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Gegen Online-Konkurrenz: Kann ein "Kiezkaufhaus" die Innenstadt retten?



Wolfsburg

Gegen Online-Konkurrenz: Kann ein "Kiezkaufhaus" die Innenstadt retten?

Die Grünen wollen einen von der Stadt getragenen Online-Marktplatz für lokale Händler, die ihre Ware umweltfreundlich ausliefern können.

von Alexander Dontscheff


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Archivbild Foto: regionalHeute.de

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Wolfsburg. Schon seit längerem geht vom Online-Handel eine Gefahr für die Innenstädte aus. Eine Entwicklung, die sich durch die Corona-Pandemie und den Lockdown drastisch verschärft hat. Um Amazon und Co. eine lokale und umweltfreundliche Alternative entgegen zu setzen, möchten die Grünen in Wolfsburg ein sogenanntes "Kiezkaufhaus" gründen. Mit einem entsprechenden Antrag beschäftigt sich der städtische Ausschuss für Stadtentwicklung, Stadtmarketing und Strategische Planung am heutigen Dienstag.



Laut Antrag der Grünen soll die Wolfsburger Wirtschafts- und Marketinggesellschaft (WMG) in Kooperation mit der Wolfsburger Beschäftigungsgesellschaft mit der Planung und Bereitstellung einer Online-Plattform für lokale Händler und der CO2-neutralen Lieferung von Waren in Mehrwegverpackungen als Teil der städtischen Infrastruktur beginnen. Als Beispiele werden Wiesbaden Bad Honnef genannt (www.kiezkaufhaus.de). Die Plattform solle als gemeinwohlorientierte Plattform von der Stadt als digitale Infrastruktur getragen werden.

Bequemlichkeit und Zeitmangel


Mehr als eine Million Pakete würden täglich in Deutschland retourniert, was zu zahllosen Lieferfahrzeugen auf den Straßen und dem entsprechenden CO2-Ausstoß führe, heißt es in der Begründung des Antrags. Der Preis sei oftmals nur ein Kriterium zur Entscheidung pro Onlinekauf – ebenso spielten die Bequemlichkeit der Konsumenten und ihr Mangel an freier Zeit eine große Rolle.


Mit einer lokalen Online-Plattform und wiederverwendbaren Verpackungen wollen die Grünen gleichzeitig die Verödung der Innenstadt verhindern und die Menge von Transporten und Verpackungen verringern. Außerdem würde man mit jeder Bestellung die lokale Wertschöpfung und den nachhaltigen Konsum unterstützen. Denn mit jedem Einkauf bei Händlern in Wolfsburg trage man dazu bei, dass die Vielfalt der Stadt erhalten bleibe und wieder wachsen könne. Gleichzeitig würden lokale Anbieter vernetzt und die Händler dabei unterstützt, ihre Produkte auch online verfügbar zu machen. Hier seien gegebenenfalls regionale Kooperationen mit der WMG, Volkswagen oder der Ostfalia zu suchen.

Durch die Verwendung von wiederverwendbaren Verpackungen entstehe ein weiterer Nachhaltigkeitsvorteil gegenüber dem konventionellen Onlineversandhandel. Durch die Auslieferung per Lastenfahrrad oder Elektrofahrzeug würde die Wolfsburger Luft verbessert.

Lieferung am selben Tag möglich


Der zum Beispiel durch die WBG (Wolfsburger Beschäftigungs gemeinnützige GmbH) zu betreibende Lieferservice könnte Menschen den Eintritt in den Arbeitsmarkt erleichtern und eine mittelfristige Perspektive bieten. Lokale Händler könnten durch die räumliche Nähe und den flexiblen Lieferdienst einen Service bieten, den überregionale Händler nicht bieten können. Eine Lieferung noch am selben Tag der Bestellung sei möglich, auch die Lieferung von frischen Lebensmitteln sei gerade in Zeiten wie diesen ein unschätzbarer Vorteil.


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