpfer verpasst, weil ich feststellen musste, dass zwischen Vorstellung, Anspruch und Budget eine ziemlich große Lücke klaffte. Noch größer war allerdings die Lücke zwischen dem, was die Verkäufer versprachen und dem, was am Ende tatsächlich vor mir auf vier Rädern stand. Denn sehr viel mehr als Räder, Lenkrad und Motor hatten die mir hoch angepriesenen Autos meist nicht. Es sah ganz danach aus, als würde ich eine sehr lange Zeit, sehr schlecht fahren müssen...

Noch schöner waren aber die Geschichten, warum man nun "leider" das super tolle, top gepflegte, heiß geliebte, immer zuverlässige und unfallfreie Auto mit frischem TÜV und Duftbaum am Innenspiegel verkaufen MUSS. "Ich mache jetzt eine Ausbildung und fahre lieber mit dem Bus", "Ich wollte das Auto für meine Frau, aber die hat jetzt einen Dienstwagen" oder "Der steht eh die meiste Zeit rum".

Dabei war ziemlich offensichtlich, dass hier entweder ein Hobbyhändler versuchte, seine "Ware" loszuwerden, oder ein nicht ganz so ehrlicher Verkäufer seinen Schrotthaufen. Die Suche nach der Nadel im Heuhaufen ging also weiter. Und als ich schon nicht mehr an einen Autokauf glaubte und stattdessen im Geiste meinen Schuhschrank aufstockte, stand es da: Mein Auto! Alles passte, Farbe, Modell, Ausstattung, Zustand - alles perfekt. Doch über den Preis mussten wir uns unterhalten. Zumindest ich wollte mich über den Preis unterhalten. Der Verkäufer fand meine Idee nicht ganz so prickelnd und zierte sich recht anständig. Er müsse ja schließlich auch leben und Rechnungen bezahlen. Und außerdem habe er in dieses Auto noch einmal besonders viel Geld investiert.

Da aber auch ich nicht Krösus bin, lehnte ich sein Angebot ab. Entweder muss ich einen sehr bemitleidenswerten Eindruck hinterlassen haben, oder der Verkäufer besann sich auf das bevorstehende Weihnachtsfest, zu dem man ja gerne mal eine gute Tat tut. Vielleicht führte aber auch das kompetente Auftreten meines Lebensgefährten oder die Erwähnung eines Fachmanns in der Familie dazu, dass sich der Verkäufer doch zu dem, seiner Ansicht nach, viel zu niedrigen Preis hinreißen ließ. Am nächsten Tag jedenfalls rief er an und teilte mir gönnerhaft mit, dass er zwar sehr, sehr viele Interessenten habe, aber das Auto doch gerne an mich verkaufen möchte. Na, wer sagt's denn: Auch ein vermeintlich blindes Huhn, findet mal ein Korn - oder besser gesagt, ein Auto.

Einen schönen DONNERstag wünscht Ihnen

Ihre Anke Donner


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