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Häusliche Gewalt und Kinderpornographie: Zahl der Straftaten im Landkreis Helmstedt gestiegen



Helmstedt

Häusliche Gewalt und Kinderpornographie: Zahl der Straftaten im Landkreis Helmstedt gestiegen

Mehr als drei Viertel der Tatverdächtigen sind männlich. Die Aufklärungsquote liegt durchschnittlich bei 65 Prozent.

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Symbolbild Foto: Christoph Böttcher

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Helmstedt. In der Polizeilichen Kriminalstatistik sind für die Stadt Helmstedt im Jahr 2020 insgesamt 2.616 Straftaten (Vorjahr 2.557) erfasst worden, schildert die Leiterin des Kriminalermittlungsdienstes des Polizeikommissariats (PK) Helmstedt Helena Karwath. Dies entspricht einer Steigerung von 59 Straftaten. Für den Landkreis Helmstedt sind 6.088 Straftaten (Vorjahr 5.718) erfasst worden. Dies entspricht einem Anstieg von 370 Fällen. Die Fallzahlen im Bereich des PK Helmstedt sind im Vergleich zu den Vorjahren, trotz der Corona-Pandemie in 2020, leicht angestiegen. Die Aufklärungsquote für den Landkreis Helmstedt liegt bei 65,00 Prozent und ist zum Vorjahr annähernd gleichgeblieben. Für die Stadt Helmstedt ist die Aufklärungsquote leicht angestiegen und liegt bei 63,65 Prozent. Das berichtet die Polizei in einer Pressemitteilung.



Im Jahr 2020 wurden für den Landkreis Helmstedt insgesamt 2.836 Tatverdächtige ermittelt. Der Anteil der männlichen Tatverdächtigen lag bei 2.160 (76,16 Prozent) und der weiblichen bei 676 (23,84 Prozent). 2.339 Tatverdächtige waren 21 Jahre und älter, davon 1.773 männliche und 566 weibliche Tatverdächtige.

Mord an junger Mutter


Im November 2020 wurde in Helmstedt die 34-jährige Mutter eines Kleinkindes in ihrer Wohnung tot aufgefunden. Die Mordkommission "Beguine" übernahm die Ermittlungen zum Tötungsdelikt. Im Dezember 2020 wurde der 36-jährige Ehemann der Getöteten festgenommen und befindet sich gegenwärtig in Untersuchungshaft (regionalHeute.de berichtete). Weiterhin wurde ein Strafverfahren aus dem Landkreis Helmstedt wegen Verdacht der fahrlässigen Tötung eingeleitet. Das Ermittlungsverfahren wurde durch die Staatsanwaltschaft Braunschweig eingestellt. Beide Verfahren wurden im Zentralen Kriminaldienst der PI Wolfsburg-Helmstedt bearbeitet.


Die Fallzahlen der Sexualdelikte sind im Landkreis Helmstedt von 108 auf 94 Taten (Aufklärungsquote 90,43 Prozent) gesunken. Straftaten zum Nachteil von Kindern im sexuellen Bereich sowie Verbreitung von Kinderpornografie sind deutlich gestiegen. Hier liegen die Fallzahlen für den sexuellen Missbrauch im Landkreis bei 21 (AQ 90,48 Prozent) Fällen. Die Aufklärungsquote ist in diesem Deliktsbereich sehr hoch, da zwischen Opfer und Täter meist eine Vorbeziehung besteht. Gründe für den Anstieg der Fallzahlen im Bereich des Verbreitens von Kinderpornografie und des sexuellen Missbrauchs dürften in der rasanten Digitalisierung und der damit verbundenen Anonymität liegen. In der digitalen Welt wird es dem erwachsenen Täter leichtgemacht, sich als Minderjähriger auszugeben. Die Kinder vertrauen dem Täter, der nach kurzer Zeit Nacktfotos vom kindlichen Opfer fordert und dem Opfer intime Detailfotos zusendet. Die steigende Zahl der Verbreitung der Kinderpornografie im hiesigen Bereich ergibt sich auch aus dem Zusenden von kinderpornografischen Material von minderjährigen Kindern an Gleichaltrige. Auch dieses erfüllt den Straftatbestand der Verbreitung von Kinderpornografie. Die Fallzahlen der Sexualdelikte zum Nachteil von Frauen sind leicht rückläufig. So sind die angezeigten Vergewaltigungen 2020 von insgesamt 16 Fälle auf 14 Fälle gesunken. Bei den aufgeführten Sexualdelikten handelt es sich überwiegend um sogenannte Beziehungstaten.

Die Raubdelikte sind im Vergleich zum Vorjahr in der Stadt Helmstedt um neun angezeigte Delikte, von 19 auf 10 Taten, zurückgegangen. Im Landkreis Helmstedt sind die Fallzahlen um fünf angezeigte Delikte, von 23 auf 28 Taten, angestiegen. Raubdelikte hatten 2020 einen Anteil von lediglich 0,23 Prozent am Gesamtstraftatenaufkommen. Körperverletzung Auch bei den angezeigten Körperverletzungsdelikten sind die Fallzahlen in der Stadt Helmstedt auf 267 zurückgegangen und im Landkreis Helmstedt auf 646 leicht gestiegen. Auch hier bewegen sich die Fallzahlen im Rahmen der allgemeinen Schwankungsbreite. Besonderheiten sind hier nicht festzustellen. In den letzten Jahren hat die Hemmschwelle zur Begehung von Straftaten gegen die körperliche Unversehrtheit offenbar weiterhin abgenommen. Oft führt der Alkohol- und Drogenkonsum zum Abbau der Hemmschwelle.

Häusliche Gewalt erkennbar gestiegen



Häusliche Gewalt wurde beim PK Helmstedt in insgesamt 412 Fällen (Vorjahr 344) angezeigt. Es ist eine erkennbare Steigerung zu verzeichnen. Dieses dürfte im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie sowie dem Lockdown stehen. Betroffen sind überwiegend Frauen und unmittelbar auch ihre Kinder. Die Hilfeangebote und Unterstützungen wurde in den letzten Jahren ausgebaut und ständig verbessert. So informiert die Polizei bei Erkenntnissen der Häuslichen Gewalt sofort das Jugendamt des Landkreises Helmstedt, die BISS, die Opferhilfe Braunschweig und das Frauenhaus, um den betroffenen Frauen und Kindern Hilfe anzubieten und im weiteren Verfahren zu unterstützen. Bei Erkenntnissen der Häuslichen Gewalt wird der zumeist männliche Täter auf die Täterberatungsstelle für Häusliche Gewalt in Helmstedt hingewiesen.

Die Anzahl der angezeigten Sachbeschädigungen sind in der Stadt Helmstedt von 371 Fallzahlen auf 297 gesunken, bei einer Aufklärungsquote von 32,66 Prozent. Im Landkreis Helmstedt sind die Fallzahlen von 638 auf 783 angestiegen, bei einer Aufklärungsquote von 31,03 Prozent. Im Landkreis ist die Sachbeschädigung durch Graffiti von 86 auf 131 und in der Stadt Helmstedt von 38 auf 42 Delikte angestiegen. Ursache hierfür dürfte der Lockdown im letzten Jahr gewesen sein. Insbesondere im ersten Lockdown, als die Schulen geschlossen hatten, war eine Steigerung der Fallzahlen zu beobachten. Da es sich bei den Tätern überwiegend um Jugendliche und Heranwachsende handeln dürfte, ist dieses eine Erklärung.

Die Diebstahlshandlungen werden zwischen dem einfachen und schweren Diebstahl unterschieden. Die überwiegende Anzahl der Fallzahlen des einfachen Diebstahls umfassen Ladendiebstähle. Die schweren Diebstähle ergeben sich aus Wohnungseinbrüchen, Geschäftseinbrüche, Kellereinbrüche und Kraftwagen-Komplettdiebstähle. Der einfache Diebstahl ist im Landkreis Helmstedt von 911 Taten auf 839 gesunken. In der Stadt Helmstedt sind die Fallzahlen von 406 auf 417 etwas angestiegen. Insgesamt gab es im Landkreis Helmstedt 208 (Vorjahr 261) angezeigte Ladendiebstähle und in der Stadt Helmstedt 107 Fälle (Vorjahr 132). Die Aufklärungsquote für Ladendiebstahl liegt für den Landkreis Helmstedt bei 87,02 Prozent und der Stadt Helmstedt bei 90,65 Prozent. Der schwere Diebstahl ist im Landkreis Helmstedt von 715 auf 799 Fallzahlen (AQ 20,65 Prozent) angestiegen.

Zahl der Einbrüche in der Stadt Helmstedt gestiegen


Die angezeigten Wohnungseinbruchdiebstähle, die im Zentralen Kriminaldienst der PI Wolfsburg-Helmstedt bearbeitet wurden, sind im Landkreis Helmstedt gesunken und in der Stadt Helmstedt angestiegen.Es kann angenommen werden, dass die vermehrte Anwesenheit der Bevölkerung im privaten Haushalt, während der Pandemie, dazu führte, dass es weniger Gelegenheit für Einbrecher gab. In der Stadt Helmstedt gab es 59 Fälle mit einer Aufklärungsquote von 15,25 Prozent. Der Landkreis hatte mit 116 Fällen eine Aufklärungsquote von 20,69 Prozent. Überwiegend werden diese Taten von überregionalen Tätern begangen. In den meisten Fällen können die Täter die Tatorte unerkannt verlassen. Die gesicherten Spuren führen meist wesentlich später zur Identifizierung der Täter, sodass die Aufklärungsquote in den Berichtsjahren schwankend ist.

Bei Straftaten zum Nachteil älterer Mitmenschen handelt es sich unter anderem um den sogenannten Enkeltrickbetrug oder "falsche Polizeibeamte", die aus einem Callcenter heraus begangen werden. Ältere Mitmenschen sollen hierbei unter Vorspiegelung eines nicht stattgefundenen Schadenfalls um Herausgabe von Bargeld und andere Vermögenswerte veranlasst werden. Im Landkreis und der Stadt Helmstedt ist es im letzten Jahr zu 250 (Vorjahr 78) Fällen von Versuchstaten gekommen und erfreulicherweise zu keiner vollendeten Tat (Vorjahr: vier). Dank der guten Präventionsarbeit, auch in den Medien, sind viele Bürger über die Arbeitsweise der Täter aufgeklärt.

Mehr Widerstand gegen Polizisten


Eine Steigerung findet sich erneut beim Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. Beim PK Helmstedt wurden 50 Strafverfahren eingeleitet. Opfer waren insgesamt 152 Polizeivollzugsbeamte und sechs Personen aus dem Bereich des Rettungsdienstes. Beim Widerstand sind die Täter häufig alkoholisiert oder stehen unter Drogeneinfluss. Über die Jahre hinweg ist ein steigendes respektloses Verhalten festzustellen, das nicht nur Polizeibeamten sondern auch Rettungskräften entgegengebracht wird.


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