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Erdoberfläche eingebrochen: Unbekannter Schacht sorgte für Tagesbruch

Die Niederschläge in den vergangenen Tagen haben für Bergschäden in Clausthal-Zellerfeld und Wildemann gesorgt.

Symbolbild.
Symbolbild. Foto: pixabay

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11.11.2020

Clausthal-Zellerfeld/Wildemann. Vergangene Woche Montag war ein Tagesbruch am Brauhausberg in Clausthal-Zellerfeld entdeckt worden. Unter einem Tagesbruch versteht man einen durch einstürzende Bergwerksstollen verursachten Einbruch der Erdoberfläche. Nun hat das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) einen bisher unbekannten Schacht als Ursache ermitteln können. Zeitgleich verzögert ein weiterer Tagesbruch am Gallenberg in Wildemann die dortigen Sanierungsarbeiten. Dies teilt das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie in einer Pressemitteilung mit.



Der Bereich des Tagesbruchs am Brauhausberg liege unter dem Teil des Grundstücks, unter dem das LBEG aktuell arbeite. Wegen massiver Wasserzutritte aufgrund der Niederschläge der vergangenen Wochen hätten die untertägigen Arbeiten vorläufig eingestellt werden müssen. Zunächst sei unklar gewesen, ob ein alter Abbau von Untertage angefahren worden war oder ein bisher unbekannter Schacht. Durch den Tagesbruch sei jetzt eindeutig geklärt, dass dort ein weiterer Schacht liege, und auch für den starken Wasserzutritt gebe es eine plausible Erklärung.

„Vor dem Tagesbruch biegt ein Regenwasserkanal ab", erklärt Thomas Finkeldey, der beim LBEG für Gefahrenabwehr im Nachbergbau zuständig ist. Der Kanal, der unter anderem das Gelände der ehemaligen Calvör-Schule entwässert, habe Undichtigkeiten aufgewiesen, sodass bei den zuletzt ergiebigen Niederschlägen vermehrt Wasser in den bislang nicht bekannten Schacht geflossen sei. Schließlich habe das lockere Gestein nachgegeben, und an der Oberfläche sei das Loch entstanden.

Anlagen stammen teilweise aus dem Mittelalter


Das LBEG nehme derzeit größere Sanierungsarbeiten am Brauhausberg vor. Zwischen dem Schacht Silberkrone und dem Schacht Kron Kalenberg verläuft der Johannesstollen, den die Bergbauexperten in diesem Jahr wiederentdeckt hatten und nun wieder auffahren, um die Sicherungsarbeiten auch von Untertage vorantreiben zu können. Während der Schacht Silberkrone als Zugang diene, werden der Johannesstollen und seine Abzweige eine Verbindung zum Schacht Kron Kalenberg, um diesen dann von unten mit Beton verfüllen zu können. Über die Anlagen, die teilweise aus dem Mittelalter stammen, gebe es wenige und ungenügende Pläne. So sei der Schacht, der nun für den Tagesbruch gesorgt hat, bislang nicht bekannt gewesen.

Schacht in historischen Rissen nur angedeutet


Ähnlich sehe es im Nachbarort Wildemann aus. Dort lässt das LBEG den ehemaligen Schacht Anna Juliane sanieren. Die Lage an einem steilen Hangweg sei sehr beengt, weswegen die Experten nicht mit großem Gerät arbeiten können. Die vor zwei Jahren begonnenen Arbeiten sollten mittlerweile beendet sein, doch musste bislang mit 1.200 Kubikmetern doppelt so viel Beton in den zu sichernden Schacht gefüllt werden als ursprünglich angenommen, weil Untertage mehr Hohlräume existieren als bislang bekannt. Noch sei nicht absehbar, wann der Schacht endgültig verfüllt ist. Erschwerend komme hinzu, dass sich rund 20 Meter entfernt nun ein Tagesbruch aufgetan hat, der auf einen zweiten Schacht zurückzuführen ist. Über den Schacht sei kaum etwas bekannt und er sei in den historischen Rissen nur angedeutet.

Wegen der engen Lage müssten nun erst einmal die Bauarbeiten am ersten Schacht ruhen, bis der zweite bis voraussichtlich Jahresende behelfsmäßig gesichert worden ist. Die komplette Sicherung der beiden Schächte dürfte sich noch bis 2022 hinziehen. Daran werde sich die Sanierung eines dritten Schachts anschließen.


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