Eigentlich ausgerottet: Kann Kinderlähmung wieder zum Problem werden?

Der US-amerikanische Bundesstaat New York hat in der vergangenen Woche aufgrund von Polioviren den Katastrophenfall ausgerufen. Ist so ein Szenario auch bei uns denkbar?

von Alexander Dontscheff


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Symbolbild Foto: pixabay

Region. Kinderlähmung oder Polio gilt in Ländern mit einer guten medizinischen Versorgung wie Deutschland eigentlich als ausgerottet. Doch in der vergangenen Woche sorgten Meldungen für Aufregung, dass der US-amerikanische Bundesstaat New York aufgrund von Polioviren den Katastrophenfall ausgerufen hat. Auch in Großbritannien und Israel wurden Fälle bekannt. regionalHeute.de nahm dies zum Anlass, um beim Gesundheitsamt Braunschweig nachzufragen, wie dieses das Risiko bewertet, in unserer Region an Kinderlähmung zu erkranken.


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Die gute Nachricht vorweg: "Das Risiko, in Braunschweig oder in der Region an Polio zu erkranken, ist gering", lässt das Gesundheitsamt wissen. Seit 1990 sei die Krankheit in Deutschland ausgerottet. Weltweit gebe es noch größere Polioausbrüche in Pakistan und Afghanistan, aber auch Einzelfälle in Afrika, Südostasien und eben jetzt in New York. Damit bestehe das Risiko bei zunehmender Mobilität, dass die Poliomyelitis auch nach Deutschland eingeschleppt werden könnte, so Rainer Keunecke, Pressesprecher der Stadt Braunschweig. Für alle Kinder werde daher die vollständige Impfung empfohlen. Erwachsene sollten bei Reisen in die betroffenen Länder eine Auffrischungsimpfung erhalten.

Welche Symptome gibt es?


Doch was haben Personen, die sich mit Polio infizieren, eigentlich für gesundheitliche Folgen zu befürchten? Welche Symptome hat die Krankheit? Meistens verläuft eine Polio-Infektion ohne Krankheitszeichen, heißt es seitens des Gesundheitsamtes. Bei rund einem Drittel der Infektionen würden aber Fieber, Halsschmerzen, Durchfall und Erbrechen auftreten. Diese Infektion heile meistens folgenlos ab. Bei zirka 3 Prozent der Infizierten sei das Zentrale Nervensystem betroffen. Das heißt, sie haben die Krankheitszeichen einer Hirnhautentzündung (Fieber, Kopfschmerzen, Erbrechen).

In seltenen Fällen komme es zur sogenannten Paralytischen Poliomyelitis (zirka 1 Prozent). Diese äußert sich in schlaffen Lähmungen der Muskulatur, besonders im Bereich des Oberschenkels, aber auch von Blase, Darm und Zwerchfell. Begleitend treten Muskelschmerzen, Schluckstörungen und Atemstörungen auf. Diese Form der Erkrankung führe bei 20 Prozent der Patienten zum Tod. Heilt eine Paralytische Poliomyelitis ab, das heißt, die Lähmung geht zurück, dann sind die Spätfolgen Restlähmungen, Wachstumsstörungen und Skoliose.

Es gibt keine Therapie


Eine Therapie gegen die Krankheit gibt es nicht. Der einzige Schutz vor der Poliomyelitis sei die Schutzimpfung. Geimpfte Menschen seien geschützt und hätten keine schweren Krankheitsverläufe, so das Gesundheitsamt. Das Poliovirus werde durch Schmierinfektionen und Tröpfcheninfektionen übertragen, das heißt die erkrankte Person scheidet das Virus über Husten oder Stuhlgang aus. Gute Hygiene biete aber nur einen begrenzten Schutz. Daher werde weltweit die Polioschutzimpfung empfohlen.

In der Stadt Braunschweig werde jedes Jahr bei allen Schulanfängern der Impfstatus kontrolliert. 2019 waren 96,5 Prozent der Schulanfänger in Braunschweig vollständig gegen Poliomyelitis geimpft. Die vollständige Impfung umfasse eine Grundimmunisierung als Säugling (2 bis 3 Impfungen) und eine Auffrischungsimpfung ab dem 11. Lebensmonat. Im niedersächsischen Vergleich habe die Stadt Braunschweig die drittbeste Impfquote von allen 44 Landkreisen und Städten. Damit sei die Bevölkerung sehr gut geschützt.


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