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Goslarer Weihnachtsmarkt fällt aus - Stadt verkündet "schwere Entscheidung"

Aufgrund der aktuellen Lage rund um die Ausbreitung des Coronavirus habe man keine andere Option.

von Marvin König


In diesem Jahr wird alles anders. (Archivbild)
In diesem Jahr wird alles anders. (Archivbild) Foto: regionalHeute.de

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28.10.2020

Goslar. Er fand sich stets in den Top-10-Listen der schönsten Weihnachtsmärkte Deutschlands wieder und lockte Besucher über die Grenzen der Region hinaus in die Kaiserstadt. Nun steht fest: Weihnachtsmarkt und Weihnachtswald werden in diesem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie ersatzlos ausfallen. Dies gab die Goslar Marketing GmbH bei einem Pressetermin am heutigen Mittwoch bekannt.



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"Wir können das nicht verantworten. Wir brauchen keine 100.000 Extra für die Sicherheit, wir brauchen keine Infrastruktur für irgendeine dezentrale Bude. Es ist eine Frage der Verantwortung. Wir müssen aktuell nicht versuchen noch ein bisschen Umsatz mehr für Hotel oder Einzelhandel zu organisieren, wir müssen aufpassen, dass das Gesundheitssystem weiter funktioniert. Dass unsere Schulen und Kindergärten und unsere öffentliche Ordnung weiter funktionieren", stellt Oberbürgermeister Oliver Junk unmissverständlich klar und schlussfolgert: "Wenn das alles wieder runtergefahren werden muss, dann haben wir größere volkswirtschaftliche Einbrüche."

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Die Entscheidung sei mit allen sorgfältig abgewägt und abgestimmt worden. "Wir haben daher in der letzten Woche einen Gesprächstermin gemeinsam mit dem Landkreis, dem Gesundheitsamt und der Stadt Goslar gehabt, wo wir nochmal ganz konkret die Rahmenbedingungen fokussiert haben und vor dem Hintergrund des steigenden Infektionsgeschehens entscheiden mussten, dass wir unter den aktuellen Rahmenbedingungen keinen Weihnachtsmarkt durchführen können", berichtet Marina Vetter, Geschäftsführerin der Goslar Marketing GmbH.


Marina Vetter, Geschäftsführerin der Goslar Stadtmarketing GmbH berichtet im Podcast über die Gründe für die Absage von Weihnachtsmarkt und Weihnachtswald in Goslar. Podcast: Marvin König Foto: Marvin König




Schaustellervertreter tragen Entscheidung mit


Die Entscheidung gegen den Weihnachtsmarkt sei nicht über die Köpfe der bereits durch die Corona-Krise schwer gebeutelten Schausteller getroffen worden: "Zu fast jeder Zeit waren wir im Austausch mit unseren Bewerbern. Es gab zwischendurch E-Mails zum aktuellen Stand der Planungen", erläutert die Stadtmarketing-Geschäftsführerin und geht ins Detail: "Wir hatten in der letzten Woche dann eine Sonderaufsichtsratssitzung, wo Vertreter der Schausteller und der Gastronomen dabei saßen. Und wir haben ganz konkret natürlich auch die Frage gestellt: 'Können sich diese Partner die Rahmenbedingungen, unter denen wir in dem Moment noch einen Weihnachtsmarkt hätten durchführen können wollen, auch vorstellen'. Und da gab es ganz klare Aussagen, dass es unter diesen Rahmenbedingungen in keinem wirtschaftlichen Verhältnis mehr steht und haben da auch die Signale bekommen, dass man dann nicht zur Verfügung stehen würde." Alle Bewerber wurden noch vor dem Pressetermin per Mail über die Entscheidung informiert. Man wollte nicht, dass die Beteiligten es aus der Presse erfahren.

Keine Weihnachtsmärkte in der ganzen Region?



Oberbürgermeister Dr. Oliver Junk sprach beim Pressetermin am heutigen Mittwoch Klartext. Foto: Marvin König



"Die Stadt Goslar hat mit dem Thema Weihnachtsmarkt und Weihnachtswald über Jahre eine so starke Marke aufgebaut, die hat keinen Kratzer. Ich möchte hier so ein Ischgl-Thema nicht haben!"

- Dr. Oliver Junk, Oberbürgermeister der Stadt Goslar



Bis zuletzt sei man auch nach der dezentralen Durchführung der Kaisermeile optimistisch gewesen, einen Weihnachtsmarkt durchführen zu können. Ein "weihnachtliches Goslar", wie Oberbürgermeister Junk es im Pressegespräch nennt. Nun ist Junk überzeugt, dass es in der ganzen Umgebung keinen Weihnachtsmarkt geben wird, auch nicht über die Landkreisgrenzen hinweg: "Die werden das Thema genauso wenig verantworten wie wir. Es geht nicht." Was mich immer bewegt hat, die Stadt Goslar hat mit dem Thema Weihnachtsmarkt und Weihnachtswald über Jahre eine so starke Marke aufgebaut, die hat keinen Kratzer. Ich möchte hier so ein Ischgl-Thema nicht haben!" Der Ski-Ort Ischgl in Österreich wurde im März 2020 als Corona-Hotspot bekannt. Grund waren damals Veranstaltungen mit vielen Menschen und Verzögerungen bei den Entscheidungen der lokalen Verantwortlichen. Junk erstickte damit alle Hoffnung im Keim, dass es noch einen Rücktritt von dieser Entscheidung geben könnte. Das würde es erst im nächsten Jahr wieder geben. "Und wenn die Zahlen noch weiter hochgehen, dann fahren wir auch den ganzen Gastronomiebereich runter", so Junk.

Goslar litt weniger als die Umgebung



"Goslar konnte insgesamt punkten in der Kombination aus Kultur und Natur. Jetzt im Oktober haben wir die Zahlen vom gesamten Monat Oktober im Vorjahr bereits überschritten."

- Marina Vetter, Geschäftsführerin der Goslar Marketing GmbH (GMG)



"Die Aussage aus dem März April: 'Wenn es den Weihnachtsmarkt nicht gibt, können wir dicht machen" kann nicht mehr aufrechterhalten werden", stellt Marina Vetter klar. Das Schützenfest im Juni fiel ebenfalls ersatzlos aus. Dennoch, so Vetter, hätten 8,9 Prozent mehr Gäste in Goslar übernachtet als im Juni des Vorjahres. "Goslar konnte insgesamt punkten in der Kombination aus Kultur und Natur. Jetzt im Oktober haben wir die Zahlen vom gesamten Monat Oktober im Vorjahr bereits überschritten." In den meisten Städten der Umgebung sei stattdessen ein zweistelliger Einbruch zu verzeichnen. Vetter ist überzeugt, dass Touristen und Gäste auch ohne Weihnachtsmarkt nach Goslar kommen werden. Ab heute könne ganz klar kommuniziert werden, dass Gäste zwar eine weihnachtliche Stadt vorfinden werden, aber keinen Weihnachtsmarkt.

Wie weihnachtlich wird es in diesem Jahr?


Viel wurde darüber gesprochen was nicht geht - doch auch die Frage, wie weihnachtlich es in Goslar wird, lasse sich dennoch beantworten. Zunächst einmal stehe es allen Gastronomen frei, in ihren Häusern und auf ihren Sondernutzungsflächen Glühwein auszuschenken, solange das mit der vorhandenen Infrastruktur geschehe und hierzu keine Bude aufgestellt wird. Auch bei den "Klimaschädlingen", wie Junk die oft kritisierten Heizpilze nennt, werde man in diesem Jahr etwas kulanter sein.

"Für das weihnachtliche Goslar ist es wichtig, dass das ein angenehmes Ambiente in der Stadt ist", so Vetter vom Stadtmarketing. "Was unser Augenmerk ist, ist die Stadt zu beleuchten, sie weihnachtlich zu dekorieren. Wir reden von klassischen Elementen wie dem großen Weihnachtsbaum auf dem Marktplatz, wir reden über Straßenüberspannungen, die Licht in die Straßen bringen und wir werden darüber hinaus auch im Bereich Dekoration neue Akzente zu setzen." Gemeint sei hier zum Beispiel das Aufstellen kleinerer Bäume im Stadtgebiet oder die Dekoration von Schaufenstern.


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