Neues Buch über Ricarda Huchs antisemitischen Bruder

Nach Rudolf Huch ist in Bad Harzburg bis heute eine Straße benannt. Der Autor Markus Weber hat nun weitere dunkle Details aus seiner Vergangenheit ans Tageslicht gebracht.

Das Titelbild des neuen Buches über Rudolf Huch.
Das Titelbild des neuen Buches über Rudolf Huch. Foto: Papierflieger Verlag

Bad Harzburg. Der Autor Markus Weber stellt in seinem jüngst vom Verein Spurensuche Harzregion herausgegebenen Buch "Rudolf Huch -Antisemitismus und das kulturelle Gedächtnis der Stadt Bad Harzburg" dar, dass sich Rudolf Huch entgegen gängiger Auffassungen schon 1932 eindeutig für eine Diktatur unter einem Führer Adolf Hitler ausgesprochen hat. Seit 1932 ist nach Rudolf Huch eine Straße in Bad Harzburg benannt – bis heute. Rudolf Huch war der Bruder von Ricarda Huch, die sich klar gegen den Nationalsozialismus positioniert hat. Darüber berichtet Dr. Friedhart Knolle in einer Pressemitteilung.


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Ab 1933 wurde Huch Parteimitglied und spielte eine aktive Rolle zur propagandistischen Unterstützung der Diktatur. So verfasste er beispielsweise ein Festspiel zur Hundertjahrfeier Bad Harzburgs, in dem das Dritte Reich als Wiederkehr des mittelalterlichen Reiches gefeiert wurde und unterzeichnete ohne Zwang das „Gelöbnis treuester Gefolgschaft“, in dem Schriftsteller sich vollständig hinter Hitler stellten. 1934 erschien seine antisemitische Hetzschrift „Israel und Wir“, in der er die Diskriminierung der Juden und die Verfolgung politischer Gegner legitimierte.

In die Akademie aufgenommen


Im Gegenzug habe Huch die von ihm lebenslang vermisste Anerkennung erhalten. Er wurde in die Preußische Akademie für Künste aufgenommen, aus der seine Schwester Ricarda Huch aus Protest gegen die judenfeindliche Politik ausgetreten sei. Zudem erhielt er die Möglichkeit zu Radiovorträgen und bis zum Lebensende immer wieder Ehrungen und finanzielle Unterstützung des NS-Staates. Trotz zwischenzeitlicher Anfeindungen durch lokale NS-Parteigenossen habe Huch an ideologischen Positionen festgehalten, die sich mit der NS-Ideologie deckten.

Schon in seinen frühen Schriften hätten sich latent antisemitische Haltungen gezeigt, die sich zunehmend verfestigten. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Huch zum Gegner der Weimarer Republik, die er in verschwörungstheoretischer Weise als „Sieg der jüdischen Zentrale“ diffamierte.

"Verdrängung und Umdeutung"


Nach 1945 sei der Umgang mit Huch durch bewusste Verdrängung und Umdeutung gekennzeichnet gewesen. So konnte er posthum zahlreiche Ehrungen durch die Stadtgesellschaft erfahren. Auf der Grundlage der Erkenntnisse setzt sich Markus Weber auch mit der Frage auseinander, wie in Zukunft mit den Hinterlassenschaften im kulturellen Gedächtnis der Stadt Bad Harzburg umgegangen werden könne.

Der Band kann im Buchhandel oder über den Papierflieger Verlag in Clausthal-Zellerfeld erworben werden. Er kostet 10 Euro.


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