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Flüchtlinge betreiben Demokratie und wählen Vertreter


In der Samtgemeinde Elm-Asse wurde ein Flüchtlingsrat gewählt. Foto: Samtgemeinde Elm-Asse
In der Samtgemeinde Elm-Asse wurde ein Flüchtlingsrat gewählt. Foto: Samtgemeinde Elm-Asse Foto: SG Elm Asse

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09.03.2017

Elm-Asse. Flüchtlinge aus der Samtgemeinde Elm-Asse haben nun einen eigenen Vertreter. Sie bestimmten in einer Wahl einen Flüchtlingsrat. Der sechsköpfige Rat soll sich nun mit den Interessen der Flüchtlinge in der Samtgemeinde auseinandersetzen.



"Zur Integration von Flüchtlingen gehört deren Anerkennung unserer Werte und unserer Demokratie‘‘, so werden häufig viele Politiker zitiert. Doch wie Menschen Demokratie beibringen, die in ihrer Heimat nie Demokratie oder freie Wahlen erlebt haben? Diese Frage stellte sich der Integrationsbeauftragte der Samtgemeinde Elm-Asse Florian Cacalowski. Seine Lösung war ebenso praktisch wie profan, er ließ die Flüchtlinge ihre eigenen Vertreter wählen und gründete einen Flüchtlingsrat.


Der Einladung zur Gründungsveranstaltung folgten am vergangen Donnerstag mehr als 50 geflüchtete Menschen aus der gesamten Samtgemeinde Elm-Asse. Die Wahl fand dabei bewusst im großen Saal des Schöppensteder Rathauses statt, in dem auch der Samtgemeinderat der Samtgemeine Elm-Asse tagt. Manche der Flüchtlinge aus elf verschiedenen Herkunftsländern hatten dabei das erste Mal in ihrem Leben die Möglichkeit, ihre Vertreter frei und geheim zu wählen. Einigen von ihnen mussten hierbei zunächst erklärt werden was ein Wahlzettel überhaupt bedeutet. Der neue Flüchtlingsrat hat mehrere Funktionen. Er soll den Menschen näher bringen wie Demokratie funktioniert. Am besten funktioniert das indem man sie selbst betreibt. Daneben sollen Integrationsprojekte auf eine breite Basis gestellt werden.Die Meinungen der Menschen, die sie betreffen, sollen mehr berücksichtigt werden, um hohe Teilnehmerzahlen und eine hohe Motivation sicherzustellen.

Auch Frauen sind im Flüchtlingsrat



Der Flüchtlingsrat der Samtgemeinde Elm-Asse. Foto: SG Elm Asse



Die Wahl an sich gestaltete sich zunächst problematisch, da die Flüchtlinge sich untereinander aufgrund verschiedener Sprachen nicht verständigen konnten. Wahlvorschläge von Menschen anderer Sprache waren damit schwierig. Aus der Versammlung wurde dann der Wunsch geäußert, dass jeder der Versammlungsteilnehmer Kandidaten ihrer Sprache vorschlagen könne, die dann durch alle gewählt werden. Dieses hätte den Vorteil, dass möglichst viele Menschen verschiedener Sprachen und Gruppen die Möglichkeit haben, vertreten zu sein. Dieser Vorschlag wurde von allen befürwortet und umgesetzt. Dass auch Frauen durchaus mitarbeiten dürfen und Demokratie und Frauenrechte durch Flüchtlinge anerkannt werden, zeigte das Wahlergebnis.

Von den sechs Plätzen im Flüchtlingsrat wurden drei durch Frauen, auf eigenen Wunsch der Versammlungsteilnehmer, besetzt. Zum Vorsitzenden wurde Nesar Barikzai aus Afghanistan gewählt. Er wird durch Maher Soukria aus Syrien, Mohamed Najiim aus Syrien für die kurdische Sprache, Ikhlass Babiker aus dem Sudan, Nazanin Mohamadi aus Afghanistan und Tatjana Mrkonjic aus Bosnien unterstützt. ,,Dieser Rat ist ein leuchtendes Beispiel dafür, dass Flüchtlinge unsere Demokratie und auch die Frauenrechte anerkennen. Die Integrationsarbeit von Flüchtlingen funktioniert aus meiner Sicht nur, wenn man auch die Menschen die es betrifft mitnimmt und so Projekte gemeinsam entwickelt. In diesem Rat arbeiten sechsMenschen verschiedener Nationen zusammen, deren Volksgruppen teilweise seit Jahrzehnten verfeindet sind.

Was könnte ein größeres Zeichen für Demokratie und Integration sein, als dieser Wahlabend und die Gründung dieses Rates." freute sich Florian Cacalowski nach der Wahl.


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