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Helios bricht Tarifverhandlungen ab - Sozialverband über den Grund entsetzt



Gifhorn

Helios bricht Tarifverhandlungen ab - Sozialverband über den Grund entsetzt

Der Krankenhausbetreiber hat einen Corona-Bonus in Höhe von 400 Euro an die Bedingung geknüpft, dass 2022 keine Tarifverhandlungen stattfinden.

(Archivbild)
(Archivbild) Foto: Sandra Zecchino

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Gifhorn. Mit Unverständnis hat der Gifhorner SoVD-Kreisvorsitzende Heinz-Ulrich Kabrodt den Abbruch der Verhandlungen über den Tarifvertrag der Helios Kliniken Wittingen und Gifhorn kommentiert. Grund: Der Konzern lehnt eine Corona-Sonderzahlung für Krankenhausbeschäftigte von 400 Euro ab, wenn diese nach Haustarif beschäftigt sind. Es sei denn, die Mitarbeiter erklären ihren Verzicht auf Tarifverhandlungen für 2022. In einer Pressemitteilung bezeichnet der SoVD-Kreisverband Gifhorn das Vorgehen gar als Erpressung.



„Das grenzt an Erpressung und ist im höchsten Maß sozial ungerecht“, sagt Kabrodt, „gerade in Corona-Zeiten ist uns allen doch bewusst geworden, was Pflegekräfte leisten müssen. Diesen Mitarbeitern einen einmaligen Bonus nur unter Annahme inakzeptabler Bedingungen zu gewähren, ist skandalös.“ Hinzu komme, dass es Helios offensichtlich nicht am Geld fehle. Auf der Homepage von Fresenius-Helios beziffert der Konzern seinen Jahresumsatz 2020 immerhin auf 6,3 Milliarden Euro. Freuen können sich darüber allerdings nur die Aktionäre, denen eine Dividende von 5 Prozent gezahlt werden soll. Krankenhausbeschäftige im Landkreis Gifhorn können von solchen Zuwendungen nur träumen.
„Das ist ein Schlag ins Gesicht für Pflegekräfte. Eine Krankenschwester zum Beispiel verdient im Mittel rund 35.000 Euro brutto im Jahr. Die einmalige 400 Euro Corona-Prämie beträgt also nicht mal 1 Prozent ihres Einkommens. Es ist klar ersichtlich, dass die Pflegekräfte, die die größte Last bei der Versorgung der Patienten tragen und so einen immensen Beitrag zum Jahresumsatz liefern, die Verlierer sind,“ schimpft Kabrodt und fordert ein Umdenken in der Politik.

„Wir müssen uns ernsthaft fragen, ob es moralisch noch vertretbar ist, Krankenhäuser von Börsen notierten Unternehmen betreiben zu lassen, die – das ist ihr Geschäftsmodell - auf Gewinnmaximierung ihrer Aktionäre ausgerichtet sind. Medizinische Versorgung ist ein hohes soziales Gut und darf nicht zum Spielball von finanziell orientierten Profiteuren werden. Darunter leiden nicht nur die Krankenhausbeschäftigten, sondern im Erlebensfall wir alle, nämlich als Patienten!“ ergänzt der SoVD-Vorsitzende.


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