Goslar. Mit über 60 Millionen Euro wollen Bundes- und Landesregierung das Recycling von Batterie-Schwarzmasse bei H.C. Starck Tungsten in Goslar fördern. Diese Entscheidung habe heute der niedersächsische Wirtschaftsminister Olaf Lies, auch im Namen des Bundeswirtschaftsministeriums, gegenüber Unternehmenschef Dr. Hady Seyeda auf der Hannovermesse bestätigt, heißt es einer Mitteilung des Unternehmens.
Im Zentrum des Projekts stehe ein innovativer, besonders effizienter Prozess zur Rückgewinnung wertvoller Metalle aus sogenannter „Schwarzmasse“ – den zermahlenen Bestandteilen gebrauchter Lithium-Ionen-Batterien nach dem Entfernen des Gehäuses –, den H.C. Starck Tungsten entwickelt habe.
Weniger CO2-Emissionen
Das Verfahren, für das sechs Patentanmeldungen anhängig seien, würde gegenüber etablierten Methoden eine erheblich bessere Rohstoffausbeute bei einem deutlich geringeren Verbrauch an Hilfsstoffen und Energie erzielen. Außerdem würde lediglich ein Zehntel der CO2-Emissionen anfallen, die beim Abbau von primärem Lithium, Nickel, Kobalt und Mangan entstehen würden, berichtet das Unternehmen weiter.
Mutterkonzern unterstützt Vorhaben
Für die Anwendung im industriellen Maßstab habe H.C. Starck Tungsten den Bau einer Anlage im Metallurgiepark Oker mit einem Investitionsvolumen von rund 340 Millionen Euro ins Auge gefasst. Der damit verbundene Förderantrag sei auch vom Mutterkonzern Mitsubishi Materials Corporation unterstützt worden.
Sofern die weiteren Projektschritte nach Plan verlaufen, könnten die auf zwei Jahre angelegten Bauarbeiten in der ersten Jahreshälfte 2027 beginnen. Die angestrebte Recyclingkapazität liege bei rund 20.000 Tonnen Schwarzmasse pro Jahr, vergleichbar dem Batterieinhalt von ungefähr 100.000 Elektro-Kleinwagen.
Regionale, nationale und europäische Zukunftsfähigkeit
Die Mittel, die zu 70 Prozent das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz und zu 30 Prozent das Land Niedersachsen bereitstellen, werden im Rahmen der EU-Richtlinie zur „Resilienz und Nachhaltigkeit des Ökosystems der Batteriezellfertigung“ vergeben. Sie sollen demnach dazu beitragen, Produktionskapazitäten entlang der Batteriewertschöpfungskette in Deutschland und der Europäischen Union auf- und auszubauen, Beschäftigung und Wertschöpfung am Standort Deutschland zu sichern und letztendlich eine klimafreundliche Massenproduktion von nachhaltig produzierten Batteriezellen in Europa zu ermöglichen.
Auf regionaler Ebene ziele der Förderbescheid darauf ab, Goslar als Innovations-, Wirtschafts- und Produktionsstandort zu stärken, negative Auswirkungen des Strukturwandels abzufedern und den Betrieb besonders nachhaltiger Industrieanlagen voranzutreiben.
Dr. Hady Seyeda, CEO der H.C. Starck Tungsten, sagt: „Diese umfassende Förderungszusage markiert einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur industriellen Nutzung unserer innovativen Schwarzmasse-Recyclingtechnologie. Wir freuen uns sehr, dass Bund und Land die Realisierung unseres Konzepts so konkret unterstützen.“
Der niedersächsische Wirtschaftsminister Olaf Lies ergänzt: „Süd-Niedersachsen und insbesondere Goslar haben eine gute Tradition in der Erzgewinnung und der Metallverarbeitung. Das Land Niedersachsen unterstützt die Region schon lange dabei, sich im Bereich Recycling international wettbewerbsfähig aufzustellen und die Wertschöpfungsketten im Recycling von Lithiumionen-Batterien zu optimieren. Die Förderung von H.C. Starck Tungsten ist ein Meilenstein für ein umweltfreundliches Recycling von Schwarzmasse im industriellen Maßstab und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Rohstoffsicherung und zur Sicherung von Industriearbeitsplätzen.“