Eulen suchen Zuflucht: Wie man den gefiederten Jägern jetzt helfen kann

Der Winter hat die Region weiterhin fest im Griff. Für viele Eulenarten wird das jedoch zum Problem.

Eine Schleiereule.
Eine Schleiereule. | Foto: Winfried Rusch

Region. Lautlos gleiten sie durch die Nacht, ihre Augen durchdringen die Dunkelheit, ihr Ruf geht unter die Haut. Eulen gehören zu den faszinierendsten Geschöpfen unserer Tierwelt und ziehen Menschen seit jeher in ihren Bann. Mit ihren lautlosen Flügelschlägen, ihrem scharfen Gehör und ihrer wehrhaften Natur gelten sie als Sinnbild der Weisheit. Doch so beeindruckend sie auch sind, viele Eulenarten geraten in strengen Wintern in große Not. Der NABU Niedersachsen bittet daher jetzt um Hilfe: Wer über Scheunen, Ställe oder Hallen verfügt, sollte diese für die lautlosen Mäusejäger öffnen.



Auch wenn wir Eulen häufig mit mediterranen Urlaubserinnerungen verbinden, etwa mit kleinen Steinkäuzen in antiken Mauerritzen griechischer Inseln, lohnt sich ein genauer Blick auf die heimischen Arten, sagt Lamin Neffati vom NABU Niedersachsen: „Gerade größere Gärten oder Grundstücke in der Nähe von Friedhöfen, Parks oder Grünanlagen können für Eulen zu wertvollen Lebensräumen werden.“

Der Waldkauz: gefiederter Gast in der Stadt


Der Waldkauz ist die am weitesten verbreitete Eulenart in Deutschland. Selbst in großen Städten ist sein charakteristisches „huu – uu – uuuuuu“ zu hören, das nicht selten als Soundtrack für düstere Filmszenen herhalten muss. Der Waldkauz ist ein vielseitiger Jäger: Mäuse, kleine Vögel, Insekten, Würmer und Amphibien stehen auf seinem Speiseplan. Als Höhlenbrüter nutzt er große Baumhöhlen, greift aber auch auf Gebäudenischen zurück, wenn natürliche Brutplätze fehlen. Ein großvolumiger Nistkasten, am besten aus Holz oder wetterfestem Holzbeton, kann hier Abhilfe schaffen. Wichtig ist allerdings: Der Waldkauz verteidigt sein Revier energisch. Deshalb sollten solche Kästen nicht in der Nähe von Bereichen montiert werden, in denen sich Menschen regelmäßig aufhalten.

Die Waldohreule


Auch die Waldohreule fühlt sich in Gärten wohl. Mit ihren auffälligen, „ohrenähnlichen“ Federbüscheln entspricht sie dem typischen Eulenbild vieler Menschen. Sie nistet gern in verlassenen Nestern von Krähen oder Eichelhähern. Unterstützt werden kann sie durch spezielle Brutkörbe, die im Fachhandel erhältlich sind. Im Winter schließen sich Waldohreulen oft zu größeren Schlafgemeinschaften zusammen und das manchmal auch mitten in der Stadt, etwa in dicht bewachsenen Gärten.

Die Schleiereule als nächtliche Jägerin


Eine weitere Eulenart, die die Nähe zum Menschen sucht, ist die Schleiereule. Mit einer Flügelspannweite von bis zu 90 Zentimetern bezieht sie bevorzugt Nischen in Kirchen, Scheunen, Türmen oder Hallen. Insbesondere dann, wenn dort ein geräumiger Nistkasten installiert ist. In Jahren mit hohem Mäuseaufkommen kann sich ihr Bestand gut erholen. In den letzten beiden, von Trockenheit geprägten Jahren, war das der Fall. Feldmäuse und Spitzmäuse stehen ganz oben auf ihrer Speiseliste. Viele NABU-Aktive betreuen seit Jahrzehnten Schleiereulenkästen und kümmern sich um deren Reinigung.

Doch nicht nur Brutplätze sind entscheidend. „Der Lebensraum und das Nahrungsangebot spielen eine ebenso große Rolle“, betont Neffati. „Dazu gehören ausreichend heimische Bäume und Sträucher, aber keine exotischen Zierpflanzen.“

Eulen in Not


Unter der anhaltenden Schneedecke finden viele Eulen keine Nahrung. Besonders hart trifft es Schleiereulen und Steinkäuze, die dringend auf Mäuse angewiesen sind. Sie können, entgegen manch anderer Arten, nicht einfach auf andere Beute umstellen. „Viele werden den Winter nicht überleben“, warnt Neffati. Doch es gibt eine einfache Möglichkeit, zu helfen: Wer über Scheunen, Ställe oder Hallen verfügt, sollte diese jetzt öffnen, damit Eulen drinnen nach Mäusen jagen können. „Ein halb offenes Tor oder ein geöffnetes Fenster reicht oft schon aus“, erklärt der Naturschützer. „So lassen sich mit minimalem Aufwand Eulenleben retten.“