Gifhorn. Das Mühlenmuseum war lange Zeit das Aushängeschild der Stadt Gifhorn. Doch Ende letzten Jahres kam es knüppeldick. Zunächst stellte der Bund der Steuerzahler Strafanzeige gegen die Stadt aufgrund öffentlich gewordener Vorwürfe im Zusammenhang mit Erwerb, Instandsetzung und Betrieb des Mühlenmuseums. Kurz danach musste die Betreibergesellschaft Insolvenz anmelden.
Da das Thema die Stadt wohl noch eine Weile beschäftigen wird, wurde sogar ein regelmäßig tagender Ausschuss in den politischen Gremien geschaffen. Und im Rahmen der nächsten Sitzung am 8. April kommt nun die nächste Hiobsbotschaft auf den Tisch. Die bauliche Substanz des Museums erfordert dringende Maßnahmen. Die nicht unerheblichen Kosten soll die Stadt tragen.
Stark fortgeschrittener Verschleiß
Im Mühlenmuseum bestehe ein erheblicher Instandhaltungs- und Instandsetzungsbedarf, heißt es in der Vorlage. Mehrere bauliche Anlagen und konstruktive Elemente würden einen stark fortgeschrittenen Verschleiß aufweisen. Ohne zeitnahes Handeln sei mit weiterem Substanzverlust und damit verbundenen, deutlich höheren Folgekosten zu rechnen, so die Stadtverwaltung. Der Umfang der Schäden sei das Ergebnis eines langjährigen Verschleißprozesses. Die Lebensdauer einzelner Bauteile beziehungsweise Materialien sei ausgeschöpft, sodass ein vollständiger oder teilweiser Ersatz erforderlich werde.

Zwei Beispiele der dokumetierten Schäden: Holzwurmschäden an tragenden Bauteilen der Bockwindmühle Viktoria (li.) und die desolate Dacheindeckung und abstehende Nägel am Tor des Nebeneingangs. Foto: Stadt Gifhorn
Der Erhalt der Bausubstanz liege im öffentlichen Interesse und damit in der Verantwortung der Stadt als Eigentümerin. Zur Sicherung des baulichen Bestands und zur Vermeidung einer kostenintensiven Schadensausweitung sei ein kurzfristiges Eingreifen der Stadt Gifhorn erforderlich.
280.000 Euro einsetzen
Im Beschlussvorschlag der Verwaltung heißt es daher: "Die Verwaltung wird beauftragt, abweichend vom Betreibervertrag die im Haushaltsplan 2026 für die Bauunterhaltung des Mühlenmuseums und den Parkplatz Bromer Straße bereitgestellten Haushaltsmittel in Höhe von 280.000 Euro zur Durchführung dringend erforderlicher Bauunterhaltungstätigkeiten einzusetzen." Über den Antrag entscheidet der Rat der Stadt in seiner nächsten Sitzung.
Gemäß Betreibervertrag wäre eigentlich der Betreiber für die laufende Instandhaltung zuständig. Aufgrund des aktuell laufenden Insolvenzverfahrens, das Ende Februar eröffnet wurde, sei jedoch davon auszugehen, dass der Betreiber keine finanziellen Mittel für die Instandhaltung der Gebäude bereitstellen kann. Daher müsse die Stadt Gifhorn in die Bresche springen.

