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Filmkritik: Deadpool – Mehr super als Held

von Jan Borner


Deadpool - Ein Superheld mit einem speziellen Sinn für Humor. Foto: © Twentieth Century Fox
Deadpool - Ein Superheld mit einem speziellen Sinn für Humor. Foto: © Twentieth Century Fox Foto: © Twentieth Century Fox

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14.02.2016


Wolfenbüttel. Sein Körper heilt jede Wunde, er ist stark, ziemlich flink und durchbricht die vierte Wand. Deadpool hat als Superheld einiges zu bieten. Aber seine wohl wichtigste Superkraft – nämlich diejenige, die die Kinokassen zum klingeln bringt – sind seine frechen Sprüche.

Keine Frage, Deadpool ist kein typischer Superheld. Das "Super" ist kein Problem, nur mit dem "held" tut er sich schwer. Bei der Menge an Superhelden, die sich im Marvel und im DC-Kosmos tummeln, ist es mittlerweile aber auch reichlich schwierig zu sagen, was noch wirklich typisch ist. Superhelden sind schon lange nicht mehr die Unschuld schlechthin. Sie sind nicht selten arrogant, richten oft selbstsüchtig Unmengen an Schaden an, trachten nach persönlicher Rache und haben auch schon mal mehr gegen das Böse in sich selbst, als gegen andere Schurken zu kämpfen. Deadpool bringt den Mangel an Unschuld aber auf einen äußerst unterhaltsamen Punkt: Er ist einfach nur ein witziger Arsch. Besser gesagt: Ein wütender witziger Arsch.

Wütend und Witzig


Die Wut gibt dem Film erst seine Story. Deadpool, der eigentlich Wade Wilson heißt, hat nämlich kein leichtes Leben. Er prügelt sich so durch (im wahrsten Sinne des Wortes) und schafft es mit seinem Humor, schwere Dinge noch recht leicht zu nehmen. Als er seine große Liebe trifft und sie schließlich heiraten will, kommt ihm dann der Krebs zuvor. Schon hier beweist Wade Wilson sein wahres Heldentum: Seinen Humor verliert er nämlich trotzdem nicht. An dieser Stelle tritt nun ein Mann in sein Leben, der zwar dafür sorgt, dass er den Krebs überlebt, der sich aber auch gleichzeitig zu seinem größten Feind macht. Nach seiner Mutation macht Deadpool sich dann mit neuem Namen, neuem Anzug und neuen Superkräften auf die Jagd nach seinem Erzfeind.

Die vierte Wand


Aber was für Superkräfte sind das eigentlich? Zunächst einmal hat er natürlich die Standardausstattung: Er ist stärker und schneller als normale Menschen und hat auch weitaus weniger Probleme mit der Schwerkraft als die meisten Normalos. Etwas ungewöhnlicher ist da schon mal die Fähigkeit, dass sein Körper jegliche Verletzung innerhalb sehr kurzer Zeit regeneriert. Wirkliches Alleinstellungsmerkmal von Deadpool ist aber, dass er uns sehen kann. Schon gleich am Anfang des Films schaut er in die Kamera und spricht zu seinen Zuschauern. Er weiß Bescheid, dass er gefilmt wird. Theaterkritiker würden sagen: Er durchbricht die vierte Wand, also jene imaginäre Mauer, die das Geschehen auf der Bühne von dem Publikum abtrennt. Deadpool weiß also, dass wir da sitzen und die Show genießen, während er sich mit seinen Problemen quält. Er weiß, dass wir über seine Sprüche lachen und Popcorn futtern, während er versucht, seine Liebe zurück zu gewinnen. Kein Wunder also, dass er nicht nur witzig, sondern hinter seinem ganzen Humor auch ziemlich wütend ist.


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