+++ EILMELDUNG +++ Goslarer Weihnachtsmarkt fällt aus - Stadt verkündet "schwere Entscheidung"



Wolfenbüttel

Durch Verfüllung in der Asse droht Vernässung des Atommülls


Für die Asse II-Begleitgruppe ist die  Entscheidung des Bundesamtes für Strahlenschutz nicht nachvollziehbar. Foto/Grafik: Privat
Für die Asse II-Begleitgruppe ist die Entscheidung des Bundesamtes für Strahlenschutz nicht nachvollziehbar. Foto/Grafik: Privat

Artikel teilen per:

18.01.2017

Asse. Im heutigen Fachgespräch zu Asse II haben Vertreter der Asse 2-Begleitgruppe dem Umweltausschuss des Bundestages deutlich gemacht: die vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) geplante Verfüllung auf der 750 m-Sohle erschwert die Rückholung des Atommülls.



Die wissenschaftliche Kritik an dem Vorhaben wird vom Betreiber und von den niedersächsischen Genehmigungsbehörden ignoriert. Das macht den vor knapp 10 Jahren installierten Begleitprozess nahezu wirkungslos, teilte der Asse II-Koordinationskreis mit.

Mögliche negative Folgen der Verfüllmaßnahmen auf der 750 m-Sohle

Moniert wurde die beabsichtigte Sorelbeton-Verfüllung eines Stollens, der vor den verschlossenen Atommüll-Einlagerungskammern entlangführt. Auf diesem Stollen wird gegenwärtig an verschiedenen Stellen radioaktive Lauge aufgefangen, die mutmaßlich aus dem Laugenzufluss stammt und den Atommüll in den Kammern durchflossen hat. Wenn dieser Stollen verfüllt würde, können etwaige neue Laugenstellen nicht mehr gefunden werden.Die Gänge vor den Einlagerungskammern sind gewissermaßen die Augen, mit denen wir die Entwicklung des radioaktiven Laugenflusses im Berg beobachten können. Diese Augen will das Bundesamt für Strahlenschutz mit Sorelbeton verschließen.

Außerdem besteht die Gefahr, dass die gegenwärtigen Fließwege durch das zusätzliche Gewicht der Verfüllmasse zugedrückt und damit verschlossen werden. Dann würde sich Lauge in den Kammern aufstauen und mit dem Atommüll, den metallischen Fässern und dem Salz reagieren. Dadurch könnte der Atommüll in Lösung gehen. Das ist nicht akzeptabel.
Atommüll muss nach Möglichkeit trocken gelagert werden, das ist das oberste Gebot für Atommüll-Deponierung!

Wissenschaftliche Kritik wird beiseite geschoben



Seit Jahren kritisieren die unabhängigen Wissenschaftler, die dem regionalen Begleitgremium zuarbeiten, das Vorhaben des Betreibers. Doch ihre Gutachten wurden im Antrags- und Genehmigungsverfahren für die fragliche Verfüllmaßnahme weder nachvollziehbar bewertet noch auch nur dokumentiert. Im Umweltausschuss wurde dargelegt: Neue Verbindlichkeiten sind notwendig, um einen wirksamen Asse II-Begleitprozess zu gewährleisten:

- Die Stellungnahmen der Begleitgruppe und der Wissenschaftlergruppe AGO müssen in Genehmigungsverfahren aufgenommen und schriftlich bewertet werden. Dazu ist ein entsprechender Erlass aus dem Umweltministerium erforderlich.
- In Genehmigungsverfahren müssen die Auswirkungen des Notfallkonzeptes auf die angestrebte Rückholung und die Gesamtplanung berücksichtigt werden.

Weitere Forderungen der Asse II-Begleitgruppe


1. Alle Arbeiten im Bergwerk müssen in ihren Auswirkungen auf die Rückholung abgewogen und dokumentiert werden. Dazu muss der Betreiber endliche detaillierte Planung für die Rückholung vorlegen.

2. Die fragliche „2. südliche Richtstrecke nach Westen auf der 750 m-Sohle“ muss offen gehalten und gepflegt werden, solange ausreichende Bergsicherheit gegeben ist.

3. Das Notfallkonzept muss revidiert werden. Wir brauchen ein Notfallkonzept, bei dem der Atommüll möglichst trocken bleibt und nicht absichtlich geflutet wird.

Das „Topfkonzept“, das das BfS verfolgt, entspringt einem Wunschdenken. Man weiß nicht, wo die Lauge herkommt, und man weiß nicht, wo sie hinfließt, sondern hofft im Grunde darauf, dass ein deckelloser „Topf“ mit einer unbekannten Zahl von Löchern im Boden und in den Seitenwänden die Lauge und den Atommüll halten wird.

Ziel muss es sein, die Kontrolle über den Atommüll in der Asse wieder herzustellen. Das „Topfkonzept“ des Bundesamtes für Strahlenschutz kann dies nicht gewährleisten.

Hintergrund: Die Lage in der Asse


50.000 Kubikmeter Atommüll wurden von 1967 bis 1978 in das Salzbergwerk Asse II eingelagert. Seit 30 Jahren fließen täglich mehr als 12 Kubikmeter Lauge in das Bergwerk und drohen es langfristig aufzulösen. Solange Atommüll darin ist, kann es nicht sich selbst überlassen werden. Die Lauge muss aufgefangen und abtransportiert werden, damit der Atommüll nicht aufgelöst und ausgepresst wird.

Auf der 750-m-Sohle wird auf einer Begleitstrecke vor den verschlossenen Atommüll-Kammern radioaktiv kontaminierte Lauge mit rostfarbenen Partikeln aufgefangen. Vermutlich ist sie von oben in Atommüll-Kammern eingedrungen, durch rostige Atommüll-Fässer geflossen und hat dabei Rostpartikel und Radioaktivität aufgenommen. Die gefürchtete Auflösung des Atommülls hat also schon begonnen.

Der Betreiber will Auffangstellen radioaktiver Lauge zubetonieren

Das Bundesamt für Strahlenschutz will demnächst die Bereiche, in denen radioaktive Lauge aufgefangen wird, mit Sorelbeton vollständig ausbetonieren (die sogenannte „2. südliche Richtstrecke nach Westen“). Danach würde man nicht mehr erkennen können, wenn dort neue Laugenflüsse entstehen. Durch die Verfüllung der Strecke wird man blind für die weiteren Entwicklungen auf dieser Sohle. Die Spuren der Auflösung des Atommülls würden unsichtbar. Die Lauge aus den jetzigen Laugenstellen will man über Rohrleitungen 50 Meter nach oben abpumpen. Ob das langfristig gelingen kann, ist ungewiss.

Als Begründung für die Verfüllung muss die gefährdete Bergsicherheit herhalten. Doch es gäbe andere Möglichkeiten die Bergsicherheit zu erhöhen. Der Betreiber könnte wesentlich größere Hohlräumen in anderen Bereichen verfüllen.

Als zweite Begründung dient der angeblich schlechte Zustand der Strecke. Doch Fotos, mit denen das Bundesamt das belegen will, stammen teils von einer anderen Sohle, teils von Nischen, die problemlos zu sanieren wären – ohne en Bereich komplett zu verfüllen. Durch die komplette Verfüllung der „2. südlichen Richtstrecke nach Westen“ würde die gesetzlich gebotene Rückholung des Atommülls aus der Asse deutlich erschwert werden. Um einen Bereich aufzubohren, in den radioaktive Lauge eingedrungen sein kann, benötigt man umfangreiche Vorsichtsmaßnahmen und atomrechtliche Genehmigungen. Das ist keine normale bergbauliche Routinemaßnahme, als die es das Bundesamt für Strahlenschutz mitunter darstellt.

In Übereinstimmung mit der Asse II-Begleitgruppe kritisiert der Asse II-Koordinationskreis der Bürgerinitiativen, dass die Stellungnahmen und die Vorschläge der Wissenschaftler der „Arbeitsgruppe Option Rückholung“ (AGO), die der Begleitgruppe zuarbeitet, im Antrags- und Genehmigungsverfahren für die Verfüllmaßnahme weder nachvollziehbar bewertet noch auch nur dokumentiert wurden.


zur Startseite