whatshotTopStory

Heißt der Arzt bald Google? Metropolregion fordert Tempo bei Digitalisierung des Gesundheitswesens

Es sei eine reale Gefahr, dass Amazon, Google und Co. das Gesundheitswesen weltweit und somit auch in Deutschland übernähmen.

(Symbolbild)
(Symbolbild) Foto: Pixabay

Artikel teilen per:

26.09.2020

Region. Am Dienstag, den 22. September, fand das vierte virtuelle Gesundheitstreffen der Metropolregion GmbH mit Experten der Gesundheitswirtschaft statt. Diesmal ging es um die Gesundheitsversorgung im Jahr 2030. Gerd Dreske, Geschäftsführer der Magrathea Informatik GmbH, warnt vor einem Tsunami: "In zehn Jahren werden die heutigen Akteure im Gesundheitswesen keine bedeutende Rolle mehr spielen, weil neue Anbieter in den Markt drängen werden.“ Noch nie in der Geschichte der Menschheit habe sich Technologie so rasant entwickelt – und die Geschwindigkeit werde weiter zunehmen. Es sei eine reale Gefahr, dass Amazon, Google und Co. das Gesundheitswesen weltweit und somit auch in Deutschland übernähmen. Die Metropolregion berichtet in einer Pressemitteilung.



Seitens der Techgiganten gäbe es ein starkes Wettrennen um den Gesundheitssektor. Die Gefahr durch Schnelligkeit und Finanzkraft überrollt zu werden, sei deutlich größer, als derzeit wahrgenommen. Das machte auch Stefan Muhle, Staatssekretär für Digitalisierung im Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung deutlich: "Wir werden eine menschlich digitale Gesellschaft sein. Unser Tempo ist der aktuellen Entwicklung allerdings überhaupt nicht angemessen.“ Muhle forderte, dass jeder seiner Verantwortung gerecht werden müsse, damit die derzeit noch vorhandenen Handlungsspielräume nicht verloren gingen. Großen Ankündigungen müsse die Umsetzung folgen. Er unterstrich dabei die Notwendigkeit der Fokussierung auch für Niedersachsen und betonte dabei die Themen Mobilität und Gesundheit. In der Pflege forderte Muhle eine Entscheidung zur Aufgabenverteilung zwischen Mensch und Maschine. Durch die Neuverteilung von Arbeit entstünden wertvolle Freiräume, die zum Beispiel für die Pflege genutzt werden könnten.

Die Sicherheit bleibt auf der Strecke


Raphael Koßmann von Techniker Krankenkasse Niedersachsen sieht eine steigende Bedeutung der Gesundheitsdaten für die Versorgung. Im Gegensatz zu Techkonzernen brächten Krankenkassen den Kundennutzen mit hoher Sicherheit in Einklang. Koßmann erwartet maßgeschneiderte Lösungen für Patientinnen und Patienten zwischen allen Leistungserbringern und eine Abkehr vom Silodenken der einzelnen Gesundheitssektoren.

Für Dr. Regina Schmeer, MHH Pflegepraxiszentrum, muss Digitalisierung die Pflegenden entlasten: "Der Mensch muss immer im Vordergrund stehen. Wir bauen im Pflegepraxiszentrum der MHH die Pflegestation der Zukunft.“ Dort werden neue Technologien in praktische Anwendung gebracht. Die Gesundheitsdaten gehörten den Patienten und nicht Krankenkassen. Schmeer forderte mehr Eigenverantwortung für die Gesundheit jedes einzelnen.

Der Mensch muss im Mittelpunkt stehen


Jasmin Arbabian-Vogel, Interkultureller Dienst GmbH, sieht den zunehmenden finanziellen Druck in der Pflege kritisch, der nicht den Pflegealltag bestimmen sollte: "Für uns bleibt der Mensch in der Pflege ein zentraler Akteur.“ Plattformökonomie würden wir in den beziehungsstarken Dienstleistungsbereichen, wie der Pflege nicht unbedingt antreffen. Ähnliche Situationen wie im Taxigewerbe oder Einzelhandel erwarte sie nicht. Dringend notwendig wäre eine ethische Debatte in der ganzen Gesellschaft.

"Die Chancen sind so groß wie der Handlungsdruck"


Deutlich wurde, dass die Entwicklung so dynamisch ist, dass niemand absehen kann, wie es 2030 sein wird. Metropolregionsgeschäftsführer Kai Florysiak fasst zusammen: „Die Chancen sind ebenso groß, wie der Handlungsdruck. Auch für das Gesundheitswesen kann gelten: The winner takes it all. Deshalb hoffe ich sehr auf deutlich mehr Mut, Dinge grundsätzlich infrage zu stellen, mehr Mut zu Risiko, mehr Zusammenarbeit und eine Vervielfachung der Geschwindigkeit.“

Hintergrund:


Die Metropolregion GmbH besteht aus den Gesellschaftern Land Niedersachsen, den namensgebenden Städte Hannover, Braunschweig, Göttingen und Wolfsburg sowie den Vereinen Wissenschaft, Wirtschaft und Kommunen. Die MR hat sich als Entwickler, Träger und Partner von innovativen Projekten auf der regionalen, nationalen und internationalen Ebene etabliert. Die spezifischen Kompetenzen der MR GmbH liegen im Projektmanagement sowie in der Netzwerk- und Öffentlichkeitsarbeit. Durch die vielfältigen Gesellschafter, besonders aus den Bereichen Wissenschaft, Wirtschaft und Kommunen verfügt die GmbH über ein großes und kompetentes Netzwerk, in denen sich die Akteure, vor allem im Sektor Gesundheitswirtschaft stark einbringen.

Eine Aufzeichnung des HealthTalks ist auf der Youtube-Seite der Metropolregion GmbH zu finden


zur Startseite