whatshotTopStory

Durch Wiedervernässung der Moore: 5.000 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart

Durch dieses Projekt der Niedersächsischen Landesforsten und des NLWKN sollen rund 630 Hektar Fläche wiedervernässt werden, um klimaschädliches CO2 einzusparen und einen gewissen Wasserstand in den Mooren zu erhalten.

Symbolbild.
Symbolbild. Foto: pixabay

Artikel teilen per:

27.07.2020

Gifhorn/Braunschweig Sie sind Heimat wertvoller Tier- und Pflanzenarten, doch sie bergen auch eine Gefahr für das Klima: Die Moore in Niedersachsen enthalten große Teile der hiesigen Boden-Kohlenstoffvorräte. Nur bei ausreichendem Wasserstand wird das klimaschädliche CO2 in diesen Böden dauerhaft konserviert. In den Naturschutzgebieten "Großes Moor bei Gifhorn" und "Obere Lachte, Kainbach, Jafelbach" im Landkreis Gifhorn wollen die Niedersächsischen Landesforsten (NLF) und der Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) künftig gemeinsam für nasse Füße sorgen. Ziel ist es, den CO2-Ausstoß im Moor nachhaltig zu minimieren. Schätzungsweise könnten dadurch 5.000 Tonnen C02 jährlich eingespart werden. Auch die biologische Vielfalt in den wertvollen Naturgebieten soll von dem ambitionierten Vorhaben profitieren.


Bis Ende 2022 arbeiten die beiden Landeseinrichtungen im Großen Moor und am Jafelbach dabei eng zusammen. Fast drei Millionen Euro an Fördermitteln der EU stehen für das Vorhaben zur Verfügung. Unterstützt wird das Projekt zur Verbesserung des Wasserhaushalts vom Unterhaltungsverband Lachte und vom Landkreis Gifhorn. Die Gesamtfläche der geplanten Wiedervernässung beträgt rund 630 Hektar. Warum es gleich mehrfach sinnvoll ist, einen gewissen Wasserstand in Moorgebieten zu erhalten, erklärt Justin Kirchhoff, Projektkoordinator beim NLWKN in Braunschweig: "Durch eine teilweise bereits vor hundert Jahren im Zuge des Torfabbaus begonnene Entwässerung sacken und schrumpfen die Torfschichten. Infolge dieser sogenannten Torfzehrung werden Nährstoffe und klimarelevante Gase wie CO2 freigesetzt". Die zügige Wiedervernässung der Moore, die zum Teil zugleich Natura 2000-Gebiete sind, habe daher für den Klimaschutz ebenso hohe Priorität wie für den Naturschutz, so der Fachmann. Durch das Vorhaben im Landkreis Gifhorn erwarten die Partner eine Minderung der CO2-Emissionen von 5.000 Tonnen pro Jahr.

Im Projektgebiet hat das Land Niedersachsen bereits seit rund 35 Jahren kontinuierlich Flächen angekauft. Ziel ist es, die gekauften Flächen aus der Nutzung zu nehmen, die Nutzung zu extensivieren oder sie für Maßnahmen zur Entwicklung der Moorrenaturierung zur Verfügung zu stellen. Denn es geht den Naturschützern nicht nur darum, den Ausstoß von klimaschädlichen Gasen zu reduzieren: "Die aktuellen Dürrejahre zeigen uns gerade wie wichtig es ist, das Wasser in der Landschaft zu halten. Dann entwickeln sich Moore und naturnahe Gewässerläufe mit ihren typischen Pflanzen- und Tierarten", erklärt Christoph Rothfuchs, Förster für Waldökologie vom Forstamt Unterlüß. Die Niedersächsischen Landesforsten sind insbesondere im Bereich des Jafelbachs an dem Projekt beteiligt.

Sorgfältige Planung erforderlich


Kernelement des Vorhabens in den Naturschutzgebieten "Großes Moor bei Gifhorn" und "Obere Lachte, Kainbach, Jafelbach" ist die Wasserstandsoptimierung in den Mooren. Die wasserbehördliche Plangenehmigung für die Renaturierung des Jafelbachs und seiner Nebengewässer liegt inzwischen vor. Die Genehmigung für die Vorhaben im Projektgebiet Großes Moor wird in Kürze beantragt. "Die Umsetzung von Vorhaben dieser Größe erfordert sorgfältige Vorplanungen - etwa auf Basis der Vorflutverhältnisse, der Geländehöhen, der Torfmächtigkeiten und der vorhandenen Arten und Lebensgemeinschaften", weiß Norbert Horny, Projektmitarbeiter im NLWKN. Der Landespfleger ist seit drei Jahrzehnten im Großen Moor tätig. Und noch etwas ist den Planern bei NLWKN und Landesforsten wichtig: "Wir wollen Anrainer und sonstige Betroffene aktiv ins Boot holen und von Anfang an umfassend einbinden", so der Naturschützer. Durch Gestattungsverträge, Tausch oder Kauf sollen für alle Beteiligten akzeptable Lösungen gefunden werden.

Für die Natur soll das Projekt im Landkreis Gifhorn gleich in mehrfacher Hinsicht zum Gewinn werden: Mit dem Vorhaben werden die Erhaltungs- und Entwicklungsziele der Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Gebiete und Vogelschutzgebiete nach EU-Vorgaben umgesetzt und der ökologische Zustand der Gewässer gemäß der europäischen Wasserrahmenrichtlinie verbessert.


zur Startseite