Goslar. Die international renommierte Künstlerin Gabriele Stötzer wurde am heutigen Sonntag in der Kaiserpfalz während einer Sondersitzung des Rates der Stadt Goslar von Oberbürgermeisterin Urte Schwerdtner mit dem Kaiserring der Stadt Goslar 2026 ausgezeichnet.
„Mit Gabriele Stötzer zeichnen wir heute die dritte Frau hintereinander aus. Sie ist eine Künstlerin, die auf eindrucksvolle Weise zeigt, wie Kunst zu einem Ausdruck von Freiheit, Selbstbestimmung und gesellschaftlicher Verantwortung werden kann. Ihre Arbeiten sind vielschichtig und kompromisslos – sie erzählen von persönlichen Erfahrungen, von Widerstand und vom Mut, den eigenen Weg zu gehen“, so die Oberbürgermeisterin.
Eine Vorreiterin des nonkonformen künstlerischen Arbeitens
Als Laudatorin würdigte Dr. Florence Thurmes Gabriele Stötzer als „eine wichtige Persönlichkeit“, die durch ihre „Vorreiterrolle im Bereich des nonkonformen und künstlerisch-aktivistischen Arbeitens“ zu einem Vorbild für jüngere Künstlerinnen und Künstler geworden ist. Ihr Werk stehe für ein „kompromissloses, experimentelles, hochqualitatives Œuvre“ und für eine wegweisende Praxis der Vernetzung und Kollaboration.
Stötzer habe sich früh mit Machtverhältnissen, insbesondere jene, die in der Zeit der DDR vorherrschten, Rollenbildern und gesellschaftlichen Grenzen auseinandergesetzt. Ihre Arbeiten seien dabei „wie ein Seismograph“, der die eigene Zeit, ihre „Missstände, Utopie und patriarchalen Züge“ einfängt, dokumentiert und hinterfragt, so Thurmes. Und weiter: Im Zentrum ihrer Kunst stehe die Suche nach Wahrhaftigkeit: „Es muss immer Wahrhaftigkeit in den Werken sein.“
„Ihre Intensität, ihre Kraft und Unermüdlichkeit waren und sind visionär“
Stötzers Werke stellen kompromissloses Arbeiten trotz politischer Zwänge dar. „Ihre Intensität, ihre Kraft und Unermüdlichkeit waren und sind visionär in einer von Rigidität geprägten Zeit. Auch heute noch beeindruckt ihr Werk durch das Unverfälschte, das Direkte und das Provozierende. Gerade in einer Zeit, in der sowohl die Kunstfreiheit vermehrt wieder unter Druck geraten ist, als auch die künstlerische Provokation in Grenzen gewiesen wird, können wir von der Stärke Stötzers lernen.“
Ein Glückwunschschreiben hat Gabriele Stötzer auch von Bundeskanzler Friedrich Merz erhalten. Darin attestiert Merz der Kaiserring-Preisträgerin eine unverwechselbare künstlerische Sprache und ein beharrliches Eintreten für künstlerische Freiheit. „Beides macht Ihr Schaffen zu einer herausragenden Position der Gegenwartskunst und zugleich zu einem wichtigen Zeugnis deutscher Zeitgeschichte.“
Er hob zudem Stötzers vielseitiges künstlerisches Werk, das sich auf eindringliche Weise mit Fragen von Freiheit, Identität und Selbstbestimmung auseinandersetzt, hervor: „Sie verbinden dabei persönliche Erfahrung mit dem wachen Blick auf konkrete politische und gesellschaftliche Verhältnisse.“
Gabriele Stötzer: „The show must go on!“
Gabriele Stötzer dankte der Stadt Goslar sehr authentisch für die Ehrung: „Ich habe keine perfekte Rede vorbereitet. Ich wollte erst einmal alles spüren und sehen. Aber was heißt sehen? Ich versuche, euch alle zu sehen. Ihr denkt immer, ihr seht mich – ich sehe euch aber auch. Ich bin die erste Frau aus der ehemaligen DDR, die den Kaiserring bekommt – und man darf keine Angst haben. Überall sind es Menschen: im Norden, Süden, Westen und Osten. Was ich euch mit auf den Weg geben möchte: Es ist unsere Zeit. Und es liegt an uns, was wir daraus machen. The show must go on!“
Die Verleihung wurde auf Wunsch der Preisträgerin musikalisch vom Ensemble für intuitive Musik Weimar (EFIM) feat. Natascha Nikeprelevic untermalt.
Der Kaiserring als Bekenntnis zur Freiheit der Kunst
Der Kaiserring zählt seit langem zu den bedeutendsten Kunstpreisen der Gegenwart in Deutschland und hat auch international eine besondere Stellung erlangt“, betonte Oberbürgermeisterin Urte Schwerdtner im Laufe der Veranstaltung. „Die Förderung der Kultur ist uns ein großes Anliegen. Seit 1975 ermöglicht die Stadt Goslar die Vergabe des Kaiserrings und bekennt sich auch in Zukunft klar zu diesem Kunstpreis. als klares Bekenntnis zur Freiheit der Kunst, zur Förderung zeitgenössischer Kultur und zu einem Preis, der weit über die Grenzen unserer Stadt hinausstrahlt“, so Schwerdtner weiter.
2026 geht die Auszeichnung an eine Künstlerin, die seit den frühen 1980er-Jahren als eine der namhaftesten und wichtigsten Künstlerinnen gilt. Die Kaiserring-Jury entschied sich bereits im vergangenen Jahr für Gabriele Stötzer. Die Künstlerin stehe mit ihrem Werk für künstlerische Freiheit, Nonkonformität und den mutigen Widerstand gegen gesellschaftliche und politische Grenzen. „Wichtige Aspekte ihrer frühen Arbeiten (wie das Gegenüberstellen des Individuums und der Masse) gewinnen heute wieder an Brisanz und verleihen ihrem Werk erneut eine ganz eigene Aktualität“, hieß es seinerzeit in der Begründung.
Ausstellung im Mönchehaus Museum bis Januar 2027
Das Mönchehaus Museum Goslar präsentiert bis zum 31. Januar 2027 die mit dem Preis verbundene Ausstellung „Gabriele Stötzer – VERbunden – Kaisering der Stadt Goslar 2026“, die von der Künstlerin in enger Zusammenarbeit mit der Direktorin des Mönchehaus Museums, Miriam Bettin, kuratiert und konzipiert wurde.


