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Kulturvermittler: Salzgitteraner fährt 7.000 Kilometer mit dem Rad durch Europa



Kulturvermittler: Salzgitteraner fährt 7.000 Kilometer mit dem Rad durch Europa

Mit seiner Aktion will Recai Pak die Kultur der Türken auf eine völlig neue Weise bekannter machen.

von Julia Fricke


Mit seinem Fahrrad samt Anhänger hat Recai Pak bereits die höchsten Berge erklommen.
Mit seinem Fahrrad samt Anhänger hat Recai Pak bereits die höchsten Berge erklommen. Foto: Rudolf Karliczek

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Salzgitter. Im August ist Recai Pak mit seinem Fahrrad von Deutschland aus in die Türkei gestartet. Jetzt, 7.000 Kilometer später, ist er wieder in seiner Heimatstadt Salzgitter angekommen. Doch es soll nur ein kurzer Zwischenstopp sein, bevor es in zwei Wochen abermals auf große Tour geht. Dann macht sich der 46-Jährige von Gaziantep in der Türkei aus weitere 17.000 Kilometer auf den Weg. Dabei verfolgt er ein klares Ziel: Pak möchte mit seiner Aktion die orientalisch-anatholisch-türkische Kultur in Europa "vernünftig" vorstellen. Dabei soll auch auf die Historie, die Geschichte der Wanderwege dieses Volkes von Sibiren, über die Mongolei bis nach Deutschland in den Blick genommen werden.



Unterstützt von einem über 30-köpfigen Team fährt der gebürtige Salzgitteraner bereits seit viereinhalb Monaten alleine durch Europa und die Türkei. Seine Helfer kommen dabei selbst aus vielen verschiedenen Kulturkreisen. Zu dem Team zählen unter anderem Techniker, Historiker, Medien-Spezialisten und Spezialisten für Wetterkarten und Navigation. Über Kamera und Mikrophon kann Pak jederzeit mit seinem Team in Verbindung treten. So zum Beispiel, wenn Probleme auftreten. Die habe es in den vergangenen Monaten zwangsweise gegeben, wie Pak berichtet. Dazu zählen unter anderem Pannen, Navigationsprobleme und Übernachtungsschwierigkeiten. 13 Mal hatte er bereits einen Platten am Fahrrad, in Bulgarien ist die Felge kaputtgegangen. Sieben bis acht Kilo Werkzeug und Ersatzteile hat er selbst dabei. Hinzukommen nochmals sieben bis acht Kilo an Klamotten, Bandagen und Notausstattung. Zusammen mit dem Zelt und notwendigem Equipment kommt das Gepäck auf etwa 35 Kilo.

Von Begegnungen und Einschränkungen


Und auch Stürze habe es bereits gegeben. Dabei habe sich Pak Prellungen und Zerrungen zugezogen. "Gott sei Dank keine Brüche", so Pak, dessen Bein in der Vergangenheit bereits 13 Mal gebrochen war. Fünf Operationen habe er deswegen über sich ergehen lassen müssen. Elf Monate saß er im Rollstuhl. Hinzu kommen weitere körperliche Beschwerden: "Ich habe eine Schilddrüsenunterfunktion, Diabetes, Bluthochdruck und hohes Cholesterin." Auf seiner Tour hat er regelmäßig mit Schmerzen zu kämpfen. "Aber irgendwann gewöhnt man sich an den Schmerz. Der Schmerz ist ein guter Partner, ein Lebenszeichen", sagt er kämpferisch.


Auf seiner Reise hatte Pak schon viele Begegnungen: "Es gab schöne und schlechte Zeiten." So habe es Polizeikontrollen und auch Nachtfahrten gegeben. Einmal habe er bei minus 14 Grad in einer Höhe von 3.000 Metern gezeltet. Ein anderes Mal schenkte ihm ein Serbe eines seiner Brote, als Pak auf einem Berg weder Essen noch Trinken hatte. Es sind diese Begegnungen die Pak am Herzen liegen. "Das ist Menschlichkeit, die wir zeigen möchten. Mal haben wir Wasser bekommen, mal nicht." Doch auch rassistische Begegnungen habe er gehabt. "Von hier bis in die Türkei bis in den Orient gibt es Menschen, die keine andere Kultur kennen, als ihre eigene und bei denen ist der Rassismus sehr potenziell", erklärt Pak.

Generell müsse in dieser Hinsicht noch viel getan werden. "Wir vertreten die Länder, die wir durchreisen, wir zeigen Menschen und wir zeigen auch viel den Türken, der dahinter steckt. Der Türke muss neu dargestellt werden in Europa. Wir sind keine Gastarbeiter. Seid über 200 Jahren sind wir ein Freund des Deutschen. Es ist Zeit, dass wir wieder Rücken an Rücken stehen, denn in der Zukunft werden die Herausforderungen nicht weniger."

So geht es weiter


Auf seinem Zwischenstopp in seiner Heimatstadt Salzgitter will sich der 46-Jährige medizinisch durchchecken lassen, bevor Mitte Februar der Flug zurück in die Türkei geht. Auch die Strecke durch die Wüste Gobi in der Mongolei muss mit seinem Team besprochen und geplant werden. Die Vorbereitungen dafür laufen bereits. Ebenso hat Pak ein neues Fahrrad auf der Strecke von Köln bis nach Salzgitter erprobt. Das alte sei am Ende, obwohl es 4.000 Euro gekostet habe.

Von Gaziantep im Südosten der Türkei geht es die Mittelmeerküste entlang bis zu den Ägäis. Diese gehe es hoch, 2.500 Kilometer, 30.000 Höhenmeter, bis hin nach Istanbul. In Çanakkale soll ein deutsches Grab besucht werden. Dort lägen über 400 deutsche Soldaten, die gemeinsam mit den Türken im Ersten Weltkrieg gekämpft haben. Danach gehe es weiter per Flugzeug nach Ulaanbaatar, der Hauptstadt der Mongolei. Dann gehe es weiter an die sibirische Grenze. Dort fängt die Urgeschichte der Turkvölker an. Dann solle auch die alttürkische Geschichte gezeigt werden.

Die Tour können Interessierte in den Sozialen Netzwerken wie Youtube, Instagram und Facebook unter dem Namen "Eyvallah Türkiyem" verfolgen.


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