Seltener Käfer erstmals im Landkreis Goslar gesichtet

Mit Spürhunden wurden die kleinen Krabbler in Parkanlagen in Bad Harzburg ausfindig gemacht.

Ein Eremit auf einem Baum in Bad Harzburg.
Ein Eremit auf einem Baum in Bad Harzburg. | Foto: privat

Bad Harzburg. Die beiden Hundeführerinnen Beate Balbuchta und Rena Siegerist haben Mitte September im Auftrag des Landkreises Goslar mit ihren Eremiten-Spürhunden „Ip“ und „Milo“ mehrere Parks der Stadt Bad Harzburg nach den seltenen und den naturschutzrechtlich streng geschützten Käfern der Art Osmoderma eremita, umgangssprachlich auch Eremit oder Juchtenkäfer genannt, abgesucht und sind fündig geworden. Es handelt sich um den ersten Nachweis im Goslarer Kreisgebiet. Das berichtet der Landkreis Goslar in einer Pressemitteilung.



Diese Käfer-Art bewohnt in der Regel wärmebegünstigte Laubwälder mit alten Höhlenbäumen, in denen sich Mulm, die Nahrung des Eremiten, befindet. Die Käfer sind aber auch in Alleebäumen, Kopfbäumen und Parkanlagen zu finden.

Besonderer Duft der Männchen


Wie der Name Eremit vermuten lässt, handelt es sich um eher zurückgezogen lebende Käfer, von denen nur zehn bis 15 Prozent im Laufe ihres Lebens ihren Baum einmal verlassen. Dies sind hauptsächlich weibliche Exemplare, welche durch den besonderen Duft der Männchen (nach „Juchtenleder“, vergleichbar mit Aprikosenduft) angelockt werden. Die Käfer sind zwei bis vier Zentimeter groß, braunschwarz gefärbt und schimmern leicht metallisch. Laut dem Bundesamt für Naturschutz waren Eremiten früher weit und flächendeckend in Deutschland verbreitet, kommen aber heutzutage nur noch in kleinen und inselartig verstreuten Vorkommen vor.

Insgesamt haben die Hundeführerinnen Beate Balbuchta und Rena Siegerist 18 Brutbäume gefunden.
Insgesamt haben die Hundeführerinnen Beate Balbuchta und Rena Siegerist 18 Brutbäume gefunden. Foto: privat


Der Eremit ist in Deutschland stark gefährdet und europaweit streng geschützt. Die von ihm bewohnten Lebensräume, kommen immer seltener vor, da er auf Höhlen in alten Bäumen angewiesen ist. Somit übernimmt er die Rolle einer "Schirmart", die stellvertretend für viele andere stark gefährdete Lebewesen in altem und abgestorbenem Holz steht.

Konflikte mit der Verkehrssicherungspflicht


Die Entnahme von Brutbäumen und potenziellen Brutbäumen stellt die größte Gefahr für die Käfer dar, da sie diese Bäume nur sehr selten verlassen, was bei einer Fällung zum Auslöschen einer kompletten Brutkolonie führen kann. In städtischen Grünanlagen ergeben sich deshalb aus rechtlichen Anforderungen des Artenschutzes und der Verkehrssicherungspflicht Konflikte, die unter Abwägung aller Sachverhalte gelöst werden müssen. Dabei müssen Maßnahmen festgelegt werden, die sicherstellen, dass die Bewohner des Baums nicht gestört werden und die Verkehrssicherheit gewährleistet ist.

Bei der Suche in den Parks von Bad Harzburg wurden insgesamt 18 Brutbäume der Käfer-Art entdeckt. 16 Eichen, ein Bergahorn und eine Kastanie. „Die Nachweise des Eremiten in Bad Harzburg sind ein sehr besonderer Fund“, sagt Katrin Schirok von der unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Goslar, „da es die bisher einzigen Vorkommen im Landkreis Goslar sind. In der Verbreitungskarte des Bundesamtes für Naturschutz sind die nächstgelegenen Eremiten im Landkreis Gifhorn beziehungsweise in Wolfsburg zu finden.“


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