Für mehr Sicherheit im Cockpit: Neues Warnsystem in Braunschweig getestet

Piloten sollen künftig noch besser vor unsichtbaren Luftverwirbelungen hinter Flugzeugen gewarnt werden. Das DLR erprobt dafür ein System, das Live-Daten aus dem Flugverkehr nutzt und gezielt Ausweichmöglichkeiten vorschlägt.

Das DLR-Forschungsflugzeug ISTAR am Flughafen Braunschweig-Wolfsburg. ISTAR (In-flight Systems & Technology Airborne Research) ermöglicht den Betrieb experimenteller Software und Cockpitanzeigen unter praxisnahen Flugbedingungen. Die Experimente werden an Bord von Forschenden begleitet und anschließend die umfangreichen aufgezeichneten Daten wissenschaftlich ausgewertet.
Das DLR-Forschungsflugzeug ISTAR am Flughafen Braunschweig-Wolfsburg. ISTAR (In-flight Systems & Technology Airborne Research) ermöglicht den Betrieb experimenteller Software und Cockpitanzeigen unter praxisnahen Flugbedingungen. Die Experimente werden an Bord von Forschenden begleitet und anschließend die umfangreichen aufgezeichneten Daten wissenschaftlich ausgewertet. | Foto: DLR

Braunschweig. Forscher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Braunschweig haben ein neues Warnsystem für sogenannte Wirbelschleppen getestet – also starke Luftverwirbelungen, die hinter Flugzeugen entstehen. Dafür nutzten sie erstmals Live-Daten aus dem Linienflugverkehr. Ziel der Versuche sei es, Piloten künftig frühzeitig vor möglichen Turbulenzen zu warnen und Ausweichmöglichkeiten vorzuschlagen, heißt es in einer Mitteilung des DLR.



Wirbelschleppen entstehen, wenn ein Flugzeug Auftrieb erzeugt. Hinter dem Flugzeug bilden sich dabei zwei gegensätzlich rotierende Luftwirbel, die langsam absinken. Besonders bei großen Flugzeugen können diese Wirbel sehr stark sein und nachfolgende Maschinen beeinflussen. „Das Einfliegen in eine Wirbelschleppe kann plötzlich eine starke Reaktion beim Flugzeug auslösen“, erklärt André Koloschin vom DLR-Institut für Flugsystemtechnik. Deshalb halten Flugzeuge normalerweise große Sicherheitsabstände ein. Ein zusätzliches Warnsystem könnte das Situationsbewusstsein im Cockpit weiter verbessern.

Warnsystem soll Pilotinnen und Piloten unterstützen


Für die Entwicklung des Systems mit dem Namen WEAA (Wake Encounter Avoidance & Advisory) arbeiten mehrere DLR-Institute zusammen. Ein spezielles Modell sagt voraus, wie sich die Luftwirbel bewegen und wie stark sie sind. Grundlage dafür sind Wetterdaten sowie Informationen über den umgebenden Flugverkehr. Das System soll mögliche Konflikte erkennen und Pilotinnen und Piloten frühzeitig warnen.

Forschungsflugzeug fliegt gezielt in Wirbelschleppen


Um die Vorhersagen zu überprüfen, flog das DLR-Forschungsflugzeug ISTAR gezielt in solche Wirbel hinein. Damit die Forschenden die Wirbel erkennen konnten, fanden die Flüge unter Wetterbedingungen statt, bei denen Kondensstreifen entstehen. Diese werden in die Wirbel hineingezogen und machen sie sichtbar.

Aufwendige Versuche im realen Flugverkehr


Insgesamt absolvierte das Team fünf Testflüge und flog dabei rund 120-mal gezielt durch Wirbelschleppen. Während der Versuche arbeiteten Forschende, Flugsicherung und Piloten des Linienverkehrs eng zusammen. Die ersten Ergebnisse zeigen, dass die Vorhersagen des Systems weitgehend den Erwartungen entsprechen. Nun werden die gesammelten Daten genauer ausgewertet, um die Technologie weiter zu verbessern und langfristig im Flugverkehr einsetzen zu können.