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Gibt es in Braunschweig bald eine „Christoph-Schlingensief-Straße“?



Braunschweig

Gibt es in Braunschweig bald eine „Christoph-Schlingensief-Straße“?

Die Fraktion P² möchte den Teil der Boeselagerstraße an der Landesaufnahmebehörde umbenennen. Die Verwaltung sieht das Vorhaben kritisch.

von Alexander Dontscheff


Christoph Schlingensief war einige Jahre Professor an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig.
Christoph Schlingensief war einige Jahre Professor an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig. Foto: imago images / SKATA

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Braunschweig. Gibt es in Braunschweig bald eine „Christoph-Schlingensief-Straße“? Wenn es nach der Fraktion P² im Rat der Stadt geht, heißt die Antwort "ja". Ihr Vorschlag lautet, das Teilstückes der Boeselagerstraße an der Landesaufnahmebehörde entsprechend umzubenennen. Allerdings hat die Entscheidungskompetenz der Stadtbezirksrat Schunteraue, in dem P² nicht vertreten ist. Daher will man nun in Form eines Ratsbeschlusses, das Gremium bitten, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Die Verwaltung sieht das Vorhaben skeptisch.



Die Fraktion P² sieht ein Problem mit dem Namen "Boeselagerstraße", den man offenbar als "böses Lager" missdeuten könnte. Den Geflüchteten, die dort ihre neue Unterkunft haben, sei nicht zu vermitteln, warum ihre erste Bleibe in Sicherheit diesen Namen trage, heißt es in der Begründung des Antrags. "Niemand möchte in einem Lager wohnen – schon gar nicht in einem Boeselager – auch nicht, wenn nur die Straße so heißt. Nicht nur Menschen ohne oder mit wenig deutschen Sprachkenntnissen sind irritiert von dem Namen. Und auf die Erklärungstafeln schauen nur diejenigen, die direkt vor Ort sind und diese Schrift auch lesen können", so P².

Professor an der HBK


Der Vorschlag, mit dem sich der Stadtbezirksrat beschäftigen solle, sehe vor, dass zumindest der Straßenbereich an der Landesaufnahmebehörde umbenannt werden könnte in „Christoph-Schlingensief-Straße“. Dieser sei einige Jahre Professor an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig (HBK) gewesen. 2006 sei er zum Gastprofessor an die Hochschule berufen. Drei Jahre später berief ihn der niedersächsische Kulturminister Lutz Stratmann auf die ordentliche Professur an die HBK. Hier leitete er den Lehrstuhl "Kunst in Aktion". Bekannt wurde der 2010 verstorbene Schlingensief durch seine Arbeiten als Aktionskünstler, Autor, Filmemacher und Theaterregisseur. Er habe auch politisch auf sich aufmerksam machen können und habe sich für das immer noch laufende Projekt „Operndorf in Afrika" eingesetzt.

Umbenennung eines Teilstücks nicht möglich


Aus Sicht der Verwaltung seien dagegen keine der zwingend erforderlichen Umbenennungsvoraussetzungen (etwa Orientierungsverwirrung oder anstößiger/unzumutbarer Name) erfüllt, die in den städtischen ‚Grundsätze zur Neu- und Umbenennung von Straßen, Wegen und Plätzen‘ aufgeführt sind. Einerseits sei die Namensgebung eindeutig auf eine Persönlichkeit bezogen. Mit dem Namensgeber Georg Freiherr von Boeselager wurde ein Vertreter des Widerstands gegen das nationalsozialistische Regime geehrt. Andererseits habe erst im Jahr 2012 eine Neuordnung der Straßennamen im Bereich Kralenriede-Ost im Zusammenhang mit dem gleichnamigen Gewerbegebiet stattgefunden, bei der unter anderem auch die Boeselagerstraße betroffen gewesen sei. Ein Herausschneiden nur eines Teilstücks der Boeselagerstraße würde die Orientierung erheblich beeinträchtigen und sei deshalb nicht zulässig. Bei einer Komplettumbenennung der Straße wären sehr viele Anlieger inklusive verschiedener Gewerbebetriebe, eines Seniorenstifts und der LAB betroffen. Die privaten und gewerblichen Belange der Anlieger seien im Rahmen jeder Umbenennung gegenüber den öffentlichen Belangen abzuwägen. Eine Umbenennung wäre aus den dargelegten Gründen rechtlich angreifbar.


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