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Großer Andrang beim Bürgerdialog zum Integrationszentrum

von Alec Pein


Volles Haus in Sudmerberg: Wegen großem Andrang wurden die Pforten des Gemeindehauses bereits kurz nach Beginn der Veranstaltung für weitere Gäste geschlossen. Foto: Alec Pein
Volles Haus in Sudmerberg: Wegen großem Andrang wurden die Pforten des Gemeindehauses bereits kurz nach Beginn der Veranstaltung für weitere Gäste geschlossen. Foto: Alec Pein

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11.03.2016




Goslar. Für Donnerstagabend luden Landkreis, Stadt, Polizei und Betreiber des Integrationszentrums Bürgerinnen und Bürger zur Informationsveranstaltung in den Gemeindesaal Sudmerberg ein. Besonders die Umnutzung des in diesem Goslarer Ortsteil befindlichen Hotel Lydia stand dabei im Fokus: Etwa 20 alleinstehende Frauen sollen dort laut Landrat Thomas Brych mit ihren Kindern untergebracht werden. Gemeinsam mit Polizeichefin Petra Krischker, Betreiber Heiko Rataj und erster Kreisrätin Regine Körner suchte dieser den Dialog mit den Sudmerbergern.

Ziel der Veranstaltung sei es gewesen die Fragen der Anwohner zu klären und auch auf Bedenken einzugehen, so Landrat Thomas Brych gegenüber regionalheute.de. Bereits jetzt werden Räumlichkeiten des Hotel Lydia für Kurse des Integrationszentrums genutzt. In den kommenden Wochen sollen vor allem Frauen mit Teilnahmeberechtigung  entsprechend der Dauer eines solchen Kursesgemeinsam mit ihren Kindern in dem Haus untergebracht werden. Dort sollen sie dann die Möglichkeit haben am Vormittag sowie am Nachmittag die Kurse wahrzunehmen während sich Betreuungskräfte um die Kinder kümmern. Wie es nach dem sechswöchigen Kurs für die Flüchtlinge im Landkreis weiter und ob es dementsprechende Konzepte gibt, war eine Frage aus den Reihen der anwesenden Bürger. Der 100-stündige Deutsch-Grundkurs, den die Bewohner während des Aufenthaltes in den Integrationseinrichtungen absolvieren sollen, seien nur ein "Grundbaustein" für die gelungene Integration, antwortet erste Kreisrätin Regine Körner. Zugeben musste diese allerdings auch, dass die weiterführenden Maßnahmen nach den Kursen noch Schwierigkeiten bereiten. Den Übergang Nahtlos zu gestalten gehört noch zu Aufgaben für die es eine Lösung zu finden gilt. Für Kinder und Jugendliche im Schulalter sei das weniger schwierig: Die Erfahrung habe gezeigt, dass diese nach einer gewissen Eingewöhnungsphase den Unterrichtsinhalten einigermaßen folgen können. Um die Sprache richtig zu erlernen und dabei keine wichtigen Inhalte zu verpassen werden wohl viele ein Jahr wiederholen müssen. Anspruch auf Integrationskurse hätten außerdem nur Menschen aus gefährdeten Herkunftsländern, sodass im Hotel Lydia sowie im Integrationszentrum in der Clausthaler Straße nur solche Menschen zu erwarten wären, die auch eine Aussicht auf Bleiberecht hätten, entgegnete Körner den Bedenken einiger, in Goslar würden auch Menschen aufgenommen werden, die nicht hätten fliehen müssen.

Podcast: Landrat Thomas Brych


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Gespaltene Meinungen


Beifall erhielten während der Fragerunde positive Äußerungen, wie etwa Appelle nachbarschaftliche Hilfe zu leisten, sowie kritische Stimmen gleichermaßen. Letztere standen dabei jedoch nicht immer in direktem Bezug zur Umnutzung des Hotel Lydia oder dem Integrationszentrum, sondern waren eher mit persönlichem Ärger behaftet. Auch Ängste, etwa vor steigender Kriminalität, wurden geäußert. Polizeichefin Petra Krischker versuchte dem entgegen zu wirken und wies  darauf hin, dass in erster Linie Menschen und nicht Kriminelle aufgenommen werden. Man dürfe die Menschen nicht auf die Taten einiger schwarzer Schafe reduzieren. Besonders in sozialen Netzwerken werde entsprechende Hetze betrieben,  die sie persönlich "abstoßend" findet. Bei den tatsächlich von Flüchtlingen begangenen Straftaten handele es sich zum Großteil um "Erschleichung von Leistung", wie sie etwa beim Schwarzfahren bei der Polizei angezeigt werde.  Weit verbreiteten sich auch Meldungen über die Flüchtlingsunterkunft in St. Andreasberg: Dort sei es, den schwierigen Umständen entsprechend "sehr ruhig", meint Krischker. Junge Männer, die am Wochenende zum Fußballspiel gehen, würden die Polizei weitaus mehr beschäftigen, so Krischker weiter.

Die "kritischen Stimmen"


Eher darauf bedacht ihrem persönlichen Ärger Luft zu machen, statt Fragen zum Thema zu stellen, schienen einige wenige Anwesende gewesen zu sein. So meinte ein Bürger nach dem Melden eines Kleidercontainer-Aufbruchs schon einmal über eine halbe Stunde gewartet zu haben, bis ein Streifenwagen aufgetaucht sei. Ein Anderer forderte gar härtere Strafen für straffällig gewordene Flüchtlinge, da in "islamischen Ländern" Diebe ja schließlich auch "ihre Hand verlieren" würden. Eine Anwohnerin beschwerte sich, dass sie bei ständiger Belegung des Haus Lydia direkten Blicken in ihr Schlafzimmer ausgesetzt wäre. "Dann lass die Rollos runter", kam es prompt aus den letzten Reihen. Warum Teile des Geländes eingezäunt worden seien passte dagegen wieder besser zum Thema. Die Antwort: Eine Empfehlung der Polizeiinspektion Goslar zum Schutz der Kinder, die in Zukunft auf der ehemaligen Parkfläche auf einer Hüpfburg spielen sollen, die Heiko Rataj besorgen möchte. Damit sie nicht ungebremst auf die Straße rennen, sei der hüfthohe Bauzaun aufgestellt worden. Werden mit dem Zaun andere Sudmerberger Kinder ausgeschlossen? Nein, es seien natürlich alle Kinder herzlich willkommen, so Rataj.


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