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Erste Stolpersteine für Gifhorn: Broschüre begleitet Erinnerungs-Projekt



Erste Stolpersteine für Gifhorn: Broschüre begleitet Erinnerungs-Projekt

Am 6. Oktober findet die Verlegung der "Stolpersteine", die an die Opfer in und um Gifhorn erinnern sollen, statt. Im Rathaus wurde am gestrigen Donnerstag das Projekt und die Arbeitsgruppe vorgestellt.

von Axel Otto und Anke Donner


v.l.: Matthias Nerlich (Bürgermeister), Willy Knerr (Ratsvorsitzender), Merle Höfermann (Agentur "Calluna - Menschen & Medien"), Annette Redeker (ehrenamtliche Archivarin und Historikerin), Dr. Klaus Meister (Fachbereichsleiter Kultur der Stadt Gifhorn), Heike Klaus-Nelles (Stadtarchivarin der Stadt Gifhorn), Prof. Dr. Manfred Grieger	(Historiker), Dr. Steffen Meyer (Historiker und Archivar der Dachstiftung Diakonie), Martin Wrasmann (Bündnis "Bunt statt Braun"), Dr. Jens Rannenberg (Vorstand der Dachstiftung Diakonie).
v.l.: Matthias Nerlich (Bürgermeister), Willy Knerr (Ratsvorsitzender), Merle Höfermann (Agentur "Calluna - Menschen & Medien"), Annette Redeker (ehrenamtliche Archivarin und Historikerin), Dr. Klaus Meister (Fachbereichsleiter Kultur der Stadt Gifhorn), Heike Klaus-Nelles (Stadtarchivarin der Stadt Gifhorn), Prof. Dr. Manfred Grieger (Historiker), Dr. Steffen Meyer (Historiker und Archivar der Dachstiftung Diakonie), Martin Wrasmann (Bündnis "Bunt statt Braun"), Dr. Jens Rannenberg (Vorstand der Dachstiftung Diakonie). Foto: Axel Otto

Gifhorn. Am Donnerstag haben Bürgermeister Matthias Nerlich und die Arbeitsgruppe "Stolpersteine" das gleichnamige Kunstprojekt von Gunter Demnig vorgestellt. Auch in Gifhorn sollen nun die Erinnerungssteine verlegt werden. Mit den Stolpersteinen soll an einzelne Schicksale der NS-Diktatur erinnert werden. Die Verlegung der ersten fünf Stolpersteine findet am 6. Oktober statt und soll mit einem Rahmenprogramm begleitet werden.



Europaweit erinnern die Messingsteine von Gunter Demnig an die Deportierten, Getöteten und Vertriebenen der NS-Zeit. Und auch in vielen Städten der Region wurden die Erinnerungssteine bereits verlegt. Nun auch in Gifhorn. Fünf an der Zahl werden in der kommenden Woche vor den ehemaligen Wohnhäusern der Familien gesetzt. Eigens dafür reisen sogar Angehörige an. So wie die Nachfahren von Alice Frieda Nathansohn, die aus den Niederlanden anreisen und vor der Verlegung in Empfang genommen werden. Alice Frieda Nathansohn war 1939 mit ihrer Familie erst nach Holland geflohen und wurde am 21. September 1942 in Auschwitz ermordet. Zwei Steine werden vor dem Ärztehaus in der Torstraße für Alice Frieda Nathansohn und Bertha Müller verlegt.

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Bürgermeister Matthias Nerlich erklärte, wie wichtig es sei, sich mit der Vergangenheit der NS-Diktatur in und um Gifhorn, auseinanderzusetzen. Es sei nicht immer einfach gewesen, die schwärzesten Momente der jüngeren Geschichte aufzuarbeiten. Umso wichtiger ist es jetzt auch öffentlich daran zu erinnern. "Man muss den Fokus auf die eigene Geschichte legen, um Lehren daraus zu ziehen, damit bestimmte Dinge sich nicht wiederholen", so Nerlich. Er bedankte sich bei allen Beteiligten.

"Es ist wichtig, sich nicht nur mit den schönen Dingen einer Stadt zu beschäftigen, sondern auch mit den schwarzen Momenten."

- Gifhrons Bürgermeister Matthias Nerlich


Der erste Stein wird bereits ab 15 Uhr für Erich Lehmann am Schillerplatz verlegt, dann geht es weiter zur Allerzeitung, dort erfolgt die Verlegung der beiden Stolpersteine für Willi und Hedwig Redlich. Anschließend geht es zum Ärztehaus in der Torstraße. Um 16.30 Uhr findet dann eine Gedenkstunde in der Diakonie Kästorf statt. Die evangelische und katholische Kirche veranstalten eine ökumenische Andacht mit einem Vertreter der jüdischen Gemeinde in der Lazarus Kirche.



Broschüre zu den Stolpersteinen


Wie Dr. Klaus Meister, Fachbereichsleiter Kultur der Stadt Gifhorn, betont, freue er sich sehr darauf, dass die Arbeit der vergangenen zwei Jahre nun endlich Früchte trage. Denn begleitend zu der Stolperstein-Verlegung gibt es auch eine Broschüre, in der ausführlich über das Projekt informiert wird. Unter anderem wird hier über die Gifhorner Opfer des Nationalsozialismus, die Euthanasie in den Kästorfer Anstalten und das Kunstprojekt "Stolpersteine" von Gunter Deming berichtet.

Die Broschüre über das Kunstprojekt Stolpersteine des Künstlers Gunter Deming. Herausgeber ist die Stadt Gifhorn.
Die Broschüre über das Kunstprojekt Stolpersteine des Künstlers Gunter Deming. Herausgeber ist die Stadt Gifhorn. Foto: Axel Otto


Die 62-seitige Broschüre liegt schon jetzt im Stadtgebiet aus. Außerdem wurden Exemplare auch an Schulen verteilt und dankend angenommen, berichtet Meister, der sich bei der Dachstiftung der Diakonie, vertreten durch Dr. Jens Rannenberg, bedankte, die sich maßgeblich an der Finanzierung des Projektes beteiligt habe.


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