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Gemüsepflanzen aus dem Baumarkt: Gefährliche Pestizidbelastung?

In den Baumärkten werden viele Pflanzen schon mit Früchten verkauft. Doch diese gelten per Gesetz nicht als Lebensmittel, wie unser regionalHeute.de Gartennerd erfahren hat.

von Mario Walter


In vielen Baumärkten tragen die Pflanzen derzeit schon Früchte, doch wie genießbar sind diese eigentlich?
In vielen Baumärkten tragen die Pflanzen derzeit schon Früchte, doch wie genießbar sind diese eigentlich? Foto: privat

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02.06.2020

Der Verkauf von Gemüsepflanzen hat begonnen. Sollten Sie sich nicht die Mühe gemacht haben, Gemüsepflanzen selbst vorzuziehen, haben Sie jetzt die Möglichkeit, diese in einem Baumarkt oder auf dem Wochenmarkt zu erwerben.


Beim Kauf dieser Pflanzen ist Ihnen vielleicht aufgefallen, dass es Tomaten-, Paprika- und Chilipflanzen gibt, die schon mit Früchten verkauft werden. Manche dieser Früchte sind gerade erst aus der Blüte entstanden, andere sind schon reif, hängen also schon eine ganze Weile an der Pflanze.

Sie könnten also eine Pflanze kaufen und sofort nach der Pflanzung mit der Ernte beginnen. Doch sollte man diese Früchte eigentlich essen? Schließlich kommen sie ja von einem Erzeuger, dem es in erster Linie um die Pflanzen und nicht um die Früchte geht. Diese Frage habe ich zunächst dem Landesamt für Verbraucherschutz gestellt und erhielt folgende Antwort:

„Pflanzen vor der Ernte – und um solche handelt es sich bei den von Ihnen genannten Gemüsesetzlingen – gelten nach dem europäischen Lebensmittelrecht nicht als Lebensmittel (Artikel 2 der Verordnung (EG) 178/2002). Vom Anwendungsbereich der sogenannten Basisverordnung (EU VO 178/2002) ausgenommen ist die Primärproduktion für den privaten häuslichen Gebrauch oder die häusliche Verarbeitung, Handhabung oder Lagerung von Lebensmitteln.

Ihre Frage in Bezug auf die Erzeugung dieser Pflanzen fallen in den Zuständigkeitsbereich der Landwirtschaftskammer.“



Der regionalHeute.de Gartennerd Mario Walter verrät regelmäßig Tipps, Tricks und Wissenswertes rund um den heimischen Garten. Foto: Mario Walter



Die Pflanzen und auch die Früchte sind also nach dem Gesetz keine Lebensmittel. Dies bedeutet natürlich nicht, dass sie so behandelt werden, dass die Früchte nicht mehr genießbar sind. Doch wie sehr sich ein Erzeuger dazu verpflichtet fühlt, für die Qualität der Früchte zu sorgen, liegt eben in dessen Ermessen. Um die Fragen bezüglich der Qualität der Früchte besser beantworten zu können, fragte ich also bei der zuständigen Landwirtschaftskammer nach und erhielt eine Antwort von Pressesprecher Wolfgang Ehrecke:

„Herzlichen Dank für Ihre Fragen, die Sie allerdings eher den Baumärkten stellen sollten. (Gemüse-)Pflanzen werden in der Regel nach genauen Vorgaben der Handelsunternehmen hergestellt, auch was Düngung, Pflanzenschutz, Substrate anbelangt. Letztlich sollten auch die Handelsunternehmen etwas dazu sagen können, welche Regeln für den Verzehr gelten.“

Baumarktkette schweigt


Die Frage nach der Zuständigkeit ist also nicht leicht zu klären. Diese unklare Lage vermittelt leider den Eindruck, dass die Qualität dieser Früchte stark variieren kann und es somit nicht gesichert ist, dass diese die Qualität derer aus dem Supermarkt erreichen. Diskussionen über Schadstoffe in Gemüse und Obst scheinen diesen Bereich noch nicht erreicht zu haben. Einem Kunden, der diese Pflanzen kauft, kommt es jedoch gerade darauf an, vermeintlich schadstofffreies Gemüse in hoher Qualität zu ernten.

Eine große Baummarktkette, die ich um Antwort auf die Frage, ob die Früchte vom Verbraucher bedenkenlos zu verzehren sind, gebeten hatte, antwortete bis heute leider nicht.

Abschließend kann ich leider nur enttäuscht feststellen, dass Früchte, die schon im Baumarkt mit den Pflanzen mitgekauft werden, vorsorglich lieber entfernt werden sollten. Die Menge der Pestizidrückstände bleibt unkontrolliert und ob sich der Verbraucher auf die großen Hersteller verlassen kann, bleibt leider ungewiss.

Sie haben eine Frage an unseren Gartennerd oder wünschen sich von ihm ein besonderes Thema? Dann schreiben Sie eine E-Mail an gartennerd@regionalheute.de


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