Fünfte Integrationskonferenz - Eingliederung Geflüchteter positiv


Konzentriert ging es in den Arbeitsgruppen zu. Das Programm, das die Teilnehmer am Nachmittag durchliefen, war sehr arbeitsintensiv.
Foto: Landkreis Goslar
Konzentriert ging es in den Arbeitsgruppen zu. Das Programm, das die Teilnehmer am Nachmittag durchliefen, war sehr arbeitsintensiv. Foto: Landkreis Goslar

Goslar. Die praktische Umsetzung der Integrationsleitlinien, die der Landkreis gemeinsam mit zahlreichen Akteurinnen und Akteuren aus allen gesellschaftlichen Bereichen im Rahmen des Programms der Robert-Bosch-Stiftung „Land.Zuhause.Zukunft“ in den vergangenen Monaten erarbeitet hat, stand am Freitag (8. November) im Mittelpunkt der 5. Integrationskonferenz des Landkreises Goslar. Dies berichtet der Landkreis Goslar.


Im Kern gingen die rund 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Konferenz drei Fragestellungen nach: Was und wo läuft es gut in der Integrationsarbeit? Wo besteht Handlungsbedarf? Und mit welchen Projekten kann der identifizierte Handlungsbedarf erfüllt werden?
Landrat Thomas Brych nutzte seine Begrüßung um auf das bisher Erreichte zurückzublicken. Dabei startete er bei der ersten Integrationskonferenz im Herbst 2015 und erinnerte im weiteren Verlauf unter anderem an die Eröffnung und Arbeit im Integrationszentrum sowie das Engagement zahlreicher Bürgerinnen und Bürger. „Die enorme Zuwanderung in den Jahren 2015 und 2016 haben wir trotz vieler Herausforderungen vor allem deshalb so gut organisieren können, weil wir dank des großen Engagements von so vielen hilfsbereiten Bürgerinnen und Bürgern landkreisweit Netzwerke etablieren konnten, die bis heute wirken. Das ist eine wichtige Voraussetzung für erfolgreiche Integrationsarbeit“, zog Landrat Brych eine kurze Bilanz.
Im weiteren Verlauf der Konferenz ging Moderatorin Britta Weber (Leiterin des Fachdienstes „Allgemeine soziale Hilfen / Migrationsdienste“ beim Landkreis Goslar) den dreistufigen Fragenkatalog mit den Teilnehmenden durch.

Schon bei der ersten Frage „Was und wo läuft es gut“ bestätigten sich die Aussagen des Landrats, dass die Integrationsarbeit im Landkreis Goslar grundsätzlich auf einem stabilen Fundament steht. So berichtete beispielsweise Andreas Dolle, Leiter des Goslarer Jobcenters, von sichtbaren Erfolgen auf dem Arbeitsmarkt. Von 2017 bis heute konnten rund 570 geflüchtete Menschen in Jobs vermittelt werden. Dolle räumte aber auch ein, dass es nicht nur Licht, sondern auch Schatten gibt: „Die Geflüchteten lassen sich leider nur sehr selten für Qualifizierungsangebote begeistern, was dazu führt, dass die Vermittelbarkeit an Grenzen stößt. Daran müssen wir arbeiten.“

"Spezielle Arbeitsgruppe für Flüchtlinge"


Bei der Betreuung der Kunden mit Migrationshintergrund durch das Jobcenter wird es laut Dolle deshalb auch zeitnah Veränderungen geben. Bis dato kümmert sich eine gezielt für diesen Zweck eingerichtete Arbeitsgruppe um die Flüchtlinge. Ab Mitte November soll die Betreuung dezentral in den Geschäftsstellen erfolgen. Somit wird eine bessere Erreichbarkeit sichergestellt.
Lob gab es grundsätzlich für die hervorragende Netzwerkarbeit und die zahlreichen Angebote für Geflüchtete im gesamten Kreisgebiet.
Bei der zweiten Fragestellung wurden indes auch kritische Stimmen laut. Unter anderem forderten die Teilnehmenden eine Ausweitung des Sprachkursangebotes. Vor allem ausbildungs- und berufsbegleitende Sprachkurse sowie Angebote für Frauen mit Kindern würden dringend benötigt. Darüber hinaus müsse die Zahl der Sprachmittler erhöht werden, und dabei auch ganz gezielt die Zahl der weiblichen.
Und auch der Wirkungsgrad der Integrationsarbeit, so ein weiterer Wunsch, solle künftig durch die Erhebung geeigneter Kennzahlen sichtbar gemacht werden, damit beispielsweise ermittelt werden könne, wer noch keinen Sprachkurs besucht hat. Die Umsetzung dieser Forderung stößt jedoch an Grenzen, da unter anderem datenschutzrechtliche Aspekte beachtet werden müssen.
Die Konzeption konkreter Projekte wurde schließlich im Zuge der dritten Fragestellung thematisiert, wobei die Integrationskonferenz dabei zunächst als Impulsgeber diente. Die Ausarbeitung einzelner Projekte soll in den kommenden Monaten von so genannten „Fokusgruppen“ übernommen werden. Diese werden sich den sechs definierten Themenfeldern „Gesundheit“, „Ehrenamt & Zivilgesellschaft“, „Leben & Wohnen vor Ort“, „Empowerment“, „Arbeitswelt & Wirtschaft“ sowie „Bildung & Sprache“ widmen.

"Skizzierung möglicher Maßnahmen"


Frank Dreßler, Leiter des Fachbereichs Familie, Jugend und Soziales beim Landkreis Goslar, nutzte die Gelegenheit um zwei mögliche Maßnahmen zu skizzieren. Mit der Stiftung Neuerkerode, so Dreßler, wurde vor kurzem ein Projekt gestartet, das alleinerziehenden Müttern eine berufliche Perspektive im Bereich der Pflegeberufe ermöglichen soll, Kinderbetreuung inklusive. Dreßler regte an, dieses Projekt nach Möglichkeit auch für Migrantinnen und Migranten zu öffnen, zumal eine ähnlich gelagerte Maßnahme, ebenfalls in Kooperation mit der Stiftung Neuerkerode, ausgesprochen erfolgreich war.
Darüber hinaus berichtete Dreßler von Planungen eines gezielten Quartiermanagements im Goslarer Stadtteil Oker, das auf einem Förderprogramm des Bundes fußen soll. Ob das Programm mit dem Titel „Akti(F)“ aber auch tatsächlich in die Tat umgesetzt werden kann, hängt gegenwärtig noch davon ab, ob der Landkreis überhaupt den Zuschlag für die Teilnahme erhält. Aktuell befindet sich die Kreisverwaltung im Interessenbekundungsverfahren. Die Bewilligung der Mittel vorausgesetzt, soll das Programm Menschen – unabhängig von ihrer Herkunft – vor Armut und gesellschaftlicher Ausgrenzung bewahren. „Im Integrationszentrum“, so Dreßler, „hatten wir den direkten Zugriff und konnten unsere Angebote gezielt an den Mann oder die Frau bringen. Nun sind der Erreichbarkeit Grenzen gesetzt. Ich denke aber, dass wir hier mit aufsuchender Sozial- und Flüchtlingsarbeit im Quartier wichtige Fortschritte erreichen können.“
Landrat Thomas Brych bewertete die fünfte Integrationskonferenz am Ende als einen Erfolg. „Ich erachte es als wichtig, dass die Akteurinnen und Akteure aus den Bereich der Integration und Flüchtlingshilfe – ganz gleich ob haupt- oder ehrenamtlich – eine Plattform zum Austausch benötigen. Die Integrationskonferenz bietet dafür den idealen Rahmen“, so Brych.


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