Braunschweig. Viele Fragen zum geplanten interkommunalen Gewerbe- und Industriegebiet mussten Braunschweigs und Salzgitters Oberbürgermeister Ulrich Markurth und Frank Klingebiel am Montagabend in der Stadthalle beantworten. In einer Bürgerinformationsveranstaltung wurde die neue Machbarkeitsstudie vorgestellt. Im Podium hatten sich überwiegend Gegner des Projekts versammelt.
Zunächst stellten Markurth und Klingebiel - unterstützt auf Salzgitters Seite vonStadtrat MichaelTackeund Fachsbereichsleiter Jens Flügge, aus Braunschweig von Wirtschaftsdezernent Gerold Leppa und Fachbereichsleiter ThorstenWarnecke - die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie vor. Die Verwaltungschefs betonten, dass manauf Transparenz und Bürgerbeteiligung Wert lege. Diessei keine Show-Veranstaltung, bei der die Bagger schon in den Startlöchern stünden.
Noch nichts Konkretes geplant
Derzeit sei noch überhaupt nichts Konkretes geplant. Es gebe drei Grundvoraussetzungen, ohne deren Erfüllung eine Umsetzung des Projektes im Prinzip nicht in Frage käme. Dies seien die Aufhebung des Vorranggebietes für den Kiesabbau, die verlässliche Zusage von Fördermittel durch das Land in Höhe von 40 Prozent sowie der Bau eines neuen Autobahnanschlusses (finanziert zu 60 Prozent vom Bund) an die A 39, um die Verkehrsbelastung zu minimieren (regionalHeute.de berichtete).
Dauerbrenner: Atom-Betriebe und Haushaltsfrage
Doch Klingebiel und Markurth wurden nicht müde, die sich zum Teil auch wiederholenden Fragen zu beantworten. Sei es zum Ausschluss von Betrieben aus dem Bereich der Atomwirtschaft (soll durch die Kaufverträge mit den Unternehmenverhindert werden), sei es der Haushalt der hoch verschuldeten Stadt Salzgitter (geplant ist, für das Projekt eine neue Gesellschaft zu gründen, um die jeweiligen Haushalte nicht zu belasten).
Der Kripo-Chef meldete sich zu Wort
Die Liste der angesprochenen Detailfragen war lang. Braunschweigs Kripo-Chef Ulf Küch bemängelte etwa, dass es für den Bereich kein Sicherheitskonzept gebe. Zudem würden die Interessen der Bewohner der umliegenden Dörfer nicht berücksichtigt. Welchen Lärm- und Umweltbelästigungen diese während der Bauphase und später im Betrieb ausgesetzt sein werden, wolltenauch viele weitere Anwesendewissen. Auch wurde bemängelt, dass die Machbarkeitsstudie bei den Auswirkungen auf Flora und Fauna die Insekten nicht berücksichtigt. Immer wieder betonten die städtischen Vertreter, dass man erst am Anfang der Planungen sei.
Auch über die Wirtschaftlichkeit des Projektes wurden Fragen gestellt. So sei die nach dem vorgestellten Modell erzielte Rendite von 3 Prozent nach 20 Jahren wohl kaum der große Wurf. Man dürfe nicht nur betriebswirtschaftlich, sondern müsse volkswirtschaftlich denken, antwortete Gerold Leppa. Der Erhalt von Arbeitsplätzen sei mindestens genauso wichtig wie der finanzielle Ertrag. Darüber, dass die wirtschaftlichen Prognosen, die 30 Jahre und mehr in die Zukunft gehen, auf keinem besonders verlässlichen Fundament stehen, waren sich aber wohl die meisten einig.

Gerold Leppa (li.) und Jens Flügge berichteten von den wirtschaftlichen Aussichten. Foto: Dontscheff
Auch die Industrie werde sich verändern.In welche Richtung, könne man noch nicht genau sagen, aber man müsse ein Teil dieser Entwicklung sein, betonte Ulrich Markurth. Das neue Gewerbegebiet würde hierfür neue Optionen bieten, da es aktuell keine möglichen Standorte für Industrie mehr gebe und in Braunschweig auch die Gewerbegebiete belegt seien. Den Lauf der Zeit könne man nicht aufhalten, so Braunschweigs Oberbürgermeister. Mache man nichts, machten es halt die anderen.
Doch auch die Gegnerzogen ein leicht positives Fazit. Vor einem halben Jahr sei es aus ihrer Sicht seitens der Städte nicht mehr um das "ob" sondern nur noch um das "wie" gegangen. Das sei nun vom Tisch. Auch habe sich die Größe des favorisierten, geplanten Gebietes verringert.
[caption id="" align="aligncenter" width="1024"] Thorsten Warnecke (li.) und Michael Tacke stellten Details der Machbarkeitsstudie vor.[/caption]
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