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Familienseminar zu HIV und weiße Nächte auf dem Ijsselmeer



Goslar

Familienseminar zu HIV und weiße Nächte auf dem Ijsselmeer


Die Nächte waren stimmungsvoll. Foto: AidsHilfe
Die Nächte waren stimmungsvoll. Foto: AidsHilfe

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Goslar. Neun Familien, mit acht Kindern, überwiegend aus dem Vorharzgebiet, konnten in diesem Jahr am niedersachsenweit ausgeschriebener Segeltörn mit Familienseminar auf dem Zweimastklipper Wilhelmina im Ijsselmeer teilnehmen. Der Segeltörn war sofort nach der Ausschreibung ausgebucht. Alle Familien leben mit HIV.



In Zusammenarbeit mit Initiatorin Ingrid Mumm vom Projekt Aids, Kinder und Familie hat Jutta Pein von AIDS- Hilfe Goslar in diesem Jahr die Organisation übernommen. Spenden der Michael-Stich Stiftung, der Deutschen AIDS- Stiftung und der AIDS-Hilfe Goslar e.V. ermöglichten dieses, wahrscheinlich einzige Angebot dieser Art,für Familien die mit HIV leben.

Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass alle Menschen mit HIV auch eine Familie haben. Im Kampf gegen Diskriminierung und Stigmatisierung fühlen sich die Betroffenen häufig allein gelassen. Umso wichtiger ist es, Netzwerke zu schaffen und den Menschen die Möglichkeit zu geben sich auszutauschen, eigene Ressourcen zu aktivieren und sich gegenseitig zu stärken.

Alle Teilnehmer hatten eine festgelegte Aufgabe auf dem Schiff


Nach der Ankunft auf dem Schiff wurden die neuen Hilfsmatrosen von Skipperin Harriet und dem Maat Douwe in die neuen Aufgaben eingewiesen. Alle Teilnehmenden segelten mit großer Freude und höchstmöglichen Einsatz, bei Regen, Wind und Wetter und bei Sonnenschein mit. Auch unter Deck waren alle aktiv bei der gemeinsamen Zubereitung der Mahlzeiten und der Versorgung der Kinder. Die Mahlzeiten waren so vielfältig wie die Hintergründe der Teilnehmenden. Es gab arme Ritter, traditionelles Essen von der Elfenbeinküste und natürlich holländische Spezialitäten, wie Kibbeling.

So gestärkt gingen Erwachsene und Jugendliche in die angebotenen Seminare. Diesmal kam die Referentin aus dem Kreis der HIV- Positiven. In einem geschützten Rahmen wurden Fragen zur Situation und dem Umgang mit dem Thema HIV innerhalb und außerhalb der Familie erörtert. Weitere Schwerpunkte waren der Umgang mit Erfahrungen von Stigmatisierung und Diskriminierung und wie kann ich mich stark machen und dagegen wehren. Ebenso wichtig war die Auseinandersetzung damit, auf welchem Wege die Teilnehmenden ihre Diagnose erhielten und warum so viele Frauen erst sehr spät erfahren, dass sie HIV-positiv sind.

Es geht auch um Vernetzung



Die Botschaft am Ende: Wissen über Rechte von Menschen mit HIV, Kenntnisse der Leitlinien und deutliche Grenzsetzung bei Stigmatisierung stärken jeden Einzelnen. Sich mit anderen Familien zu vernetzen im Austausch zu bleiben ist für die Teilnehmenden ein gewünschtes und nachhaltiges Ziel.

Während des Segeltörns hat sich, wie im vergangenen Jahr, schnell ein Gemeinschaftsgefühl entwickelt. Das Konzept, das Segeln als verbindendes Element mit aktivem Einsatz (alle sitzen in einem Boot und ziehen an einem Strang), zu nutzen um die Gemeinschaft zu stärken, dadurch Kraft zu sammeln für die Auseinandersetzung mit familiären Belastungssituationen in einem geschützten Rahmen, ist aufgegangen. Die Teilnehmenden genossen die Gemeinschaft und die Möglichkeit sich auszutauschen. Der Umgang miteinander war freundlich und zugewandt. Da einige kleine Kinder an Bord waren, musste Geduld und Nervenstärke bewiesen werden.

Es gab sogar einen Heiratsantrag an Bord


Unvergesslich in Erinnerung bleiben werden auch die „weißen Nächte“ mit atemberaubenden Sonnenuntergängen zu später Stunde, wenn Ruhe auf dem Schiff eingekehrt war und alle Kinder in ihren Kojen schlummerten.

Am letzten Tag gab es noch ein überraschendes Ereignis: Skipperin Harriet kündigte in einer gefühlvollen Rede den rührenden Heiratsantrag eines Gastmatrosen an seine langjährige Lebensgefährtin an, welcher freudig angenommen und mit großem Applaus und abends mit einem Eis für alle gefeiert wurde.

Zum Abschluss bekamen alle Kinder und Jugendlichen eine, von Ingrid Mumm liebevoll gestaltete Urkunde für ihren Einsatz als Hilfsmatrosen, welche glücklich entgegengenommen wurde.

Im nächsten Jahr soll eine andere niedersächsische AIDS-Hilfe die Organisation übernehmen. Interessenten gibt es jetzt schon und eine Referentin hat ebenfalls Interesse bekundet. Damit dieses wichtige Angebot für Familien wieder stattfinden kann, werden Sponsoren gesucht. Bei Fragen dazu wenden Sie sich gern an Günther Oles von der AIDS-Hilfe Goslar.

Gemeinsam mit den Organisatorinnen Jutta Pein und Ingrid Mumm bedanken sich 13 Erwachsene und acht Kinder bei der Deutschen AIDS-Stiftung, der Michael-Stich- Stiftung, welche das Familienseminar in diesem Jahr ermöglicht haben.


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