Region. Klein, aber oho! Mit leuchtend grünen Flecken und dem markanten Ruf ist die Wechselkröte eine der auffälligsten Amphibienarten Deutschlands – und zugleich eine der seltensten. Zu ihrem Schutz starte der NABU Niedersachsen e.V. im Februar 2023 das Projekt „Schaffung von Lebensräumen für die gefährdete Wechselkröte in Niedersachsen“ unter der fachlichen Leitung der Ökologischen NABU-Station Aller/Oker (ÖNSA).
Ziele des Projektes waren der Erhalt und Schutz der letzten verbliebenen Wechselkrötenvorkommen in Niedersachsen. Nach drei Jahren kann nun mit dem Abschluss des Projektes eine positive Bilanz gezogen werden. Darüber berichtet der NABU Landesverband Niedersachsen in einer Pressemitteilung.
Am stärksten gefährdete Amphibienart
Die Wechselkröte (Bufotes viridis) ist die am stärksten gefährdete Amphibienart Niedersachsens und akut vom Aussterben bedroht. Sie kommt mittlerweile nur noch an wenigen Standorten in den Landkreisen Helmstedt, Wolfenbüttel und Goslar vor. Um die Art vor dem Aussterben zu bewahren, wurde das Projekt vor drei Jahren ins Leben gerufen. Zentrale Bestandteile des Projektes waren unter anderem die Suche nach geeigneten Lebensräumen für die Wechselkröte, „klassische“ Artenhilfsmaßnahmen wie die Anlage von Gewässern, die Beratung von Abbaubetrieben sowie eine umfassende Öffentlichkeits- und Netzwerkarbeit.
Als sogenannte Pionierart ist die Wechselkröte auf die dynamische Veränderung ihres Lebensraumes angewiesen. Da einer ihrer ursprünglichen Lebensräume, der Auenbereich von Flüssen und Bächen, heutzutage kaum noch existiert, kommt sie heute hauptsächlich in naturfernen Ersatzlebensräumen vor. Diese oft kleinflächigen Gebiete, wie beispielsweise Bodenabbaugruben oder Industrieflächen, liegen in der Regel außerhalb von Naturschutzgebieten. Im Rahmen des Projektes sollten diese gemäß den Ansprüchen der Art gezielt optimiert werden.
Individuelle Lösungen gesucht
„Wichtig ist dabei die gute Zusammenarbeit aller Akteure. Nur gemeinsam mit den Betrieben und den Menschen vor Ort kann der Artenschutz erfolgreich auf solch intensiv genutzten Flächen integriert werden“, betont Marieke Neßmann, Leiterin der ÖNSA. „Im Rahmen des Projektes ging es verstärkt darum, individuelle Lösungen mit Abbaubetrieben und Flächeneigentümerinnen und -eigentümern zu finden, wie die Ansprüche der Art besser in den Betriebsablauf integriert werden können, sodass Wirtschaftlichkeit und Artenschutz Hand in Hand gehen können“, so Neßmann weiter.
Im Verlauf des Projektes wurden hunderte Flächen in den Landkreisen Helmstedt, Wolfenbüttel, Goslar und der Stadt Salzgitter sondiert und zwei neue Wechselkrötenvorkommen entdeckt. Ferner wurden zahlreiche Kleingewässer angelegt und saniert, damit der Wechselkröte geeignete Laichgewässer zur Verfügung stehen. Im Zuge des projekteigenen Monitorings wurden 2024 über 340 adulte Wechselkröten gezählt – so viele wie seit 20 Jahren nicht mehr. Vier Abbaubetriebe, auf deren Flächen die Art vorkommt, wurden hinsichtlich Artenschutzmaßnahmen und der langfristigen Integrierung der Wechselkröte in den Betriebsablauf beraten.
2.000 Kröten ausgewildert
Zusätzlich dazu wurde eine Vielzahl von Flächenbesitzern und interessierten Bürgerinnen und Bürgern im Rahmen von Vorträgen und Infoständen zum Thema Wechselkrötenschutz beraten. Außerdem wurden im Rahmen der projekteigenen Bestandsstützung über 2.000 junge Wechselkröten im Landkreis Helmstedt ausgewildert. Zum Abschluss des Projektes wurde, neben einer eigenen Ausstellung, die bei der ÖNSA ausleihbar ist, und einem Infoflyer, auch ein Leitfaden mit Handlungsempfehlungen für den Wechselkrötenschutz erstellt.
„Die Situation der Wechselkröte in Niedersachsen ist mehr als kritisch“, erklärt Valentin Dienst, Leiter des Projektes. „Mit dem Projekt konnten die Weichen gestellt werden, um die Art besser zu schützen und den negativen Bestandstrend einzudämmen. Hier gilt unser besonderer Dank den vielen Flächeneigentümerinnen und -eigentümern und Abbaubetrieben sowie den zuständigen Naturschutzbehörden, die immer aufgeschlossen für Artenschutzmaßnahmen waren und sich leidenschaftlich für die Wechselkröte engagiert haben“, so Dienst weiter.
Mehrere Stiftungen gaben Geld
Das Projekt „Schaffung von Lebensräumen für die bedrohte Wechselkröte in Niedersachsen“ ist ein Förderprojekt der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) und der Deutschen Postcode Lotterie (DPL), die das Projekt mit 125.000 beziehungsweise 100.000 Euro förderten. Weitere finanzielle Unterstützung erhielt der NABU Niedersachsen e.V. durch die Curt Mast Jägermeister Stiftung und die Loki Schmidt Stiftung, sowie durch die Landkreise Helmstedt, Wolfenbüttel und die Stadt Salzgitter. Die Projektlaufzeit belief sich auf drei Jahre. „Ein herzlicher Dank geht auch an die Institutionen, die das Projekt finanziell unterstützt haben und mit denen die Zusammenarbeit völlig reibungslos verlief“, resümiert Dienst.
Abschließend lasse sich festhalten, dass sich die Situation für die Wechselkröte in Niedersachsen deutlich verbessert hat. Dennoch müssten auch in den folgenden Jahren stete Anstrengungen unternommen werden, um das Aussterben der Art zu verhindern. Ein effektiver Schutz der Wechselkröte kann nur gelingen, wenn alle involvierten Akteure engagiert zusammenarbeiten. Die ÖNSA wird auch nach dem erfolgreich abgeschlossenen Projekt weiterhin die Wechselkröte und ihre Lebensräume in der Region betreuen.

