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Hausärztemangel: Anreize setzen und Jungärzte anlocken



Braunschweig

Hausärztemangel: Anreize setzen und Jungärzte anlocken

von Sina Rühland


Foto: Sina Rühland

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Braunschweig. Laut Bundesärztekammer soll es im Jahr 2020 rund 7.000 Hausärzte weniger in Deutschland geben. Die Lücke in der hausärztlichen Versorgung wird dementsprechend immer größer. Um dem entgegen zu steuern, gibt es seit August einen Weiterbildungsverbund zwischen dem Braunschweiger Hausärzteverband und dem Klinikum Braunschweig. Die 26-jährige Assistenzärztin Jennifer Maria Albertshauser erklärt, warum sie sich nach dem Studium für die Weiterbildung zur Allgemeinmedizinerin entschieden hat.

Jennifer Maria Albertshauser kenne die Vorurteile, dass Allgemeinmediziner nur Rezepte ausstellen würden, sagt sie. Ihre Meinung zu diesem Fachgebiet sei jedoch eine andere. "Ich durfte während meines Praktikums die Erfahrung machen, dass die Allgemeinmedizin ein breites medizinisches Spektrum abdeckt – jede Menge ‘Aha-Elebnisse' inklusive." Der ärztliche Direktor des Klinikums Dr. Thomas Bartkiewicz beobachte ein zunehmend mangelndes Interesse der Studierenden am niedergelassenen Bereich. "Es klafft mittlerweile eine Lücke. Immer weniger junge Menschen wollen Allgemeinmediziner werden, wobei die Bevölkerung aber immer älter wird." Flexible Arbeitszeiten, eine ausgeglichene Life/Work-Balance und die Möglichkeit Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen, seien jedoch ein Anreiz und in der Allgemeinmedizin gegeben, so Bartkiewicz. Diese Aussichten stimmen auch Jennifer Maria Albertshauser positiv. Interessante Patienten, ein fester Arbeitsvertrag in einer Praxis und die Option einer Familiengründung sprechen ihrer Ansicht nach für einen Facharzt der Allgemeinmedizin. "Ich sehe mich in fünf Jahren in einer Braunschweiger Praxis", sagt sie.

Der lange Weg zum Facharzt


Die Weiterbildung zum Facharzt sieht vor, dass bereits zu Beginn der fünfjährigen Weiterbildungszeit – die Jungärzte haben zu diesem Zeitpunkt bereits ein sechsjähriges Studium hinter sich – ein strukturierter Rotationsplan vorliegt, der die Weiterbildung in Krankenhaus und Arztpraxis festlegt. Zuerst durchläuft der Arzt in Weiterbildung drei Jahre verschiedene Abteilungen eines Klinikums, im Anschluss beginnt die zweijährige Arbeit in einer Arztpraxis. Nach diesen fünf praktischen Jahren als Assistenzarzt folgt eine Prüfung – bei Bestehen erhält der Mediziner seinen Facharzttitel.

„Wir als Klinikum, bieten mit 40 vollen Weiterbildungsermächtigungen mit das umfangreichste Weiterbildungsangebot für Ärztinnen und Ärzte in Niedersachsen an. Darüber hinaus gibt es einen direkten Ansprechpartner rund um Fragen bezüglich der Weiterbildung“, erklärt Direktor Dr. Thomas Bartkiewicz. Das Klinikum habe in diesem Jahr einen festen Platz zur Weiterbildung in der Allgemeinmedizin eingerichtet und sich an zukünftigen Bedarf angepasst. Es werde somit nicht nur eine fachspezifische, sondern auch eine hausarztnahe Ausbildung gewährleistet.


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