Es klappert die Mühle…

von Thorsten Raedlein


Foto: Anke Donner)



Wolfenbüttel. Noch rauscht die Oker ungenutzt unter die historische Radgasse der Schünemannschen Mühle. Doch wenn es nach einer Machbarkeitsstudie aus dem Jahr 2010 des Energie-Kompetenz-Zentrums Region Braunschweig geht, könnte sich dies bald ändern und die Schünemannsche Mühle ihrem Namen wieder alle Ehre machen. 

Alte Skizzen aus dem Jahr 1848 zeigen, dass einst vier unterschlächtige Wasserräder in der historischen Korn- und Ölmühle eingebaut waren. Später wurden diese durch die bis heute noch vorhandene Turbinenanlage ersetzt, bevor 1974 der Mühlenbetrieb und damit die Wasserkraftnutzung in der Wolfenbütteler Altstadt eingestellt wurde. Nach 30 Jahren Stillstand könnte nun wieder Bewegung in die historischen Mühle kommen.

Was zunächst abenteuerlich klingt, ist durchaus realistisch. Dies wurde schon vor vier Jahren in einer Machbarkeitsstudie festgestellt. Anlässlich des diesjährigen Wolfenbütteler Umweltmarktes wurde das Thema wieder auf die Tagesordnung gebracht.

In der Studie aus dem Jahr 2010 hatte man die Reaktivierung der noch vorhandenen Francisturbine, den Einbau einer Wasserkraftschnecke und den Einbau eines Wasserrades miteinander verglichen. Das Ergebnis hatte gezeigt, dass sich die Turbine unter den heutigen wassertechnischen Rahmenbedingungen nicht mehr sinnvoll betreiben lasse. Hinsichtlich des Vorhabens, die Mühle wieder zur Wasserkraftgewinnung zu nutzen, kämen nur die beiden anderen Alternativen in Betracht, wobei der Vergleich zwischen den Varianten Wasserrad und Wasserkraftschnecke zu ähnlichen Ergebnissen geführt hatte.

Die Wasserkraftschnecke zeige zwar die wirtschaftlich etwas besseren Ergebnisse, jedoch bei etwas höheren Investitionskosten. Favorit war deshalb damals das Wasserradkonzept. Dieses entspreche auch eher der historischen Situation und das angedachte Generatorkonzept sei drüber hinaus besonders innovativ. Der Einbau eines Wasserrades käme dem historischen Vorbild am nächsten, würde sich gut in das Ambiente von „Klein Venedig“ einpassen und sei zugleich ein modernes Nutzungskonzept.

Darauf basierend sollte, so der damalige Vorschlag,  die Nutzung der Wasserkraft an der Schünemannschen Mühle durch ein Wasserrad mit integriertem Generator weiter verfolgt werden: Das unterschlächtige Wasserrad solle etwa einen Durchmesser von 5,5 Metern und eine Breite von 1,2 Metern bei einem Schluckvermögen von 500 Litern pro Sekunde haben. Der Durchmesser entspreche damit annähernd dem größten Rad des historischen Vorbildes. Die elektrische Leistung wurde auf 6,5 Kilowattstunden berechnet. Rund 40000 Kilowattstunden könnten im Idealfall produziert werden.

Das Projekt wartet jetzt seit vier Jahren auf seine Umsetzung. Aktuell fehlen dazu noch die finanziellen Mittel. Der Verein Energie-Kompetenz-Zentrum hofft, das Geld dazu einsammeln zu können. Zumindest ist das Projekt jetzt wieder zurück in die Köpfe gebracht worden…


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