Region. Steigende Gewalt gegen Mitarbeiter, zu viel Bürokratie und hohe Kosten: Die Krankenhäuser in Niedersachsen stehen unter enormem Druck. Das geht aus einer aktuell veröffentlichten Umfrage der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft (NKG) hervor. Sie nennt auch mögliche Auswege und Lösungen für die Probleme.
Drei von vier Krankenhäusern (75,2 Prozent) rechnen demnach mit einem negativen oder zumindest nicht positiven Jahresabschluss 2025. Rund drei Viertel (74 Prozent) der Kliniken sind nicht imstande, steigende Personal- und Sachkosten aus den regulären Erlösen der Patientenbehandlung zu finanzieren. Jedes dritte Krankenhaus (34 Prozent) erwartet im Jahr 2026 eine noch schlechtere wirtschaftliche Entwicklung.
Krankenhäuser in Niedersachsen in wirtschaftlicher Schieflage
„Es besteht kein Grund zur Entwarnung. Die wirtschaftliche Schieflage besteht für die überwiegende Mehrheit der Krankenhäuser in unverminderter Schärfe fort“, erklärt Rainer Rempe, Vorstandsvorsitzender der NKG.
Eine erhebliche Belastung für die Krankenhäuser ergebe sich zudem aus der steigenden Bürokratielast. Fast alle befragten Kliniken berichten von deutlich zunehmenden Dokumentations- und Nachweispflichten, die personelle Ressourcen binden und sich negativ auf die Versorgung der Patientinnen und Patienten auswirken.
„Der ökonomische und regulatorische Druck auf die Krankenhäuser nimmt entgegen allen politischen Versprechen weiter zu. In der Folge sind die Stabilität und Qualität der stationären Versorgung in Niedersachsen zunehmend gefährdet“, betont NKG-Verbandsdirektor Helge Engelke. Bürokratieabbau könnte die Krankenhaus-Mitarbeiter zielführend entlasten, so Engelke.
Gewalt gegen Krankenhaus-Mitarbeiter nimmt zu
Ein weiteres schwerwiegendes Problem: Gewalt gegenüber den Mitarbeitern in den Krankenhäusern nimmt zu. Der Umfrage zufolge ist in Niedersachsen ein Anstieg der Gewalt gegen Klinikpersonal zu verzeichnen. 72 Prozent der von der NKG befragten Krankenhäuser berichten von einem „deutlichen“ (26 Prozent) oder „mäßigen“ (46 Prozent) Anstieg der verbalen oder körperlichen Übergriffe gegen ihre Beschäftigten in den vergangenen fünf Jahren. Kein Krankenhaus verzeichne einen Rückgang gewalttätiger Übergriffe.
Die Kliniken reagieren auf die zunehmende Gewalt mit Präventionsmaßnahmen wie beispielsweise Deeskalationstrainings für Mitarbeiter. Von der Politik fordern die Krankenhäuser laut NKG unterstützende Maßnahmen, die von der Finanzierung von Trainings- und Schulungsangeboten über Sicherheits- und Überwachungstechnik bis hin zu härteren rechtlichen Konsequenzen für Gewalttäter reichen.
„Gewalt gegen Krankenhauspersonal darf nicht toleriert werden. Betroffene und Kliniken dürfen mit dem Problem zunehmender Übergriffe nicht allein gelassen werden“, fordert Engelke.
Die Umfrage der NKG hat im August und September 2025 stattgefunden. An der Befragung haben 130 der zum Zeitpunkt der Umfrage 161 zugelassenen Krankenhäuser in Niedersachsen teilgenommen.

