Zehn Infizierte in Clausthaler Studentenwohnheim - Bewohner leben hinter Gittern

Weitere Abstriche ergaben positive Testergebnisse bei zwei Bewohnern des Wohnheimes und drei Kontaktpersonen. Die Kontaktnachverfolgung läuft weiter auf Hochtouren.

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Den unter Quarantäne stehenden Studierenden steht ein großer Außenbereich zur Verfügung, der von zwei Reihen Bauzäunen umschlossen wird.
Den unter Quarantäne stehenden Studierenden steht ein großer Außenbereich zur Verfügung, der von zwei Reihen Bauzäunen umschlossen wird. | Foto: aktuell24(BM)

Goslar. Am vergangenen Donnerstag hat das Gesundheitsamt des Landkreises Goslar ein Studentenwohnheim in Clausthal-Zellerfeld aufgrund fünf positiver Testergebnisse auf das Coronavirus unter Quarantäne gestellt. (regionalHeute.de berichtete) Wie der Landkreis berichtet, seien am vergangenen Freitag 63 weitere Personen auf COVID-19 getestet worden, darunter 22 Bewohner des Wohnheims sowie 41 ermittelte Kontaktpersonen. Bei zwei weiteren Bewohnern des Hauses und drei Kontaktpersonen konnte ein positives Testergebnis auf SARS-CoV-2 ermittelt werden. Die Anzahl der infizierten Personen im Zusammenhang mit dem Ausbruchsgeschehen in Clausthal-Zellerfeld erhöht sich damit auf zehn. Sieben davon wohnen im Wohnheim, in welchem insgesamt 40 Personen leben.


Am Montagmorgen tagte der Krisenstab des Landkreises Goslar zur Situation. Das Studentenwerk OstNiedersachsen mit Sitz in Braunschweig als Vermieter war nach eigener Auskunft auf so eine Situation vorbereitet. Wie Carolin Render, Sprecherin des Studentenwerkes im Gespräch mit regionalHeute.de mitteilt, habe man bereits am Freitag begonnen, die Studierenden mit Wasser, sowie Reinigungs- und Desinfektionsmitteln zu versorgen: "Der Kellerclub in Braunschweig hat während der Hochzeit der Pandemie einen Einkaufsservice eingerichtet, der jetzt auch den unter Quarantäne stehenden Studierenden zugutekommt. Studierende können sich dorthin wenden, die kaufen dann Lebensmittel ein und stellen sie vor die Tür", erklärt die Sprecherin und fügt hinzu: "Wir prüfen jetzt, wie es weiter geht. Ob wir beispielsweise eine psychologische Betreuung brauchen oder mehr Sprechstunden. Wir sind zwischen 8 und 23 Uhr bereits mit einer Hotline verfügbar und haben einen Ticker eingerichtet. Kolleginnen und Kollegen sind jeden Tag mehrere Stunden vor Ort. Das wird auch so weitergehen damit wir wissen, was die Studierenden vor Ort brauchen."

Kontaktnachverfolgung läuft auf Hochtouren


Landrat Thomas Brych erklärt, dass man für den Moment erst einmal durchatmen könne, dass aber die angeordnete Quarantäne für den Komplex bestehen bleiben müsse, die positiv getesteten Kontaktpersonen befinden sich in häuslicher Isolation. Derweil laufen die Kontaktnachverfolgungen durch das Gesundheitsamt weiter auf Hochtouren. „Dass der Infektionsausbruch durch die Testergebnisse vorerst lokal eingegrenzt zu sein scheint, darf uns nicht davon ablenken, alle weiteren Maßnahmen mit vollem Engagement voranzutreiben, um das Infektionsgeschehen weiter begrenzt zu halten. Ein diszipliniertes Verhalten aller Beteiligten ist zwingend erforderlich, damit sich das Virus nicht weiter ausbreiten kann.“, so Landrat Thomas Brych.

Die Situation vor Ort


Nach Rücksprache mit den Vertreterinnen und Vertretern des Studentenwerkes vor Ort berichtet Carolin Render, dass die Lage vor Ort "erstmal ruhig" sei. Es wurden Reinigungsutensilien in den Quarantänebereich gebracht, da die Bewohner die Gemeinschaftsbereiche nun selbst reinigen müssen.

Leben hinter Gittern


Mit zwei Bauzäunen wurde ein etwa zwei Meter breiter "Graben" um das Gebäude errichtet, der einen großen Teil des Vorhofes umfasst. "Ein erster Außenbereich wurde bereits am Freitag eingerichtet, heute haben wir Sitzgelegenheiten für einen zweiten Außenbereich in das Wohnheim gebracht, damit auch die Infizierten Personen einen eigenen Sitzbereich haben", erklärt Render. Die großzügige Umzäunung macht es möglich, dass die Studierenden ihre Quarantänezeit im Hochsommer nicht ausschließlich hinter verschlossenen Türen verbringen müssen. Ein privater Sicherheitsdienst, der durch den Landkreis engagiert wurde, achtet auf die Einhaltung der Quarantäne - nicht ganz ohne Probleme. Vertreter der Presse wurden im öffentlichen Raum durch die Angestellten des Sicherheitsdienstes angegangen. Erst durch Hinzuziehen der Polizei wurde die Pressearbeit vor Ort möglich.

Verängstigt sind teilweise auch die Bewohnerinnen und Bewohner des unter Quarantäne stehenden Hauses. "Die Lage ist durchaus schwierig", meint Carolin Render. "Die Bewohner wissen natürlich auch nicht, wie lange sie eingesperrt bleiben. Nach aktuellem Stand geht die Quarantäne bis zum 13. August." Wenn es nötig wird, werde man eine psychologische Betreuung oder das Kriseninterventionsteam des Landkreises einschalten.

Das Studentenwerk findet insgesamt lobende Worte für die Zusammenarbeit mit den Behörden: "Die Kollegen vor Ort haben zurückgemeldet, dass alles partnerschaftlich und reibungslos abläuft. Am Wochenende war der Amtsarzt vor Ort und hat viel Erklärungsarbeit geleistet, wie hoch das Infektionsrisiko innerhalb der Einrichtung ist und womit die Infizierten rechnen müssen. Er hat viel informiert und es wurden viele Gespräche geführt."

Wie geht es den Betroffenen?


Der Landkreis plane laut Sprecher Thorsten Kuszynski für Mittwoch einen erneuten Abstrich aller Bewohnerinnen und Bewohner des Studentenwohnheims. Am Donnerstag und Freitag rechne man dann mit den Testergebnissen. So soll festgestellt werden, ob es zu weiteren Ansteckungen kam oder ob eine Ansteckung bei den Abstrichen am Freitag eventuell noch nicht nachweisbar gewesen ist.

Kuszynski weiss auch, dass keiner der aktuell Betroffenen derzeit medizinischer Behandlung bedarf. Man könne vorsichtig von einem "leichten Verlauf" sprechen, "das kann sich aber auch stündlich ändern", gibt er zu bedenken. Man hoffe auf das Beste.

Das Kompliment für die partnerschaftliche Zusammenarbeit möchte der Landkreissprecher gern an das Studentenwerk zurückgeben: "Die Gespräche laufen wirklich sehr gut. Auch das der Kellerclub die Versorgung mit Lebensmitteln übernimmt ist großartig. Da dürfte es momentan keine großen Schwierigkeiten geben."


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