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Existenznot statt Schoduvel - Hunderte Kulturschaffende demonstrieren für eine Zukunft



Braunschweig

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Existenznot statt Schoduvel - Hunderte Kulturschaffende demonstrieren für eine Zukunft

Der "Kulturzug" will auf die bedrohliche Lage in der Veranstaltungs- und Kulturlandschaft aufmerksam machen. Man fordere bessere Hilfen und endlich eine Perspektive für die Zukunft.

von Marvin König


Bedrückende Stille, bedrohliche Situation. Statt eines bunten Schoduvels tun die Kulturgesichter am heutigen Sonntag ihre Not in Braunschweig kund. Video: aktuell24 Foto: Phil-Kevin Lux

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Braunschweig. Hunderte Demonstrierende haben am heutigen Sonntag die Kultur- und Veranstaltungsbranche symbolisch zu Grabe getragen. Nationale Bekanntheit erlangte vor allem der mitgeführte Sarg der Aktion Kulturgesichter. Grund für die Veranstaltung war der am vergangenen Mittwoch erneut bis zum 7. März verlängerte Lockdown und die weiterhin wachsende Existenznot von Veranstaltern, Schaustellern und Kulturschaffenden wie Musikern und Schauspielern. "Ohne uns wird's still", so das Motto der Demonstrierenden.



In schwarz gekleidet, mit Abstand und Maske, mit dem Bildnis von Kulturschaffenden in der Hand und einem Sarg boten die vielen - wohl an die Tausend - Demonstrierenden aus der Veranstaltungsbranche am heutigen Sonntag ein bedrückendes wie beeindruckendes Bild in der Braunschweiger Innenstadt. Eigentlich wäre am heutigen Sonntag der größte Karnevalsumzug Norddeutschlands, der Schoduvel, durch die Löwenstadt gezogen - bunt, fröhlich und mit vielen Menschen. Auf der Schoduvel-Strecke zeigen sich stattdessen in diesem Jahr die Kulturgesichter in größter Not. Darunter auch Zugmarschall Gerd Baller vom Komitee Braunschweiger Karneval, das die Innenstadt an diesem Datum für gewöhnlich mit Frohsinn und Narreteien erfüllt. Für die Kulturgesichter gibt es seit dem 16. März 2020 keine Perspektive, kein Einkommen, keine groß angekündigten Hilfen der Bundesregierung - darauf will der Kulturzug aufmerksam machen.

"Die Gelder fließen in siebenstelliger Höhe in die Konzerne und die Leute hier müssen sehen wo sie bleiben. Die sind auf Spenden angewiesen. Das ist furchtbar."

- Benjamin Bahri, Kulturschaffender




#WSDSN steht für
#WSDSN steht für "Wir schaffen das so nicht". Unter diesem Motto hat der Berufsverband Discjockey e.V. den Kulturzug ins Leben gerufen. Dahinter steckt der Präsident des Berufsverbandes, Dirk Wöhler - ein Braunschweiger. Foto: Phil-Kevin Lux



Der Kulturzug startete um 12:30 Uhr an der Volkswagenhalle und traf um 13:40 Uhr am Braunschweiger Schloss ein. An der dortigen Bühne fand die Abschlusskundgebung statt. Die Veranstaltung selbst soll noch bis um 20 Uhr andauern, trotz der eisigen Temperaturen. Bis Aschermittwoch werden an einem Zaun am Schloss, als Mahnung, die Bilder der Kulturgesichter zu sehen sein.


Es geht nicht ums Feiern


Anmelder der Demo Dirk Wöhler erklärt in einer Pressemitteilung der "Kulturgesichter053", dass es „nicht darum geht schnell wieder feiern zu wollen. Alle Maßnahmen werden akzeptiert, aber wenn man zum Wohle der Gesellschaft seinen Job, den man liebt, niederlegt, dann muss die Politik auch helfen“. Seit fast einem Jahr steht der sechstgrößte Wirtschaftszweig der Bundesrepublik Deutschland still. Zum Schutz der Bevölkerung gibt es seit dem 16. März 2020 ein fast durchgehendes "Berufsverbot", da Menschenansammlungen gefährlich sind. "Wenn man einen gesamten Wirtschaftszweig ins künstliche Koma legt, dann müsse man ihm auch den nötigen Sauerstoff geben, um diese Pandemie überleben zu können", wie Dirk Wöhler mahnt.

Durch den Demonstrationszug kam es kurzfristig zu Verkehrsbeeinträchtigungen in der Innenstadt.


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