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Fütterverbot wirkt: Taubenpopulation auch ohne Verhütungsmittel gesunken

von Christina Balder



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15.08.2014


Braunschweig. Ein paar von ihnen baden in den Brunnen an Dom und Rathaus, einige sitzen auf den letzten noch verbliebenen unverstachelten Mauerabsätzen, andere segeln auf dem Bohlweg im Tiefflug über Passanten hinweg. Tauben gehören zum Stadtbild, doch ihre Anzahl hat sich in den vergangenen zwanzig Jahren stark dezimiert. Allein durch das Fütterverbot ist die Zahl der Tauben innerhalb der Okerumflut von rund 3000 Tieren (1993) auf etwa 300 Tiere (2013) gesunken. Drastischere Maßnahmen sind hier nicht nötig. 

Kaum eine Stadt freut sich über massenweise Tauben auf ihren Regenrinnen, Mauersimsen und alten Gebäuden. Weniger, weil Passanten in dauerhafter Angst Kot auf dem Kopf haben, sondern vor allem aus finanzieller Sicht: der Kot der Tiere greift die Bausubstanz an, die Schäden an historischen Gebäuden wie Kirchen können richtig teuer werden. Mit Stacheln oder Netzen, sogenannten "Taubenvergrämungsmaßnahmen", versucht man die Vögel von solchen Sitzplätzen fern zu halten. Mancherorts ergänzt man derlei um Maßnahmen zur Familienplanung: Man mischt Verhütungsmittel ins Taubenfutter oder lässt die Tauben in städtischen Taubenschlägen brüten, um ihre Eier gegen Gipsattrappen auszutauschen.

Braunschweig beschränkt sich seit Jahren auf ein Verbot. Wer auf öffentlichen Flächen Tauben füttert und dabei vom Ordnungsdienst erwischt wird, kann je nach Einzelfall mit bis zu 5000 Euro Strafe rechnen. "Denn die unkontrollierte Vermehrung wildlebender Tauben im städtischen Bereich hat wegen der Verbreitung von Krankheitserregern und der Beeinträchtigung der Bausubstanz über den Kot der Tiere massive nachteilige Auswirkungen auf die öffentliche Sicherheit und Ordnung", sagt Rainer Keunecke, Pressesprecher der Stadt Braunschweig. 

Seitdem das Füttern verboten ist, hat sich die Zahl der Tauben auf ein Zehntel reduziert. "Die durch Tauben verursachten Schäden an städtischen Gebäuden sind mittlerweile relativ gering", sagt Keunecke. Die Ausgaben beschränkten sind im Wesentlichen auf die Unterhaltung der Vergrämungssysteme und liegen laut Keunecke bei etwas über 10.000 Euro pro Jahr.


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