Glasfaserstörung wird zum Krimi: Zerreißprobe für Kunden und Betreiber

Störungen bei der Internetversorgung sind immer ärgerlich. Was allerdings in Salzgitter-Lesse passiert ist, grenzt an einen Krimi.

von Alexander Panknin


Aktuell liegt die Glasfaserleitung "provisorisch" unter offenem Himmel.
Aktuell liegt die Glasfaserleitung "provisorisch" unter offenem Himmel. Foto: Rudolf Karliczek

Salzgitter. Rund 230 Privathaushalte in Salzgitter-Lesse wurden in den vergangenen Tagen ins letzte Jahrtausend zurückgeschleudert. Das Internet fiel aus oder lief nur mit erheblichen Einschränkungen. Unbefriedigt von den bisherigen Bemühungen richteten sich die Betroffenen mit einem offenen Brief an den Betreiber Deutsche Glasfaser. Doch was dieser ebenfalls schon durchmachen musste, das erfuhr regionalHeute.de in einem ausführlichen Telefonat.



Seit Mitte November gab es immer wieder Probleme beim Internet, so beklagen die betroffenen Einwohner aus Lesse - aber auch der Betreiber. Vom 17. bis 21. November gab es einen Totalausfall, ebenso vom 25. bis 26. November und dann am 27. November. Doch was war geschehen?

Leitung durchtrennt


Wie Deutsche Glasfaser berichtete, sei das ursprüngliche Problem bei Tiefbauarbeiten eines Dritten (Avacon Connect baut aktuell auch eine Glasfaseranbindung für Lesse) entstanden. Hierbei sei die Glasfaserleitung des Betreibers durchtrennt worden. Noch am selben Tag sei ein Entstör-Trupp nach Lesse geschickt worden. Auch wenn das Wetter an diesem Tag die Lokalisierung des Schadens nicht einfach gemacht hätte, sei man letztlich fündig geworden. Es sei herausgekommen, dass der Schaden doch größer ausfallen würde als erwartet. Mehrere Suchschachtungen seien zwischenzeitlich erfolgt, bis man sich dann dazu entschlossen hätte, ein Provisorium zu verlegen. Dafür wurde ein überirdischer Glasfaserstrang verlegt und mit Muffen an das bestehende Leitungssystem angekoppelt.

Dies sei als schnelle Lösung gedacht gewesen, um die Kunden schnell wieder ans Netz zu bekommen, wie der Betreiber berichtete. Der Plan sei auch zunächst aufgegangen, doch nun habe sich eine Verkettung sehr ungünstiger weiterer Umstände ergeben. Eigentlich sei es üblich, dass solche Schäden innerhalb von drei bis vier Wochen komplett behoben werden könnten. Dazu müsste man sich eine Genehmigung der Gemeinde einholen, um die Schachtarbeiten durchzuführen. Danach könnte man normalerweise das Provisorium wieder zurückbauen und den ursprünglichen Zustand herstellen.

Doch es kam anders


Wie der Betreiber berichtete, sei es in diesem Fall aber nicht glatt gelaufen. So sei es in den Folgetagen immer wieder zu Problemen gekommen. Einmal sei ein Fahrzeug der zuvor benannten Baustelle über die Leitung gefahren, an einem anderen Tag hätte ein Auto über der Leitung geparkt und eine Sichtung unmöglich gemacht. Hier hätte man die Polizei hinzuziehen müssen, um den Halter ausfindig zu machen.

Später seien die bereits erwähnten Anschlussmuffen gestohlen worden. Auch hier habe man die Polizei hinzuziehen müssen. Danach sei das Provisorium sogar direkt beschädigt worden: Mit einem "sauberen Schnitt" sei die Leitung offensichtlich durchtrennt worden. Die Polizei ermittelt auch hier.

Was sich wie ein Krimi anhört, ist tatsächlich ein Sonderfall. In der Regel seien solche Fehler leicht zu beheben - hier habe es allerdings eine sehr ungünstige Verkettung von Problemen gegeben, wie der Betreiber bedauert. Dennoch seien mittlerweile wieder alle Kunden am Netz. Die polizeilichen Ermittlungen würden weiterlaufen. Wenn nun alles nach Plan läuft, soll die komplette Wiederherstellung innerhalb der nächsten Wochen abgeschlossen sein.

Über aktuelle Störungen könnten sich Kunden zudem immer auf der Internetseite der Betreiber informieren, hier: https://www.deutsche-glasfaser.de/service/stoerungen-und-wartung/


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