Wenn Kindesverletzungen voller Absicht zugeführt wurden


Symbolbild: pixabay
Symbolbild: pixabay Foto: Pixabay

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29.10.2018

Helmstedt. Am 24. Oktober stellte Frau Dr. med. Melanie Todt nach Informationen des Landkreises die Arbeit der Kinderschutzambulanz Hannover im Rahmen einer Veranstaltung des Netzwerks Frühe Hilfen des Landkreises Helmstedt vor. Die Veranstaltung war mit rund 50 Teilnehmenden unterschiedlichster Professionen im Rahmen der Frühen Hilfen gut besucht.


„Eine kreisrunde Wunde, etwa acht Millimeter groß: Das ist etwas, da muss man aufhorchen.“, so Frau Dr. Todt während ihres Vortrages „Verletzungen im Kindesalter – akzidentell oder nicht-akzidentell?“. Eine solche Wunde an einem kindlichen Körper führt immer zu dem Verdacht, dass das Kind absichtlich mit einer Zigarette verbrannt wurde. Denn die kindlichen Hautbarrieren sind noch nicht sehr widerstandsfest, es reicht ein kurzer Augenblick und „nur“ 60 Grad bei Kontakt zwischen heißem Gegenstand und der Haut und schon entsteht eine Verbrennung zweiten Grades.

Dr. Todt beschrieb den Unterschied zwischen typisch kindlichen, durch Spiel und Toben entstandene Verletzungen und absichtlich herbeigeführten Verletzungen sehr anschaulich anhand von Fällen ihres Alltags in der Kinderschutzambulanz Hannover. Immer wieder japsten die Teilnehmenden nach Luft, schüttelten die Köpfe. Sie waren bei der Sache, interessiert und stellten Fragen. Kein Wunder: Die Teilnehmenden der zweiten After- Work-Veranstaltung des Netzwerks Frühe Hilfen sind Akteure im Bereich der aktiven Kinder- und Jugendhilfe.

Flächendeckend eine fachlich fundierte Beratung


Die Kinderschutzambulanz ist ein Projekt des niedersächsischen Sozialministeriums in Kooperation mit der Medizinischen Hochschule Hannover. Mit Hilfe eines Außenstandortes in Oldenburg gelingt es der Kinderschutzambulanz flächendeckend in Niedersachsen eine fachlich fundierte Beratung und qualifizierte medizinische Diagnostik bei Verdacht auf Kindesmisshandlung oder sexuellen Missbrauch sicherzustellen. Hauptansprechpartner der Kinderschutzambulanz sind natürlich ortsansässige Kinderärzte, bzw. Allgemeinmediziner, aber auch das Jugendamt.

„Wenn es nötig ist, dann setze ich mich auch ins Auto und komme direkt zu einer ersten Diagnose und Beweissicherung zu Ihnen.“, so Dr. Todt. Zusätzlich bietet die Kinderschutzambulanz auch Telefonkonsile an, sodass sich unkompliziert über eine Software namens „Cryptshare“ mit verschlüsselter Datenweitergabe über Verdachtsfälle ausgetauscht werden kann.

Schulterschluss mit den Medizinern


Obwohl das Thema gezielt die Kinderärzte im Landkreis Helmstedt ansprechen sollte, konnte keine einzige Anmeldung verzeichnet werden. „Was es braucht ist ein Schulterschluss mit den Medizinern vor Ort in den Frühen Hilfen, damit Familien gut versorgt sind. Wir müssen am Ball bleiben und es immer wieder versuchen.“, so Carina Weferling, Netzwerkkoordinatorin Frühe Hilfen und Organisatorin der Veranstaltungen.

Die Veranstaltungsreihe „Gesundheit der Kleinsten gemeinsam fördern“ geht am 14. November um 19.00 Uhr mit dem Thema „Lifehacks für einen entspannten Familienalltag“ in die letzte Runde. Informationen gibt es unter 05351 – 121 1317 oder – 1355.


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