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Niedersachsen: Hausärzteverband erfreut über Schließung der Impfzentren



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Hausärzteverband erfreut über Schließung der Impfzentren

Für die Zukunft der mobilen Impfteams, die bislang von den Impfzentren koordiniert wurden, liegen allerdings noch keine konkreten Pläne vor.

von Marvin König


Die Impfzentren, wie hier in Wolfenbüttel, sind schon bald Geschichte. (Archivbild)
Die Impfzentren, wie hier in Wolfenbüttel, sind schon bald Geschichte. (Archivbild) Foto: Julia Fricke

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Region. Bis Ende September schließen die Impfzentren in Niedersachsen ihre Türen. Haus- und Betriebsärzte übernehmen dann die ab Oktober anstehenden Auffrischungsimpfungen für bestimmte Bevölkerungsgruppen. Dr. Carsten Gieseking, erster Vorsitzender im Deutschen Hausärzteverband Landesverband Braunschweig e.V. begrüßt die Schließung. Die Hausärzte sehen sich gut gerüstet. Wie genau mobile Impfteams in Zukunft eingesetzt werden, ist aber noch unklar. Gieseking meint, auch die mobilen Impfteams können weg.



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Ob und wann eine weitere Impfung für alle Altersgruppen notwendig wird, stehe derzeit noch nicht fest, wie das Landessozialministerium auf Anfrage von regionalHeute.de berichtet. Die Studienlage dazu werde laufend von den zuständigen Institutionen, insbesondere dem RKI und der STIKO ausgewertet. "Derzeit ist davon auszugehen, dass eine Wiederholungsimpfung in Form einer Auffrischungsimpfung in absehbarer Zeit für sogenannte 'low responser' empfohlen wird. Davon sind altersbedingt pflegebedürftige Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen betroffen. Daher ist geplant, im Herbst mit mobilen Impfteams diese Impfungen in Alten- und Pflegeheimen durchzuführen", erklärt eine Sprecherin.



Noch Fragezeichen zu mobilen Impfteams


Zu den genauen Plänen für die mobilen Impfteams, die bislang in den Impfzentren ihre Basis hatten, schweigt sich das Land jedoch aus. Laut einer Anfrage bei den Kommunen liegt dort bislang nur ein Entwurf zum weiteren Vorgehen vor. Thorsten Kuszynski, Pressesprecher des Landkreises Goslar, gibt einen Einblick: "Die mobilen Impfteams werden erst einmal den örtlichen Gesundheitsämtern organisatorisch angegliedert. Abhängig von der weiteren Versorgung mit Impfstoffen sind wohl eher Schwerpunkteinsätze in Einrichtungen, sozialen Brennpunkten, und so weiter, vorgesehen. Es ist davon auszugehen, dass die Impfteams nur dann aktiv werden (dürfen), wenn sie dazu mittels eines konkreten Einsatzbefehls des Ministeriums aufgefordert werden und genug Impfstoff vorliegt." Über die Menge der vorgehaltenen mobilen Impfteams wird noch spekuliert. Der Erlass sei schließlich noch nicht final. Die Stadt Wolfsburg rechnet beispielsweise mit "bis zu vier" mobilen Impfteams.

"Die Impfzentren können wir abschaffen"


Ab Oktober soll Pflegebedürftigen, Immungeschwächten und "allen anderen Älteren, die sich eine Auffrischungsimpfung wünschen", wie die niedersächsische Gesundheitsministerin Daniela Behrens bei einer Pressekonferenz Anfang Oktober betonte, eine Drittimpfung angeboten werden. Das Land Israel, das mit seiner Impfkampagne signifikant schneller war als Deutschland, ruft dazu bereits seit Juli auf. Droht damit nicht bei geschlossenen Impfzentren eine Überforderung der hausärztlichen Versorgung? Dr. Carsten Gieseking, Vorsitzender des Hausärzteverbandes im Landesverband Braunschweig: "Die Impfzentren können wir abschaffen, das können wir leisten, wenn wir genug Impfstoff kriegen und keine bürokratischen Hürden aufgebaut werden."


Die Impfzentren hätten schlicht keine Existenzberechtigung mehr, meint Gieseking: "Am Anfang hatten wir ja zu wenig Impfstoff. Was da war, wurde den Impfzentren gegeben. Dann musste der Biontech-Impfstoff ja bei -70 Grad gekühlt werden. Das waren alles so Dinge, weswegen man die Impfzentren aus dem Boden gestampft hat." Inzwischen seien die Terminkalender der Impfzentren jedoch leer. Wer noch wolle, könne auch zum Hausarzt gehen, argumentiert der Gifhorner Mediziner. "Und inzwischen wissen wir auch, dass man Biontech auch eine Woche einfach in einem modernen Kühlschrank lagern kann. Der einzige Unterschied zur Grippeschutzimpfung ist, dass wir für die Corona-Impfung mehrere Leute zusammenfassen müssen."

Impfteams eher ein Ärgernis?


Gieseking spricht sich sogar für die Abschaffung der mobilen Impfteams aus. Das würde vor dem Hintergrund der anstehenden Grippeimpfungen vieles vereinfachen: "Was gegen die Impfteams spricht? Die Grippeimpfung kommt im Herbst auch noch dazu. Da wuppen wir jedes Jahr 20 Millionen Impfungen. Eigentlich braucht man bei verschiedenen Totimpfstoffen keine Abstände einzuhalten. Da die Coronaimpfungen aber noch so neu sind ist die Vorgabe, 14 Tage nach vorne und hinten Abstand zu anderen Impfungen einzuhalten. Wenn ich jetzt am 13. September eine Grippeimpftour im Altenheim mache, und die Woche vorher ist gerade das Coronaimpfteam da gewesen bringt das organisatorisch mehr durcheinander als wenn wir Hausärzte das machen."

Aber, so der Hausärzteverbandsvorsitzende, auch wirtschaftlich seien die Impfteams bisweilen ein Ärgernis: "Wenn die Impfteams im Altenheim von 40 Personen 30 einfach Wegimpfen und die zehn, die dann zwei Stunden diskutieren wollen, da sollen wir dann einzeln hin. Wirtschaftlich gesehen ist das eine Sauerei!"


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