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Dunkelblau und wunderschön - Die blaue Holzbiene erobert Niedersachsen

Sie ist groß, hat blau schillernde Flügel und verhält sich wie eine Hummel. Die blaue Holzbiene ist der neue Exot unter den heimischen Wildbienenarten und hat sich aufgrund des trockenen Klimas auch in Niedersachsen angesiedelt.

von Marvin König


Der blauschwarze Brummer liebt vielfältige Blumenwiesen und wilde Gärten. Die blaue Holzbiene ist neu in Niedersachsen, stellt aber ersten Einschätzungen des NABU zufolge keine Gefahr für heimische Bienenarten dar.
Der blauschwarze Brummer liebt vielfältige Blumenwiesen und wilde Gärten. Die blaue Holzbiene ist neu in Niedersachsen, stellt aber ersten Einschätzungen des NABU zufolge keine Gefahr für heimische Bienenarten dar. Foto: Pixabay

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04.08.2020

Region. Bilder in den sozialen Medien, Sichtungen im eigenen Vorgarten und immer dieselbe Frage: "Was ist das?" Der Anblick der blauen Holzbiene mit ihrem bis zu 28 Millimeter langen Körper sorgt für Erstaunen - Es ist keine Hummel, auch wenn sie sich so verhält. "Die Neue" in unserer Mitte kann mit einigen Besonderheiten aufwarten, die sie von anderen Bienenarten eindeutig unterscheidbar macht. regionalHeute.de ist mit dem Naturschutzbund NABU in Niedersachsen der Frage nach der Herkunft des neuen Riesenbrummers auf die Spur gegangen.


Der NABU-Insektensommer im vergangenen Juni, bei dem mithilfe unzähliger Freiwilliger Insektenarten und ihre Verbreitung erfasst wurden, zeigt eine eindeutige Tendenz: "Die blaue Holzbiene, die ursprünglich nur in Südeuropa und manchen Regionen Süddeutschlands zu finden war, wandert nach und nach gen Norden, da sie warme, trockene Bedingungen wie in den beiden vergangenen Jahren braucht. Durch das wärmere Klima innerhalb der letzten zwei Jahrzehnte hat die Wildbiene stark zugenommen und erobert nun Mittel- und Norddeutschland. Immer öfter gibt es Beobachtungen in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern", berichtet Philip Foth, Pressesprecher des NABU in Niedersachsen.

Die größte heimische Wildbienenart sei jedoch, so der NABU, nicht invasiv. Sie steht in Deutschland sogar auf der Vorwarnliste der Roten Arten. "Für Niedersachsen ist keine Bestandseinschätzung möglich. Die langfristigen Klimabedingungen werden beeinflussen und zeigen, ob sich die blaue Holzbiene weiter ausbreitet und Norddeutschland als neuen Standort langfristig besiedeln wird. Aktuell ist dazu keine Einschätzung möglich."

Bei der Ausbreitung einer fremden Bienenart stellt sich jedoch die Frage, was das für die bereits verbreiteten Bienen bedeutet. Hier kann der NABU zumindest nach derzeitigem Stand Entwarnung geben: "Die blaue Holzbiene stellt sehr wahrscheinliche keine Konkurrenz zu anderen Bienenarten dar. Eine langfristige Beurteilung wird aber erst zukünftig möglich sein."

Verhalten und Besonderheiten


Mit ihrer einschüchternden Größe und dem kompakten, blauschwarzen Körper und den elegant blau schimmernden Flügeln sei die Holzbiene selbst im Flug kaum mit anderen Insekten zu verwechseln. Wer dem Tier schon einmal begegnet ist, wird es bestätigen können - die Biene ist ein freundlicher Riese. "Sie sind in der Lage zu stechen, verhalten sich aber gegenüber dem Menschen nicht aggressiv", so der NABU. Tatsächlich handele es sich bei der blauen Holzbiene um einen Einzelgänger: "Im Gegensatz zu Hummeln und Honigbienen leben Holzbienen und viele andere Wildbienenarten nicht in Staaten. Für ihre Nester nagen sie lange Gänge in abgestorbenem Holz und hinterlegen Pollen als Nahrung für ihre Larven." Die Biene verarbeitet sozusagen Totholz zu Sägemehl - und das sieht man auch. Wer an einem abgestorbenen Baum also auffällig viel Sägespäne herumliegen sieht, steht hier wahrscheinlich dem Werk der kräftigen Kauwerkzeuge der blauen Holzbiene gegenüber. Die Gänge sind dabei bis zu 30 Zentimeter tief und etwa fingerdick. Gesunde Bäume lässt das Tier - im Gegensatz zum Borkenkäfer - jedoch in Ruhe.

Wo fühlt sich die Holzbiene wohl?


Die blaue Holzbiene liebt laut NABU die Vielfalt: "In strukturarmen Ackerlandschaften sowie in geschlossenen Waldgebieten fehlt die Art. Naturnahe Gärten mit alten Obstbäumen und strukturreiche Landschaftsräume mit einem reichhaltigen Blütenangebot sind häufig genannte Fundorte der blauen Holzbiene. Ihre Vorliebe für halboffene Habitate führt zunehmend auch zu Kontakt mit Menschen."


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