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Filmkritik: "The Boy"



Wolfenbüttel

Filmkritik: "The Boy"

von Max Förster


Szene aus "The Boy". Das Ehepaar Heelshire bringt ihren Jungen ins Bett. Foto: Capelight (Central)
Szene aus "The Boy". Das Ehepaar Heelshire bringt ihren Jungen ins Bett. Foto: Capelight (Central) Foto: Capelight (Central)

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Wolfenbüttel. Mit "The Boy" bringt Regisseur William Brent Bell einen psychisch subtilen Horrorstreifen mit wenigen Schockmomenten, aber einer starken gespenstischen Atmosphäre auf die Kinoleinwand. Die Protagonisten, die junge amerikanische Nanny Greta und die achtjährige, offenbar leblose Porzellanpuppe Brahms, sorgen vor der Kulisse eines alten englischen Herrenhauses für ein gelungenes Horrorszenarium.

Die Amerikanerin Greta macht sich auf dem Weg nach England, um dort in einem alten Herrenhaus als Nanny zu arbeiten. Begrüßt von einem älteren skurrilen Ehepaar, Mr. und Mrs. Heelshire, lernt sie dann den noch skurrileren Jungen kennen. Was sie nicht weiß: Bei dem achtjährigen Brahms handelt es sich nämlich um eine Porzellanpuppe, die von den Eltern als normales menschliches Kind behandelt wird. Vom Wecken und Anziehen, über Lesestunden, bis zum Gute-Nacht-Kuss soll Greta während der Abwesenheit der Eltern nun den Alltag der Porzellanpuppe bestreiten, der fest vorgegeben ist. Lediglich einen Hinweis gibt Mrs. Heelshire der Nanny auf den Weg: "Bist du nett zu ihm, ist er auch nett zu dir."

Steckt Leben in der Porzellan-Puppe?


Mit dem Verlassen der älteren Herrschaften beginnt dann das Abenteuer. Naiv wie sie ist, hält sie sich natürlich nicht an die Regeln, was sie dann auch bald zu spüren bekommt. Das alte Herrenhaus erwacht quasi zum Leben. Geräusche dringen durch die Wände, Getrappel ist auf den Fluren zu hören und sie bekommt seltsame Anrufe. Steckt doch Leben in der Puppe, oder scheint Greta auf einmal ihre Nerven zu verlieren. Bis auf dass die Puppe zu verschwinden und an anderer Stelle wieder aufzutauchen vermag, scheint sie sich jedenfalls nicht bewegen oder irgendwelche Emotionen zeigen zu können: immer nur dieser sture, durchdringende Blick der Puppe, der sich in die Seele des Zuschauers einbrennt.

Gespenstische Atmosphäre, wenige Schreckmomente


Die wahre Kraft des Films liegt nicht in irgendwelchen Schreckmomenten, obgleich diese durchaus vorkommen, sondern in der starken gespenstischen Grundstimmung, die sich durch den gesamten Film zieht. Immer wieder wartet der Zuschauer gespannt auf irgendwelche Regungen oder Emotionen der Puppe, um eben doch ein Anzeichen von Leben in deren Gesicht zu entdecken. Schade nur, dass der Film sein großartiges Potenzial nicht zu Ende führen kann und mit der schließlich überraschenden Wende in eine andere Horror-Nische abrutscht. Es bleibt nun abzuwarten, wie eine vermeintliche Fortsetzung, die das offene Ende durchaus versprechen könnte, gestaltet wird.

"The Boy" ist zurzeit im Cinestar Wolfenbüttel zu sehen.


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